In wenigen Worten

Der Schutz bedrohter Tierarten gilt als eines der drängendsten Anliegen der Gegenwart. Das wohl populärste der als schutzwürdig betrachteten Tiere ist gegenwärtig der Wolf. Er gilt als Mythos, als faszinierend, schön, und als unverzichtbar für das ökologische Gleichgewicht. Mit dem Schutz dieses Tieres signalisiert unsere Gesellschaft ihre Bereitschaft, die Ressourcen der Natur mit anderen Lebewesen zu teilen.
Bekannt sind die Probleme der Weidewirtschaft mit diesem Tier, sie werden jedoch von der Öffentlichkeit als mit guten Willen lösbar betrachtet. Und für den Menschen sei der Wolf so gut wie ungefährlich.
Setzt man sich mit diesem Thema aber genauer auseinander, so zeigt sich, dass die propagierten Herdenschutzmaßnahmen ohne Bejagung des Wolfes nirgendwo zufriedenstellend funktionieren, am allerwenigsten in den Alpen. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass der Wolf ab einer gewissen Bestandesdichte für den Menschen durchaus bedrohlich werden kann. Auch hat der Wolf mit seinem Polarisierungspotential sehr offensichtlich einen ungünstigen Einfluss auf die psychosoziale Verfasstheit der Gesellschaft.
Es finden sich Hinweise darauf, dass es bei der Wolfsschutz-Propaganda der NGOs keineswegs nur um idealistische Motive geht, sondern auch um handfeste Geschäftinteressen, unter anderem im Hinblick auf Ökotourismus und Jagdtourismus.
Der Wolf ist in den letzten Jahren regelrecht zum Inbegriff von Artenschutz, Biodiversität, unberührter Natur, Wildnis und der menschlichen Sehnsucht danach geworden.
Dennoch sei gleich zu Beginn dieses Aufsatzes den Wolfsschützern, welche in ihrer Selbstwahrnehmung großteils Idealisten sind, die provokante Frage gestellt:
Wie nützt uns der Wolf? Befriedigt er seelische Bedürfnisse, beruhigt er unser ökologisches Gewissen, brauchen ihn die Ökosysteme, welche unser Überleben garantieren sollen, dient er über Spendeneinnahmen vor allem den NGOs oder stehen noch andere Interessen dahinter? Es ist im Rechtsstaat legitim, von Interessen geleitet zu sein, solange solche offengelegt werden (können).

Jedenfalls erhielten hierzulande seit dem Aufkommen des Naturschutzgedankens noch keine Wildtiere derart starke Aufmerksamkeit wie die Prädatoren, allen voran der Wolf, der weltweit nicht einmal auf der Roten Liste der IUCN steht. Kein aussterbender Singvogel, kein aussterbender Schmetterling hätte diesbezüglich je mit dem Wolf konkurrieren können.

„Wolfsfakten“ – kritisch beleuchtet

 

Jedenfalls ist der Wunsch nach diesem Tier offenbar stark genug, als dass zu seinem Schutz auch vor propagandistischen Unwahrheiten nicht zurückgeschreckt wird, die da lauten:

Weidewirtschaft und Wolf sind vereinbar

Von NGOs wird immer wieder behauptet, ein friedliches Zusammenleben der Weidetierhalter mit dem Wolf sei möglich und in anderen Ländern Realität, vor allem in Osteuropa.

Dass der Wolf in vielen dieser Länder nie ausgerottet wurde, ist durchaus richtig. Allerdings wurde beispielsweise in Rumänien die Wolfsjagd erst 2015 verboten, zuvor wurden Wölfe, die der Weidewirtschaft Probleme machten, ohne weiteres erschossen. Mit Hirten und Herdenschutzhunden allein fand man also keineswegs das Auslangen.

In osteuropäischen Nicht-EU-Ländern werden nicht nur Wölfe sofort erschossen, sobald sie sich der Herde nähern, es  gibt dort auch viel niedrigere hygienische und tierrechtliche Standards als bei uns: Herdenschutzhunde werden mit all dem gefüttert, was bei uns in den Tierkörperverwertungsanlagen landet. Nicht alle Hunde eines Wurfes eignen sich für die Aufgabe als Herdenschutzhund, unbrauchbare Welpen werden getötet. Ebenso werden Schutzhunde getötet, sobald sie ihre Aufgabe nicht mehr optimal erfüllen. Aber auch den Viehherden geht es dort viel schlechter als bei uns.
Auch die Erfahrungen Russlands zeigen, dass Herdenschutz nur in Anwesenheit eines bejagten Wolfes erfolgreich sein kann. Dort arbeitet man weder mit Elektrizität noch mit Herdenschutzhunden. Man bindet an die Weidezäune verschwitzte Kleidungsstücke, die den Wolf in Todesangst versetzen sollen. Zwischen Zaun und Wald muss immer 20 Meter Abstand sein, und dort muss in der Nacht bewaffnet patrouilliert werden.

https://www.jawina.de/prof-dr-christoph-stubbe-der-wolf-in-russland-historische-entwicklung-und-probleme/

Ein striktes Jagdverbot hingegen herrscht seit Jahrzehnten in vielen, durchaus aber nicht in allen Ländern Westeuropas. Propagiert wird von den NGOs Herdenschutz mit Elektrozäunen, Herdenschutzhunden und Hirten. „In der Schweiz, sowie in Frankreich und Italien hat man mit Herdenschutzprojekten bereits gute Erfahrungen gemacht“, behauptet der WWF.

https://www.wwf.at/de/wolf-mythos/

Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache:

Bereits 2018 hat Laurent Garde vom Forschungsinstitut für die Ausführung der Weidewirtschaft in den Alpes mediterranée  (Frankreich) auf einer entsprechenden Konferenz in Brüssel mit Statistiken bewiesen, dass Herdenschutz in den französischen Alpen gescheitert ist:

https://el-gr.facebook.com/collectifL113/videos/konferenz-in-br%C3%BCssel-%C3%BCber-das-gleichgewicht-der-schutzmittel-in-frankreich-von-l/2265805676852659/

Auch in Deutschland, wo die Herden großteils im Flachland stehen und deutlich leichter geschützt werden können als in den Alpen, lernen Wölfe immer wieder, auch erweiterte Schutzmaßnahmen zu überwinden:

 https://www.agrarheute.com/land-leben/wolfsangriffe-nutztiere-jahr-um-40-prozent-gestiegen-571571

In der Schweiz wurde am 27. September 2020 über ein neues Jagdgesetz abgestimmt, welches den Abschuss von Wölfen wesentlich erleichtern sollte. Wölfe sollten entnommen werden können, sobald Gefahr im Verzug ist, und zwar auch für ungeschützte Herden. Denn in der Schweiz finden Übergriffe bereits zur Hälfte auf geschützte Herden statt, und es zeichnet sich ab, dass die ständig erforderlichen Erweiterungen der Schutzmaßnahmen nie zu praktikablen Standards führen werden.

https://www.swissinfo.ch/ger/abstimmung–was-bedeutet-das-neue-schweizer-jagdgesetz-fuer-den-wolf-/45931454

Das Gesetz wurde mehrheitlich abgelehnt, und zwar vor allem mit den Stimmen der städtischen Bevölkerung, während die ländlichen Kantone weit überwiegend für das neue Gesetz gestimmt haben.

Die Bauern müssen besser beraten werden.

NGOs berufen sich auf Umfragen, wonach auch in Österreich die Mehrheit der Bevölkerung der Ausbreitung des Wolfes nach wie vor positiv gegenüber steht.

Aber auch Weidewirtschaft gilt der Mehrheit als tiergerechte Form der Nutztierhaltung. Sie offen dem Wolf zu opfern, würde Tierschutz-NGOs vorerst wenig Sympathie einbringen. Die Schuld am Niedergang der Weidewirtschaft in Anwesenheit des Wolfes wird daher den Betroffenen selber, anderen widrigen Umständen und dem Staat angelastet, weil er die Bauern zu wenig unterstützt.

Mittlerweile schreckt man auch vor einer Täter-Opfer-Umkehr nicht zurück, indem man Bauern auf das Tierhaltegesetz verweist, welches eine strafrechtlich relevante Verpflichtung beeinhaltet, im Freien gehaltene Tiere vor Prädatoren zu schützen. So mahnt Prof. Kotrschal: „Seine Schafe nicht zu schützen ist … grob fahrlässig.“

https://www.youtube.com/watch?v=tvvpo50pqFs&t=3383s  (Minute 39)

Auch Ministerin Gewessler hat mittlerweile den Almbauern diesbezüglich die Rute ins Fenster gestellt. „Das Umweltministerium erinnert die Bauern auch an den Herdenschutz und ihr­e Verpflichtung, Tiere, die vorübergehend oder dauernd nicht in Unterkünften untergebracht sind, so weit wie möglich vor Raubtieren zu schützen.“

https://www.tt.com/artikel/17282720/kein-ruetteln-am-schutz-wolfsfreie-zonen-nicht-moeglich


Die fehlende Motivation der heimischen Bauern, die oft nur noch aus Idealismus Landwirtschaft betreiben, angesichts der negativen Erfahrungen in anderen Ländern Zeit und Geld in aufwändige Herdenschutzmaßnahmen zu investieren, wird der Öffentlichkeit mit mangelndem Wissen und mangelnder Beratung erklärt und letztere vom Staat eingefordert.

Wer von Problemen mit dem Wolf selber nicht betroffen ist, wie die urbane Bevölkerungsmehrheit, wird vorerst von sich aus nicht auf die emotionale Bereicherung verzichten, welche das Wissen um die Anwesenheit des Wildtiers Wolf im eigenen Land mit sich bringt –
es sei denn, die Gesellschaft besinnt sich darauf, dass Demokratie auch das Prinzip des Minderheitenschutzes kennt. Die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga jedenfalls bat  im Vorfeld der Schweizer Abstimmung über das neue Jagdgesetz die städtische Bevölkerung – allerdings vergeblich – um Solidarität mit den Betroffenen am Land:

https://www.20min.ch/story/woelfe-toeten-neuerdings-sogar-kaelbchen-620873183362

 

Der Wolf ist für Menschen ungefährlich

Von Wolfsschützern wird immer wieder betont, dass Übergriffe von Wölfen auf Menschen äußerst unwahrscheinlich sind.
Bei den gegenwärtigen Bestandesdichten sind vorerst tatsächlich so gut wie keine Probleme zu erwarten. Wenn aber nicht beizeiten entsprechende Bestandesobergrenzen festgesetzt werden, könnte sich das durchaus dramatisch ändern, wie die Erfahrungen Russlands zeigen.

Dort berichtet man von bis zu 100 gerissenen Menschen pro Jahr allein im europäischen Teil des Landes, wenn die Wolfsjagd längere Zeit vernachlässigt wurde.

Im Allgemeinen meiden Wölfe Menschen als Beute, weil sie ihren Geruch nicht mögen. Ab einer bestimmten Dichte der Bestände aber führt die Nahrungsknappheit dazu, dass Wölfe auf menschliche Beute ausweichen. Die Gefahr für den Menschen beginnt ab einer Wolfsdichte von 4 Tieren pro 1.000 km². (Anmerkung: Das wären in der Schweiz 170 Wölfe, derzeit sind es 100. In Deutschland wären es etwa 1500 Wölfe, derzeit sind es etwa 1000, und die Population ist sehr jung. Artenschutz – NGOs können sich bis zu 14.000 Wölfen in Deutschland vorstellen, Schulungen für eine künftige Wolfsjagd sind nicht vorgesehen. In Österreich wäre das Limit bei etwa 350 Wölfen, vorerst sind es etwa 40)

Es sind die alten Wölfe mit schlechtem Geruchssinn und schlechtem Gebiss, welche sich auf Menschen spezialisieren, um nicht im Konkurrenzkampf gegen Artgenossen getötet zu werden. Denn 60% aller Wölfe in Naturlandschaften sterben im Kampf gegen Ihresgleichen.

48% der menschlichen Beute in Russland sind Tierhalter, dazu kommen mit 20% deren Kinder. Der Rest sind PensionistInnen, Hauswirte und bestimmte Berufe, die draußen arbeiten, wie Transportunternehmer und Mechaniker.
Die Erfahrungen Russlands zeigen zudem, dass der Wolf ein sehr potenter Überträger von Krankheiten ist, weshalb er in bewohnten Gebieten unbedingt scheu gehalten werden muss. Durch seine weiten Wanderungen überträgt er rasch Tollwut, Brucellose, Tularämie, Milzbrand und Listeriose. Mit Trichinen und mit vielen, auch gefährlichen Magen/Darm-Würmern kann er Menschen, Wild- und Haustiere anstecken.

Der Wolf ist für die Ökosysteme unverzichtbar

Immer wieder wird in Spendenaufrufen von NGOs die Behauptung aufgestellt, der Wolf sei für das Funktionieren der heimischen Ökosysteme unverzichtbar, sodass Erschwernisse für Weidetierhalter unbedingt in Kauf genommen werden müssen.

Fachleute wissen aber in Wahrheit sehr wohl, dass das für unsere Kulturlandschaft so eindeutig nicht zutrifft.

Im Jänner 2019 bekam ich als Schafhalterin von der Wochenzeitung „Die Furche“ die Gelegenheit, mit Norbert Walter, Landesjägermeister in Wien und des Dachverbandes „Jagd Österreich“ und mit dem Verhaltensforscher und Gründer des Wolfsforschungszentrums in Ernstbrunn, Kurt Kotrschal zu diskutieren.

Auf die Frage „Warum soll also nur der Wolf das Recht haben, in seinen angestammten Lebensraum zurückzukehren – warum nicht auch Ratten und Kopfläuse?“ antwortete Kotrschal: „Wölfe rotten ihre Beutetiere in der Regel nicht aus. In Rudeln lebende Wölfe haben positiven Einfluss auf die lokale Fauna, indem sie mittelgroße Raubtiere kontrollieren und Wildbestände gesund erhalten. Dass Wölfe nach Mitteleuropa zurückkommen, liegt vor allem am Nahrungsangebot. Wir haben eine gewaltige Überhege an Schalenwild. Das sind ökologische Argumente, die ich aber nicht für sehr wichtig halte. Das wichtigere Argument ist für mich demokratiepolitisch: Wenn 70 Prozent der Österreicher pro Wolf sind, dann sollte man versuchen, nachhaltig mit diesen Tieren zu leben. Zudem gibt es ethische Argumente: Wenn wir Europäer den Afrikanern und Asiaten zumuten, die Elefanten zu schützen, dann sollten wir auch fähig sein, mit ein paar Wölfen und Bären zu leben.“

https://www.furche.at/gesellschaft/eindruck-vom-weltuntergang-1221937

Auch bei der Veranstaltung „Nachgefragt“  am 27. Juni 2018 an der Universität Wien  sagte Kotrschal: „Eigentlich brauchen wir keine Wölfe. Wir haben bis jetzt ohne Wölfe gelebt … Aber irgendjemanden sollte es in Österreich geben, der gelegentlich auch die Gegenargumente bringt … Unter anderem wird die Flora beeinflusst, weil sie die grazing patterns ihrer Beute beeinflussen, das kennt man aus dem Yellowstone. Ob sie einen günstigen oder weniger günstigen Einfluss auf die Waldentwicklung haben, darüber streiten die Forstleute gerade besonders heftig, aber eigentlich sollten sie eine günstige Wirkung haben, und Wölfe sind natürlich wesentlich besser als menschliche Jäger im Gesunderhalten von Wildbeständen … Für mich sind aber die ethischen Aspekte wichtiger … Sind wir die einzigen, die Landschaft für wirtschaftliche Zwecke nutzen dürfen?“

Dieses ethische Argument wird der hiesigen Bevölkerungsmehrheit gegenüber zugegebener Maßen nicht zu entkräften sein, so lange die Landwirtschaft, ob aus dem In- oder Ausland, ausreichend Nahrungsmittel für alle zur Verfügung stellt.
Der Hinweis auf den Yellowstone-Nationalpark ist allerdings im Hinblick auf unsere Kulturlandschaft kein tauglicher Vergleich.

Der 2019 verstorbene deutsche Wildbiologe, Förster, Mitbegründer des ökologischen Jagdverbandes und als Wolfsexperte Mitarbeiter im deutschen Wolfsmanagement, Ulrich Wotschikowsky, stellte in einem Interview kurz vor seinem Tod klar: „Wir haben die Wölfe verloren, die waren uns  – sagen Sie vom Schöpfer, sagen Sie von der Evolution oder von der Natur – gegeben, und diese Verluste empfinde ich als schmerzlich … jetzt kommen die Wölfe zurück, und darüber freue ich mich …

Ob das nun für das Ökosystem gut oder schlecht ist, das wäre eine menschliche Wertung … Sie erfüllen eine ökologische Funktion, Ökosysteme funktionieren aber auch ohne Wölfe … das haben wir ja 200 Jahre lang mit den Wölfen erlebt: kein Ökosystem ist deswegen in die Brüche gegangen“

Klaus Hackländer fragt in seinem Buch „Er ist da. Der Wolf kehrt zurück“ (ecowin Verlag 2020): „Gibt es auch Lebewesen, die vom Wolf profitieren?“ und antwortet: „Eher wenige. In speziellen Fällen können Wölfe aber sehr nützlich sein.“ Rabenvögel, Adler, Füchse und andere, die sich von Aas ernähren, bekommen das zu fressen, was Wölfe übrig lassen und vermehren sich. Andererseits fressen Wölfe auch Füchse, was deren Beutetieren, vor allem Hasen und Mäusen helfen könnte. Wenn Wölfe viele Wildwiederkäuer fressen, dann verbeißen diese Tiere weniger Bäume im Wald. „Diese Betrachtungen vereinfachen natürlich ein komplexes System, das nicht aus Nahrungsketten, sondern eigentlich aus Nahrungsnetzen besteht, das wir bis heute nicht durchschauen. Nicht selten ist auch der Wunsch Vater des Gedanken und die ökologische Rolle der großen Beutegreifer wird vielleicht falsch eingeschätzt. Fakt ist jedenfalls, dass funktionierende Ökosysteme generell eine hohe Artenvielfalt benötigen – und da sind Wölfe ein wichtiges Mosaiksteinchen.“

In Russland unterliegt der Wolf einer wildökologischen Raumplanung, welche auf Grund der Größe des Landes im Unterschied zu einzelnen europäischen Ländern gut durchführbar ist. Die Erfahrungen dort zeigen, dass der Mensch nur neben einer scharf bejagten Wolfspopulation existieren kann. Um den Wolfsbestand konstant zu halten, muss pro Jahr die Hälfte der Tiere getötet werden. Dann bleibt der Wolf auch scheu und nähert sich dem Menschen kaum. Und nur unter dieser Bedingung hat er für die Kulturlandschaft noch einen ökologischen Nutzen. In den 1980er Jahren versuchte man in Russland, den Wolf wie in Amerika und Europa auszurotten, aber in großen menschenleeren Waldgebieten ist das unmöglich. Heute sind diese Regionen Schutzzonen, in welchen die Wolfsjagd verboten ist. Aber auch dort muss das Tier in den Randzonen bejagt werden, weil es ansonsten bei Nahrungsmangel das Gebiet verlässt und anderswo Schaden stiftet. In den Ballungsräumen und Viehhaltungsgebieten Russlands dürfen sich keine Wölfe aufhalten. Dort werden sie systematisch gejagt. Überall sonst muss der Wolf geduldet, aber auch bejagt werden, jedoch ohne Fallen, Schlingen und Gift.

 

Gesetze zum strengen Schutz des Wolfes sind „in Stein gemeißelt“

Auf welche Gesetze berufen sich die Wolfsschützer?

Die Berner Konvention schützt nicht nur Einzelarten wie den Wolf, sondern auch Lebensräume, darunter auch die biodiversitätsfördernden traditionellen Landnutzungsformen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Berner_Konvention

1992 leitete die EU aus der Berner Konvention die FFH – Richtlinie ab.

https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie_92/43/EWG_(Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie)

Den Initiatoren dieser Übereinkommen war sehr wohl bewusst, dass die Richtlinien zu Zielkonflikten führen können und Abwägungen erforderlich machen. So wird in Skandinavien beispielsweise ganz Lappland wolfsfrei gehalten, um die ökologisch wertvolle Rentierwirtschaft der Samen nicht zu gefährden.

https://www.spiegel.de/spiegel/norwegen-schweden-warum-skandinavische-laender-die-jagd-auf-woelfe-erlauben-a-1196492.html

Derlei Abwägungen lässt man aber hierzulande als Grundlage für Lösungen nicht gelten.

 

Profiteure des Wolfsschutzes 

 

Welches Ziel also verfolgen NGOs mit dem Wolf? Wem nützen die teilweise widerlegbaren Behauptungen des WWF?  Das Wildtier Wolf profitiert zweifellos davon. Wer noch?

 

Der Wolf schafft Arbeitsplätze

Selbstverständlich profitieren NGOs wie der WWF oder der NABU von Spendengeldern, welche die Bevölkerung bereit ist, für den Schutz des Wolfes auszugeben. Geld verdient wird auch durch Wolfsbeauftragte, Monitoring, Forschung, Hundezucht und mit der Produktion von Elektrozäunen. Das ist legitim. Aber ist das schon alles?

 

Das historische gewachsene Interesse des WWF

Betrachten wir einmal den WWF von seiner Entstehung her: „Obwohl bereits im Jahr 1948 mit der IUCN die erste globale Natur- und Umweltschutzorganisation der Welt ins Leben gerufen worden war, hatte sich die Organisation nicht wie gewünscht in einer breiten Öffentlichkeit etabliert. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, eine neue Organisation zu schaffen, die unkompliziert arbeiten und sich für Natur- und Umweltschutz einsetzen sollte … Kritiker wie Wilfried Huismann stellen fest, dass die Gründung des WWF auf zutiefst rassistische Motive britischer Kolonialisten zurückging. Die Sorgen, die sich die Gründer um die Naturräume Afrikas machten, waren direkt mit der Aufhebung der Kolonialverwaltungen verknüpft. Die indigenen Bewohner der großflächigen Nationalparks galten als schmutzig und ihre traditionellen Wirtschaftsformen, die jahrhunderte- oder jahrtausendelang mit den Wildtieren koexistierten, wurden von den Europäern jetzt für eine Bedrohung gehalten. Allen Gründern gemeinsam war, dass sie begeisterte Großwildjäger waren, die die Nationalparks als touristische Ziele planten.“

https://de.wikipedia.org/wiki/WWF#Geschichte

 

Im Vorwort zum Buch “If I were an Animal” schrieb der ehemalige WWF – Präsident Prince Philipp: “Sollte ich einmal wiedergeboren werden, dann bitte als tödlicher Virus. So könnte ich meinen Teil beitragen, um das Problem der Überbevölkerung zu lösen.”

Wiederum sind es nicht nur die Wildtiere, welche von den Schutzaktivitäten profitieren, es sind darüber hinaus menschliche Interessen, vor allem der finanziell einträgliche Tourismus, allen voran der Jagdtourismus. Das ist nicht per se schlecht, die Frage ist aber, wie weit beides im Interesse der ansässigen Bevölkerung ist.

 

Jagdtourismus

 

Die Bedeutung der Jagd

Immer mehr Zeitgenossen sind der Ansicht, Jagd sei per se ein Anachronismus und eine Perversion. Jedes Tier habe ein Recht auf Leben.

Diese Sichtweise verkennt, dass der Mensch mit seiner animalischen Dimension ebenso in das Töten und Getötetwerden hineingestellt ist wie Tier und Pflanze. Wir müssen uns ernähren, und es wäre eine Illusion zu glauben, dass selbst eine rein pflanzliche Ernährung uns von der Verantwortung des Tötens befreit. Ackerbau geht mit Sicherheit mit dem Tod einer weitaus höheren absoluten Zahl an Tieren einher als etwa Weidewirtschaft. Jeder Pflug tötet tausende Mäuse, Käfer und Würmer. Auch das natürlichste Pyrethrum des Biolandwirtes tötet unzählige Schadinsekten, ohne deren Bekämpfung Hungerkatastrophen drohten.
Selbst wenn es Hühner und Gänse sind, welche Schnecken rund um den Gemüsegarten eliminieren, wer trägt die Verantwortung für deren Tod, die Vögel oder der Mensch, der die Aufgabe an sie delegiert? Und wir würden nichts ernten, wenn nicht die Jagd Rehe, Hirsche und Wildschweine von den Feldern fernhielte. Dazu kommt, dass in Mitteleuropa eine traditionelle Kulturlandschaft deutlich artenreicher ist als eine Naturlandschaft wie der Wald, und dass nur die Jagd diese Vielfalt im Gleichgewicht halten kann.
Was uns von Tieren unterscheidet ist nicht, dass wir aufs Töten verzichten könnten. Was uns unterscheidet ist, dass wir sorgfältig entscheiden können, wann wir es tun und wann nicht, wann es einen Sinn erfüllt und wann nicht. Und es kommt darauf an, WIE wir es tun. Wir können dem Töten eine Würde geben – wenn wir uns denn entscheiden, es zu tun. An dieser Stelle sei ein Vergleich erlaubt zwischen einer verantwortungsvollen Weideschlachtung …

… und einem Wolf, der in einer Viehherde wütet:

https://www.suedtirolnews.it/chronik/woelfe-auf-villnoesser-alm-im-blutrausch-video

 

Schließlich müssen uns auch wir Menschen der Tatsache stellen, dass die Natur uns den Tod zumutet, dass wir als Nahrung vorgesehen sind wahlweise für Greifvögel, denen sich die toten Tibeter hingaben auf ihren hohen Gerüsten, oder für Bodenorganismen, wenn wir uns begraben lassen.

Verantwortungsvolles Töten ist stets ein Akt der Selbsttranszendenz, ein Akt des Verzichtes auf ein Lebewesen, ein Erinnern an die eigene Sterblichkeit, ein Memento mori, um anschließend das Leben wieder umso dankbarer entgegenzunehmen aus den Hand einer Tierseele, die für uns geopfert hat.

Dass die ortsansässigen Jäger nicht begierig sind, Wolfsbestände planmäßig zu managen, wie Hackländer betont, ist glaubwürdig, denn die Wolfsjagd ist äußerst aufwändig.

Was es bedeutet, außer Kontrolle geratene Wolfsbestände zum Schutz von Nutztieren und Menschen wieder zu dezimieren, zeigt die russische Geschichte:

Immer wenn Russland in Kriege verwickelt war und die Waffenträger an der Front waren, vermehrten sich die Wölfe bedrohlich. Nach der kriegerischen Expansion des russischen Reiches nach Zentralasien gab es im europäischen Teil Russlands schließlich 170.000 Wölfe, mehr als 40 pro 1000 km². Es war nicht mehr möglich, das Haus ohne Waffe zu verlassen, Kinder durften nicht vor die Tür. Aber in den Dörfern gab es einen Mangel an Waffen, und das Wissen um die Wolfsjagd war verloren gegangen. So wurden zwischen 1870 und 1887 allein im europäischen Teil Russlands 1.455 Menschen vom Wolf gefressen. Ende des 19. Jahrhunderts waren es immer noch 50 bis 100 Menschen jährlich. Aus Moskau kamen schließlich Spezialisten, die den Dorfbewohnern die Methoden der Wolfsjagd beibrachten, und noch heute gibt es regelmäßig solche Schulungen auf dem Land. Der Wolf ist äußerst schwer zu jagen, es braucht dazu viel Wissen und Erfahrung.

Es dauerte bis 1911, die Wolfspopulation wieder unter Kontrolle zu bekommen. Während der Oktoberrevolution vernachlässigte man die Wolfsjagd wieder, die Wolfspopulation stieg rasant, und die Tiere fielen auch wieder Menschen an. Bis zum Jahr 1942 wurde eine Million Haustiere gerissen. Der Staat führte anschließend den Kampf gegen die Wölfe mit ganzer Kraft. 1924 wurden 30.000 Wölfe erlegt. (Anmerkung: Das musikalische Märchen “Peter und der Wolf” von Sergej Prokoffiew entstand während dieser Zeit, im Jahr 1936:

Im Zweiten Weltkrieg waren die meisten Jäger wieder an der Front. Die Wolfspopulation stieg wieder stark an. Ende der 1940er Jahre wurden dann jährlich 40.000 bis 50.000 Wölfe erlegt. Huftiere wurden angesiedelt zur Ernährung der Bevölkerung. Ende der 1950er Jahre, also nach 15 Jahren intensiver Anstrengung, hatte man den Wolfsbestand wieder unter Kontrolle. Mitte der 1960er Jahre gab es Wölfe nur noch auf einem Drittel des russischen Territoriums.

1970 stellte man die Wolfsjagd weitgehend ein. Man legte große Tierfarmen mit Tierkörperbeseitigungsplätzen an.
Erstmals kamen Artenschutzbestrebungen auf nach dem Vorbild Amerikas und Europas. So wie auch in Westeuropa ist in Russland die Beziehung zum Wolf auf dem Land anders als in der Stadt. Am Land leidet man unter ihm, in der Stadt ist man von ihm fasziniert und betrachtet den Wolf als Gesundheitspolizei im Wald. Heute weiß man in Russland, dass diese Rolle des Wolfes überschätzt wird. 90% der gerissenen Tiere sind gesund.

Die Wolfsbestände Russlands nahmen Ende der 1970er Jahre wieder zu. Verdoppelten sie sich, verdoppelten sich auch die Nutztierrisse. Ende der 1970er Jahre waren die Wolfsbestände wieder außer Kontrolle geraten. Die Sowchosen verloren viele Pferde und Rinder. Auch Übergriffe auf Menschen fingen wieder an.

Heute betreibt man ein geordnetes Wolfsmanagement mit wolfsfreien Gebieten, Schutzzonen und Zwischengebieten mit einer scharfen Kontrolle der Bestände.

In den Gebirgsregionen ist es sehr schwierig, die Bestände zu kontrollieren. Offene Flächen wie die Ukraine lassen sich leichter wolfsfrei halten.

Die Wolfsjagd gilt in Russland als Hauptaufgabe der Jagd überhaupt.

https://www.jawina.de/prof-dr-christoph-stubbe-der-wolf-in-russland-historische-entwicklung-und-probleme/

 

Moralisch fragwürdig ist die Verdrängung des Tötenmüssens in der gegenwärtigen Konsumgesellschaft mit ihrem frevelhaft hohen Fleischkonsum und die Entmenschlichung der Tötung durch Industrialisierung wie in den gegenwärtigen Schlachthöfen. 

Moralisch ebenso fragwürdig ist das Töten um seiner selbst willen, die pure Lust am Töten.

 

Was versteht man unter Jagdtourismus

An dieser Stelle lohnt es, sich mit dem Phänomen des Jagdtourismus genauer auseinander zu setzen. Im Jahr 2009 schrieb ein Absolvent des Universitätslehrganges JagdwirtIn an der BOKU Wien, Kurt Hofer, seine Abschlussarbeit zum Thema „Jagdtourismus, eine nachhaltige Form der Jagd?“ Betreut wurde er von Prof. Klaus Hackländer, der auch für den WWF als Berater arbeitet.

https://jagdwirt.at/DesktopModules/ContentList/Uploads/Hofer%20K_Jagdtourismus_2010.pdf

Auf Seite 13 schreibt Hofer: „Als erste Anfänge eines Jagdtourismus kann man wohl die koloniale Jagd der Europäer Anfang des 19. Jahrhunderts in Afrika bezeichnen, die mit der beginnenden Besiedlung des Inneren des Kontinents einherging. Ihre Hochzeit hatten die europäischen Großwild- und Trophäenjäger in der Mitte des 19. Jahrhunderts … Gleichzeitig entwickelte sich auch ein lukrativer Markt für Trophäengebühren und Elfenbein. Fast überall auf dem Kontinent wurde ohne jegliche Beschränkung gejagt, Begriffe wie Abschussbegrenzung oder Schonung bestimmter Wildarten oder Gebiete blieben gänzlich unbeachtet. Es kam zum Teil zu Massentötungen, die vielerorts Wildbestände bedrohten, und das führte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zur Errichtung von ersten Naturschutzreservaten.“

Und weiter auf Seite 14: „Auf dem europäischen Kontinent blieb die Jagd lange Zeit dem Adel und vermögenden Gutsherren vorbehalten. Auch hier entwickelte sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts etwas Ähnliches wie Jagdreisetourismus. Das betuchte Klientel reiste je nach Jahreszeit und Wildart in die entsprechenden Jagdgebiete, also zur Blattjagd nach Südböhmen, zur Hirschbrunft in die Karpaten, danach zu den Niederwildjagden nach Ungarn und so fort. Man war bei Freunden eingeladen oder hatte große Reviere gepachtet. Jagdreisetourismus wie wir ihn heute kennen, also eine Jagdreise mit Gesamtkosten von zwei- bis viertausend Euro die auch für einen Durchschnittsverdiener erschwinglich ist, gibt es in Europa erst seit den Siebzigern. Obwohl schon 1956 mit Ungarn das erste kommunistische Land für ausländische Jäger Grenzen und Reviere öffnete, blieben diese Jagdreisen aber anfänglich den wenigen Vermögenden vorbehalten. Mit dem Wirtschaftswachstum in Westeuropa stieg aber auch die Kaufkraft und so verwundert es nicht, dass schon im Jahr 1980 ca. fünfunddreißigtausend ungarische Jagdkarten für ausländische Jäger ausgestellt wurden.“

 

Jagdtourismus und Nachhaltigkeit

 Wie nachhaltig kann die Ausübung einer solchen Jagd sein? Hofer auf Seite 31:  „Über viele Jahre wurden jagdliche Nutzung von Wildtieren` und ,Naturschutz` als unvereinbare Gegensätze gesehen. Im Jahr 2000 wurde in Amman (Jordanien) beim Weltkongress der Internationalen Union zum Schutz der Natur und der natürlichen Ressourcen (IUCN) bei der Grundsatzerklärung zur nachhaltigen Nutzung wild lebender Ressourcen festgehalten, dass auch die Nutzung von wild lebender Fauna und Flora, sofern sie nachhaltig ist, ein Instrument des Naturschutzes sein kann und zur Erhaltung einer biologischen Vielfalt beitragen kann … Wo einer wildlebenden Ressource ein wirtschaftlicher Wert zugeordnet werden kann, falsche Anreize ausgeschlossen und Kosten sowie Nutzen internalisiert sind, können günstige Bedingungen für Investitionen zugunsten der Erhaltung der Natur und der nachhaltigen Nutzung der Ressource geschaffen und somit das Risiko der Schädigung oder des Verlustes sowie des Lebensraumes gemindert werden …“

Jagdtourismus allerdings schafft dennoch Probleme, welche die Jagd durch ortsansässige Jäger nicht kennt.  Hofer geht darauf auf Seite 39 ein:

„Der Jagdtourist hat nur begrenzt Zeit und erwartet sich entsprechenden Jagderfolg. Unabhängig von der Wettersituation, der physischen Fitness und der Schießfertigkeit des Jagdgastes, muss Strecke gemacht werden. Unabhängig davon aufgrund welcher Motive er die Jagdreise angetreten hat, immer will er eine Trophäe mit nach Hause nehmen“

Jagdtourismus erzwingt also einen hohen Jagdtierbestand, auf ökologische Kriterien kann somit nicht Rücksicht genommen werden. „Die Jagd der ortsansässigen Jäger ist eindeutig nachhaltiger als die Jagd der Jagdtouristen.“

https://jagdwirt.at/DesktopModules/ContentList/Uploads/Hofer%20K_Jagdtourismus_2010.pdf

Jagdtourismus ist also ein bedeutendes Geschäft, welches aber oft zu Lasten der Nachhaltigkeit und auch zu Lasten weniger privilegierter und oft nachhaltiger agierender ortsansässiger Bevölkerungsschichten geht.

 

Jagdtourismus und WWF

Der folgende Beitrag des ORF zum Thema Jagd thematisiert unter anderem den Jagdtourismus in Tansania. Klaus Hackländer, Berater des WWF, verteidigt ihn wie folgt: „Die Naturschutzorganisation IUCN hat irgendwann einmal festgestellt in den 1990er Jahren, dass wenn man Tiere erhalten möchte, nicht als Individuen, aber Populationen, kann es sinnvoll sein, einzelne Individuen freizugeben für die Jagd, damit sie einen Wert bekommen“

Die ortsansässige Bevölkerung in Tansania allerdings macht mit diesen Tieren nicht nur positive Erfahrungen. Die Jagdtiere schädigen die Ernte in diesem Land, wo Hunger nach wie vor ein Thema ist.

https://www.aktiongegendenhunger.de/aktuelles/tansania-entwicklungsstoerungen-durch-mangelernaehrung

Auch Menschen und Nutztiere sind gefährdet. Klaus Hackländer fordert Zäune zum Schutz der Kulturen und möchte die Menschen dafür am Geld aus der Jagd teilhaben lassen. Nur so könne verhindert werden, dass die Tiere ausgerottet werden.

 

Ein weiteres Beispiel ging in den letzten Jahren immer wieder durch die Medien, zuletzt 2019: Die Menschenrechtsverletzungen an den BAKA-Pygmäen in Kamerun, die vom WWF zumindest billigend in Kauf genommen werden.

Die Menschenrechtsorganisation Survival International verurteilt seit Jahren die brutale Verfolgung dieses indigenen Volkes durch Anti-Wilderer-Einheiten und fordert den WWF auf, seine Finanzierung dieser Einheiten zu stoppen.

Der Hintergrund: Seit vielen Jahren werden im Südosten Kameruns viele Flächen in Nationalparks umgewandelt. Andere Flächen sind für die Safari-Jagd vorgesehen. „Doch viele Teile dieser Region sind die angestammte Heimat der Baka-,Pygmäen`, die Jahrhunderte in diesen Wäldern gelebt haben. Das Problem ist, dass in diesem Modell von Naturschutz – wo Land indigener Völker zu Nationalparks gemacht wird – gerade jene Menschen, die sich um den Wald kümmern, kriminalisiert werden. Indigene werden oft aus ihrer Heimat vertrieben, oder ihnen wird verboten zu sammeln und zu jagen. Oder diese Aktivitäten werden stark eingeschränkt. Also können sie sich nicht länger versorgen und enden am Boden der Gesellschaft, verzweifelt und mit schweren sozialen Problemen – das erleben wir immer wieder, ob in den Reservaten von Native Americans oder in den Gemeinden der Aborigines in Australien. Der WWF war eine treibende Kraft hinter der Schaffung dieser Nationalparks, und er finanziert seit 2000 auch die Anti-Wilderer-Einheiten, die die Region überwachen und Anti-Wilderei-Gesetze durchsetzen. Und der WWF berät Abholzungsunternehmen, die ebenfalls im Wald der Baka aktiv sind.“

https://www.survivalinternational.de/artikel/3365-baka-wwf-fragen

Vertreter des WWF wurden 2019 von Kanzlerin Angela Merkel in dieser Angelegenheit vorgeladen.  Der WWF reagierte darauf und veröffentlichte ein Statement über ergriffene Maßnahmen auf seiner Homepage.

https://www.wwf.ch/de/wwf-statement-zu-kamerun

Auf Betreiben von Survival International allerdings suspendierte die EU Gelder an den WWF für dieses Projekt.

https://www.survivalinternational.de/nachrichten/12387

Im Kongo entstehen jetzt ähnliche Projekte, die auch dort zu Lasten der BAKA gehen.

https://www.survivalinternational.de/indigene/baka-messok-dja

Der WWF steht Konzernen nahe, weshalb sich Greenpeace zuweilen bereits von ihm distanziert hat.

 

Der Wolf als Trophänträger

Geht es beim Schutz des Wolfes also tatsächlich nur um Arten- und Naturschutz, oder geht es doch auch noch um etwas anderes?

Klaus Hackländer, Berater des WWF, stellt in seinem Buch „Er ist da. Der Wolf kehrt zurück“ in Abrede, dass der Wolf über jagdlich relevanten Trophäen verfügt. Es ginge daher beim Schutz des Wolfes nicht um die Interessen von Trophäenjägern.

Sehr wohl  sind Jagdtouristen an Trophäen (Gebiss, Kopf, Fell) interessiert. Dafür gibt es zahlreiche Belege.

Die Interessen der Jagdreisenden: Ulrich Wotschikowsky

Der Sender Arte brachte 2016 ein ausführliches Interview mit einem maßgeblichen Mitarbeiter im deutschen Wolfsmanagement, Ulrich Wotschikowsky, der 2019 verstorben ist. Wotschikowsky war nicht nur Wildbiologe und Förster, sondern auch passionierter Jäger, der gerne Jagdreisen unternahm.

Zum Thema Jagd sagte er: „Die Jäger waren … vor 60, 70 Jahren so etwas wie der Feldgendarm … und heute ist das alles ganz anders … Der Jäger geht nicht hinaus, um den Wald zu schützen, sondern um Beute zu machen, und wenn er reichlich Beute machen kann, dann ist ihm das umso lieber … Der Wolf könnte ein Kumpan des Jägers werden … Das, was ein Wildtier an Faszination ausstrahlt, das hat es gewonnen durch die scharfe natürliche Auslese, und die haben wir Schritt für Schritt aus den Revieren verbannt … So sind die Wildtiere auf dem Weg zum Haustier, und ich frage jeden Jäger, ob er das will … Einen Wolf zu sehen, da geht einem der Puls hoch, das ist ein unheimlich gutes Gefühl.“

Schon 2015 hielt Wotschikowsky einen Vortrag über den Wolf bei der Organisation Wald und Holz Nordrhein-Westfalen. Die FFH – Richtlinie sieht für Deutschland ein Minimum von 165 Wolfsrudeln vor, um einen guten Erhaltungszustand der Population zu gewährleisten.

Deutschland aber hätte laut Wotschikowsky Platz für 4000 Wölfe (Anmerkung: Mittlerweile hat das deutsche Bundesamt für Naturschutz diese Zahl auf 14.000 erhöht.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Studie-Hat-Deutschland-Platz-fuer-14000-Woelfe,wolf4298.html

Wotschikowsky fordert zwar nicht das ökologische Maximum, will sich aber mit dem Minimum keinesfalls zufrieden geben. Es müsse da einen gesellschaftlichen Kompromiss geben.

Sobald allerdings die vereinbarte Zahl an Wölfen erreicht ist, könne man über eine Bejagung nachdenken. „Ich glaube, da wird es zu einem Paradigmenwechsel kommen, indem wir nämlich Wölfe im Zusammenhang mit einer Bejagungsmöglichkeit vollkommen anders sehen als Hirsche oder Hasen oder Wildschweine. Es wird nicht reichen, dass wir sagen: Wir haben genug Wölfe, jetzt können wir welche bejagen. Sondern es wird die Frage wahrscheinlich umgekehrt heißen: Warum sollen wir Wölfe bejagen.“

Wotschikowsky zählt 4 mögliche Motive auf: Trophäenjagd, Jagd zur räumlichen Einschränkung, Jagd zur Dichteregulierung und Jagd zur Erhaltung der Distanz zum Menschen.

Von all diesen vier Motiven lässt Wotschikowsky nur die Trophäenjagd als legitim gelten. „Da werden wenige Tiere der Population entnommen, das ist für eine Populationsentwicklung unbedenklich … Es müsste dadurch der Wolf erst zu einer jagdbaren Art erklärt werden, und er müsste aus dem Schutzstatus, in dem er momentan ist, nämlich im Anhang IV, herabgestuft werden in den Anhang V. Aber der Anhang V verlangt ebenfalls eine selektive Bejagung, das heißt, es darf nicht irgendein Wolf erschossen werden, sondern es muss vorgeschrieben und erkennbar sein, ob man auf einen männlichen oder weiblichen Wolf schießt, oder vor allem auf einen Jungwolf oder einen erwachsenen Wolf. Und diese Unterscheidung ist bei Wölfen im Winter … nicht möglich … Ich bin gespannt, wie sich die EU zu diesem Gesichtspunkt stellt. Da muss ihr wirklich etwas einfallen.“

Abschüsse als Herdenschutzmaßnahme lehnt Wotschikowsky ab. Große Herden von mehreren hundert Tieren seien gut schützbar. (Anmerkung: Österreichische Bauern halten durchschnittlich 27 Schafe und Ziegen) Auf kleine Herden könne man verzichten, weil sie ohnehin nichts zum Bruttosozialprodukt beitragen. Die Haltung von „Hobbyschafen“ werde hauptsächlich über Naturschutzmittel finanziert zur Deichpflege, zur Pflege von Streuwiesen, Magerrasen usw.

(In einem anderen Vortrag stellt Wotschikowsky auch solche Förderungen in Frage: „Man wird also wohl auch die Programme, die man hat, bestimmte Landschaftsbilder durch Schafbeweidung zu erhalten, auf den Prüfstand stellen, wenn man es mit den Wölfen ernst nimmt, und man muss sich irgendwann einmal entscheiden: Wollen wir die Wölfe, oder wollen wir unbedingt dort die Schafe? Geht es dann MIT den Wölfen oder geht es NICHT? Und gelegentlich muss man da vielleicht auch einmal einen harten Schnitt zu Lasten der Wölfe machen.“

Zu eventuellen wolfsfreien Zonen stellte Wotschikowsky klar: „No-go-areas sind in meinen Augen in Deutschland keine zielführende Lösung. No-go-areas sind nur in sehr großen räumlichen  Dimensionen sinnvoll, zum Beispiel ganz Lappland ist No-go-area für Wölfe … Man könnte sich vorstellen, den ganzen Alpenraum wolfsfrei zu halten … Das ist (aber) erklärtermaßen nicht der Wille aller dieser Regierungen.“

Jagd zur Dichteregulierung bringe für die Nutztiere nichts, die Weidetierhalter müssten Herdenschutz betreiben, egal wie viele Wölfe sich in einer Region aufhalten.

Bezüglich einer Jagd zur Erhaltung der Distanz der Wölfe zum Menschen meint Wotschikowsky: „Das Verhalten der Wölfe wird in der Zukunft eine ganz besondere Herausforderung an ein gutes Monitoring sein, denn wir haben in Deutschland ein außergewöhnliches Experiment vor uns, und zwar Wölfe in zunehmender Zahl in der vom Menschen dichtest besiedelten Region auf der Welt überhaupt. Keiner weiß heute, wie sich das entwickeln wird.“

Wotschikowsky war offenbar nicht der Einzige, der mit einer zukünftigen Erlaubnis der Trophäenjagd auf den Wolf in der EU rechnete.

 

Informationen auf jagdlichen Websites

Auf einer deutschen Webseite schildert Ulf Lindroth im Jahr 2017 seine Erfahrungen mit der Wolfsjagd. Dort heißt es gleich zu Beginn: „Die Jagd auf Wölfe – egal ob in Osteuropa, Nordamerika oder bald in heimatlichen Revieren –, ist die Krone der Raubwildjagd.“

Und weiter unten: „Zentraleuropäische Jäger werden bereits in naher Zukunft Wolfsbestände kontrollieren müssen. Die Wölfe werden eine sehr ernste Bedrohung für die Wildbestände, fürs Nutzvieh und für  Jagdhunde darstellen. So ist es bereits in Skandinavien der Fall. Es wird also dazu kommen, sie bejagen zu müssen. Jedoch sehe ich den Wolf nicht als Problem. Das wäre zu kurz gedacht. Zu erst einmal ist der Wolf ein Test für den Jäger. Eine ehrliche und interessante Herausforderung …

Im Jahre 2013 verabschiedete die schwedische Regierung eine neue Strategie, wie mit Großraubwild künftig umgegangen werden soll. Demnach seien für Schweden 270 Wölfe ausreichend, um eine stabile Population zu gewährleisten. Diese Zahl ist allerdings ungenau, da wissenschaftliche Untersuchungen von einer Populationsgröße von 40 Wölfen ausgehen. Während das politisch Geforderte umgesetzt wurde, hat Schweden eigene wissenschaftliche Untersuchungen vorangetrieben. Als Ergebnis wurden nun weitere Wolfsjagden angesetzt. Geschossen werden sollten maximal 30 Wölfe. Dies wird kaum Auswirkung auf die Population haben, da mit einem dreistelligen Zuwachs in diesem Jahr gerechnet wird. Jedoch wird dies ein wichtiger Test auch für die EU-Kommission sein, und es wird eventuell den Weg zu einer neuen Wolfsstrategie ebnen, um die Grauhunde in Zukunft besser bewirtschaften zu können.“

https://www.jagdreisen.de/beitrag/jagd-auf-wolfe

Wenn man unter „bewirtschaften“ die Generierung von Einkünften über den Jagdtourismus versteht, so wäre verständlich, warum man zunächst eine hohe Populationsdichte anstrebt, welche über die von der FFH – Richtlinie vorgegebene Zahl weit hinaus geht. Denn der Wolf ist schwer zu jagen, und Jagdtourismus lebt vom Jagderfolg der Jagdgäste.

Auch russische Jäger profitieren vom Jagdtourismus. Zahlreiche Jagdtouristen besuchen das Land, um eine Wolfsjagd mitzuerleben. Auch eine russische Webseite nimmt auf eine baldige Freigabe der Trophäenjagd auf den Wolf in Westeuropa Bezug: „In unseren Revieren ist die Wolfsjagd fast das ganze Jahr über möglich, während in vielen Ländern Europas der Abschuss sogar von einem Tier ernsthaft bestraft wird. Trotz immer steigender Wolfbestände ist die Jagd auf Grauhunde bis jetzt noch verboten … Im Februar und März 2019 haben 8 Jagdgäste aus Deutschland und Luxemburg auf Wölfe gejagt. Hauptziel – die hoch begehrte Trophäe zu erlegen, und außerdem die Erfahrungen von russischen Jagdkollegen zu sammeln – eines Tages wird ja Wolfsjagd auch in Westeuropa erlaubt sein.“

https://huntgrad.com/de/news/1885/

 

Auch für Österreicher werden Reisen zur Wolfsjagd organisiert, sogar in EU – Länder wie Kroatien:

https://www.jagdreisen.at/tiere/wolfsjagd/

Auch Prof. Kotrschal weiß: „Es gibt Leute, die gehen gerne auf Wolfsjagd, weil das eine gefährliche und eine schwierige Jagd ist, das heißt, diese Macho-Kultur ist gerade im Osten relativ verbreitet“

Jagdtourismus in Österreich

Jagdtourismus spielt in Österreich eine wirtschaftlich nicht unbedeutende Rolle. Zudem finden bedeutende Geschäftsanbahnungen häufig im Rahmen von Jagdeinladungen statt.

Der Bestand an Schalenwild ist viel zu hoch. Dieses Faktum wird von Wolfsschützern immer wieder als Argument für eine anzustrebende hohe Wolfsdichte herangezogen.

Aber brauchen wir zur Reduktion des Schalenwildbestandes tatsächlich den Wolf?

Es ist Aufgabe der Behörden, mit Abschussplänen für das ökologische Gleichgewicht in der Kulturlandschaft zu sorgen. Klaus Hackländer rechnet in seinem Buch  vor, dass der Wolf das Problem der überhöhten Schalenwildbestände nicht lösen wird. 3850 Wölfe wären in Österreich erforderlich, um den Jägern ihre Arbeit abzunehmen. (Zur Erinnerung: ab 350 Wölfen etwa wird es für Menschen gefährlich) Denn das Wild vermehrt sich nicht allein wegen der Abwesenheit der Beutegreifer, sondern wegen des hohen Nahrungsangebotes in einer agrarisch genutzten Kulturlandschaft.

Offensichtlich werden die vorgeschriebenen Abschusspläne nicht erfüllt, mehr noch, es wird sogar mit den überhöhten Wildbeständen bei Jagdtouristen Werbung gemacht.

Auf der Webseite https://www.jagdreisen.at/laender/jagen-in-oesterreich/ steht zu lesen: „Das Jagen in Österreich ist fester Bestandteil der Kultur des Landes mit Jahrhunderte langer aristokratischer Jagd-Tradition. Darüber hinaus kann Österreich für eine Jagdreise mit hohen Wildbeständen und anspruchsvollen Trophäen punkten … Die malerische und raue Gebirgslandschaft bietet eine herrliche Kulisse für die Jagd auf Rot-, Reh-, Muffel- und Schwarzwild. Aber auch die Jagd auf Steinbock, Rehbock, Gams, Murmel, sowie Auer-und Birkhahn ist möglich. Die Artenvielfalt bietet Abwechslung pur beim Jagen in Österreich.“
Die finanziell unter Druck stehende Berglandwirtschaft ist immer öfter gezwungen, durch Flächenverkauf ihre Schulden zu tilgen. Käufer vor allem der ausgedehnten Almgebiete sind häufig betuchte Freizeitjäger aus dem Ausland.

Da erhebt sich eine Reihe von Fragen:

  • Wird man in Zukunft auch den Wolf als jagdbares Wild anzubieten haben, um die  beachtlichen Erträge, die im Jagdtourismus  erwirtschaftet werden, auch weiter halten zu können?
  • Hat der unerbittliche Kampf des WWF für den Wolf zu Lasten der finanziell wenig einträglichen, vielmehr jetzt schon hoch subventionierten Weidewirtschaft auch damit zu tun?
  • Warum hält sich die österreichische Regierung zum Thema Wolf weitestgehend bedeckt und überlässt es den Landwirtschaftsvertretern, einen aussichtslosen Schein-Kampf gegen die Gesetzeslage zu führen?
  • Welche Verstrickungen gibt es zwischen der alpinen Landwirtschaft und dem Jagdtourismus? Unbestätigten Gerüchten zufolge soll gelegentlich die Almwirtschaft mit Einkünften aus dem Jagdtourismus querfinanziert werden. Hat man deshalb nicht den Mut, die wahren Nutznießer des Wolfsschutzes öffentlich anzuprangern?

 

Jagd als Privileg der Herrschenden

 

Jagdtourismus und Bauern

NGOs wie der WWF rechtfertigen den Wolfsschutz in Europa gerne mit dem Hinweis darauf, dass Menschen in Afrika und Asien große Opfer für den Erhalt der Fauna bringen, man Entsprechendes also auch der heimischen Bevölkerung zumuten dürfe.

Dass diese Opfer der Afrikaner und Asiaten oft aus einer kolonialen Haltung heraus erzwungen werden, wird nicht thematisiert.

Zweifellos geht auch das, was der bäuerlichen Bevölkerung, vor allem in den Alpen, zum Schutz des Wolfes zugemutet werden soll, weit über das hinaus, was einem fairen Interessensausgleich auf rechtsstaatlicher Ebene entsprechen würde. Wenn auch die Almwirtschaft heute unter wirtschaftlichem Zwang keineswegs immer so ökologisch ist, wie sie es einst war und unter besseren Bedingungen noch immer sein könnte, so war es doch diese Wirtschaftsweise, welche eine Biodiversität geschaffen hat, die über jene einer Naturlandschaft weit hinaus geht.

Der Entomologe Werner Kunz belegt in einem eindrucksvollen Vortrag, dass das Naturschutzideal der 1970er Jahre vor dem Hintergrund aktueller Forschungsergebnisse nicht zu halten ist. Die Natur in Europa braucht zu ihrem Schutz menschliche Aktivität, man kann sie nicht sich selber überlassen. Gerade in Naturschutzgebieten geht die Artenvielfalt drastisch zurück, während gerade vom Menschen intensiv umgestaltete Landschaften, welche von den meisten Zeitgenossen als hässlich wahrgenommen werden (Industriebrachen, Abraumhalden, Flugfelder, Truppenübungsplätze) heute eine erstaunlich hohe Biodiversität aufweisen.

Wolfsschützer berufen sich auf die FFH – Richtlinie der EU und versuchen jegliche Diskussion über die Sinnhaftigkeit der bestehenden Regelungen zum Schutz des Wolfes  im Keim zu ersticken mit Formulierungen wie: „Dieses Gesetz ist in Stein gemeißelt“
Dass die diskursive Infragestellung von Gesetzen als Vorbereitung zu deren Weiterentwicklung auf der Grundlage demokratischer Regeln ein konstitutives Element der rechtsstaatlichen Verfassung ist, wird dabei rücksichtslos ignoriert.

https://tirol.orf.at/stories/3062253/

Wolfsjagd seit dem Mittelalter

Dass die mächtige gesellschaftliche Oberschicht die Jagd exklusiv für sich beansprucht, ist nichts Neues.

Der Innsbrucker Univ.-Doz. Dr. Georg Jäger ist als Heimatforscher tätig und schrieb 2017 einen Artikel über „Wölfe und Wolfsjagden in Tirol“:

„Im ausgehenden 15. Jahrhundert mehrten sich die Klagen der Bauern über Übergriffe durch Wölfe, weil dadurch das Vieh auf der Weide bedroht wurde. Nicht umsonst bestellte (der ab 1508 regierende) Kaiser Maximilan I. im Jahr 1497 eigene Landwolfsjäger, eine Maßnahme, die jedoch nicht ausreichend war. In der Waldbereitung von 1504 vernehmen wir Beschwerden aus dem Schmirn- und Valser Tal, dass die Wölfe neben den Bären in großer Anzahl Schaden tun. Erst mit dem zehn Jahre später anno 1507 erlassenen Mandat wurde den Untertanen das Recht zugesprochen, Wölfe mittels Fallgruben und Selbstgeschossen nachzustellen …

Bereits im Jahr 1532 wurde der Bevölkerung (also nach einem Vierteljahrhundert) wieder verboten, Wölfe über die Grenze ihrer Bauerngüter oder Hofstellen zu verfolgen; dieses Recht war nur mehr den landesfürstlichen Jägern vorbehalten …

Die Folge dieser Einschränkung der bäuerlichen Jagdfreiheit war eine enorme Zunahme des Raubwilds.“

Aber die Wolfsjagd blieb obrigkeitliche Aufgabe. „Die Wölfe richteten in dieser Gegend von Jahr zu Jahr empfindliche Schäden an, indem sie vor allem auf das Vieh losgingen. Im kalten Winter 1559/60 legte der eigens beauftragte Wolfsjäger Martin Obrist im Auftrag der Gerichtsgemeinde Sarnthein den Wölfen ihr Handwerk. Im kühlen Sommer 1573 fraßen bzw. zerfleischten plötzlich auftauchende Wölfe zwei Ziegen auf der Seiser Alm, wie aus einer Eintragung des Verfachbuches von Kastelruth hervorgeht. Für vorgelegte Raubtierköpfe zahlte die landesfürstliche Kammer eigene Geldbeträge aus … Während der kalten Winter zwischen 1648 und 1650 erhielten die Gemeinden des Gerichtsbezirkes Steinach aufgrund der herrschenden Wolfsplage die obrigkeitliche Erlaubnis, das Raubwild selbst abzuschießen.

Die Bejagung von Wölfen stand etwa im Landgericht Sterzing in erster Linie den Forstknechten zu, worüber das Oberstjägermeisteramt in seinen Aufzeichnungen von 1652 bis 1668 berichtet. Bei der Auslegung von Ködern für die grassierenden Raubtiere dachte man weniger an die Gefahr der Erlegung von Nutzvieh, sondern vor allem daran, dass durch die Wölfe ,bey ermanglender Abwendung die schönen Först (= Forste, Wälder) ausgeoedet` werden …

Die Tiroler Freiheitskämpfe hatten ab 1796/97 angeblich zur Folge, dass zumindest ,zwischen Töll und dem Reschner Scheideck` die Wölfe stark dezimiert wurden, weil viel mehr Waffen im Umlauf waren“

Im 19. Jahrhundert dann wurde für die Bevölkerung die Beteiligung an der Wolfsjagd zur Pflicht. „Abschussprämien lockten, die für manchen Bergbewohner ein halbes Vermögen bedeuteten …

Die endgültige Ausrottung der Wölfe erfolgte in Nord-, Süd-, Ost- und Welschtirol in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“

https://www.almwirtschaft.com/images/stories/neuigkeiten/2017/der_alm_und_bergbauer_PDFs/Woelfe_und_Wolfsjagden_in_Tirol.pdf

 

Bauerlegen

In der Folge vermehrte sich das Schalenwild. Es begann die Zeit der herrschaftlichen Hirsch- Reh- und Gämsenjagd, an der sich unter anderem auch Kaiser Franz Joseph lebhaft beteiligte.

Im Industriegebiet der Obersteiermark rissen die reich gewordenen Fabriksinhaber das Jagdrecht an sich. Es kam zum so genannten „Bauernlegen“. Man bot den im Zuge der Industrialisierung und der Bauernbefreiung verarmten Bergbauern viel zu geringe Geldbeträge dafür, dass sie ihre Güter verließen, in die Stadt zogen und ihre Territorien den Herren als reine Jagdgründe überließen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bauernlegen_(Geschichte)

Peter Rosegger hat in seinem Roman „Jakob der Letzte“ dieses Thema literarisch verarbeitet:

Jakob Steinreuter widersetzt sich als einziger der Aufforderung des millionenschweren „Kampelherrn“, sein Gut zu verlassen. In der Folge wird Druck auf ihn ausgeübt. Freunde und Verwandte verlassen ihn. Das Wirtschaften wird immer schwieriger, vor allem weil das zunehmende Wild die Kulturen vernichtet. Schließlich missachtet Jakob das Verbot und zielt auf ein Reh. Der Waldmeister beobachtet ihn und bezichtigt ihn mit angelegtem Gewehr der Wilderei. Auch Jakob legt an, es fallen zwei Schüsse. Der Waldmeister ist tot, Jakob überlebt und flieht. Sein Knecht eilt ihm nach und findet ihn leblos im See. Seine Leiche wird später als Mörder und Selbstmörder in der Schlucht, die man „Im Gottesfrieden“ nennt, verscharrt, während der Waldmeister mit allen Ehren auf dem Kirchhof bestattet wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_der_Letzte

Die Gegend verwaldete. Die Steiermark ist seither das waldreichste Bundesland Österreichs.

 

Erleben wir ein neuerliches Bauernlegen?

Aus welchen Gründen immer richtet sich mittlerweile das Interesse der Mächtigen wieder auf das Wildtier Wolf. Im demokratischen Rechtsstaat geht die Macht vom Volk aus, dessen Vertreter die demokratische Mehrheit repräsentieren. Diese Mehrheit steht in Österreich laut Umfragen eindeutig auf der Seite des Wolfsschutzes und spricht sich vorerst gegen eine Bejagung aus, um eine höhere Populationsdichte zu erreichen:

https://www.himmel.at/wp-content/uploads/2018/08/Meinungsumfrage_Wolf_%C3%96sterreich.pdf(Institut Karmasin) bzw.

https://www.wwf.at/de/wwf-neue-meinungsumfrage-zeigt-zweidrittel-mehrheit-fuer-den-wolf/ (WWF)

 

Von Schäden durch den Wolf betroffen ist eine kleine Minderheit an Weidetierhaltern. In Österreich gibt es 15.743 schafhaltende und 9.704 ziegenhaltende Betriebe, welche teilweise identisch sind. Dazu kommen 55.751 rinderhaltende  Betriebe, die ihre Tiere allerdings nur teilweise weiden. Auch hier gibt es Überschneidungen mit den Haltern der Kleinwiederkäuer. Auch einzelne Schweinehalter betreiben Freilandhaltung, allerdings auf überschaubaren Territorien, die leichter schützbar sind als Wiederkäuerweiden.

http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/land_und_forstwirtschaft/viehbestand_tierische_erzeugung/viehbestand/023243.html

Geschätzt 25.000 Betriebe halten Pferde, ca. 1000 Betriebe Esel, die Zahl der Halter von Neuweltkameliden ist nicht erfasst, ebenso die Zahl der Wildgatter, die auch massiv von Wolfsschäden betroffen sein können. Auch wenn man jeweils von mehreren arbeitenden Personen pro Betrieb ausgehen muss, handelt es sich also nur um wenige Prozent der Bevölkerung.

Diese Minderheit allerdings gestaltet eine nicht unerhebliche Fläche unseres Landes. Allein die Almfutterflächen machen etwa 30% der Agrarfläche Österreichs aus und produzieren Nahrungskalorien für schätzungsweise bis zu 300.000 Menschen. Die Biodiversität auf einem Großteil dieser Flächen ist immer noch hoch. Weitere 30% der Agrarfläche sind Dauergrünland, welches allerdings nur zum Teil als Weide, ansonsten als – oft stark gedüngtes und artenarmes – Winterfutter für Weidetiere genutzt wird.

Wie weit die Pflege dieser Flächen, vor allem der Almweiden und Naturschutzflächen, von Interesse für die Allgemeinheit ist, darüber gehen die Meinungen in der Öffentlichkeit mittlerweile bereits auseinander.

Tierschützer erwarten sich von Tierhaltern artgerechten Weidegang.

Touristiker sehen in der Kulturlandschaft nach wie vor eine Grundlage des Tourismus. Zudem ist ein großer Teil des Geländes Rodungsland, wo die Beweidung zur Bildung von Mikroterrassen führt, was zusammen mit der Bodenverdichtung durch den Betritt und der kurz gehaltenen Vegetation Grundlawinen hintan hält und Unterspülungen des Bodens mit nachfolgender Murenbildung verhindert. Soll die Aufgabe der Bewirtschaftung nicht die Bewohnbarkeit der Täler in Frage stellen, so müsste auf vielen Flächen eine aufwändige Hochlagenaufforstung unter Lawinenschutz stattfinden, die unvorstellbare Geldsummen verschlingen würde. Almen tragen auf meist sehr ökologische Weise zur Selbstversorgung Österreichs mit Lebensmitteln bei.

Das sind die Argumente, die für die Bauern sprechen.

Doch es mehren sich die Gegenstimmen:

Martin Balluch, Veganer und vor allem im städtischen Bereich sehr populärer Obmann des „Vereins gegen Tierfabriken“, veröffentlicht auf seiner Homepage einen „kritischen Blick auf Almen“, der eine Vielzahl an völlig unsachlichen Behauptungen zu Lasten der tierhaltenden Almbauern enthält.

https://martinballuch.com/ein-kritischer-blick-auf-almen/

 

Weniger radikal fällt die Kritik des Wolfsforschers Kurt Kotrschal aus: Er kritisiert die  mangelnde Pflege vieler Flächen, und in der Folge ihren mangelhaften ökologischen Zustand und ist der Meinung, dass man bestimmte Teile der Almen ohne ökologischen Verlust aufgeben könne, wenn Herdenschutz dort tatsächlich zu schwierig werden sollte.

https://tierisch.heute.at/a/50692642/w%C3%B6lfe–der-tod-f%C3%BCr-die-heimische-almwirtschaft

Ulrich Wotschikowsky stellte zur Ausbreitung der Wölfe in den Alpen schon 2017 fest: „Wenn wir die Wölfe in der Alpenregion wirklich haben wollen, dann geht kein Weg dran vorbei, dass wir das Weidesystem in den Alpen gründlich neu orientieren. Wenn wir das nicht machen, dann reden wir am Kern vorbei. Und das Problem Wölfe und Weidewirtschaft in den Alpen erschöpft sich nicht dadurch, dass man gerissene Schafe bezahlt, und dass man die Zäune ein bisschen höher stellt, und dass man sehr viel Geld für die Zäune ausgibt. Da hängt sehr viel mehr dran … Es gibt viele Leute, die glauben, die Kulturlandschaft geht den Bach hinunter, wenn wir da draußen keine Schafe mehr haben. Das ist eine absurde Übertreibung dessen, was sich in einer Landschaft abspielt, wenn man die Schafe dort zurücknimmt … Eine Landschaftsveränderung dauert Jahrzehnte, das passiert nicht von heute auf morgen.“

Auf einer Veranstaltung der Hundeakademie in Salzburg 2018  meint der Wildbiologe zur Zukunft der Almwirtschaft: „Es gibt einige Flecken, wo es sehr schwierig ist, da lässt man es dann wirklich lieber bleiben. Aber beim ersten Wolf, der um die Ecke kommt, gleich die Almwirtschaft aufzugeben, das ist völlig überzogen.“

Ich selber habe 1987 eine wissenschaftliche Arbeit über Bodenabtrag als Folge der Auflassung der Almwirtschaft geschrieben und muss Wotschikowsky widersprechen: Die Aufgabe der Almbeweidung kann sehr rasch zu Problemen führen und tut es teilweise bereits.

(Elisabeth Ertl: Denudationsvorgänge als Folge des almwirtschaftlichen Strukturwandels am Südostabfall des Frommerkogels. Veröffentlichungen des Österreichischen MaB-Programms, Band 12 Universitätsverlag Wagner Innsbruck 1987, S 107 – 150)

Zu den Problemen mit dem wiederkehrenden Wolf und Konflikten mit Wolfsschützern kommen für die Almbauern derzeit auch Probleme mit dem Tourismus. Das so genannte „Kuhurteil“ stellte klar, dass ein Bauer für seine Tiere wenigstens zum Teil haftet, wenn es zu Unfällen mit Wanderern kommt, auch dann, wenn sich ein Tourist falsch verhalten hat.

https://www.derstandard.at/story/2000117433082/kuh-urteil-ogh-bestaetigt-teilschuld-von-bauern-und-hundehalterin

Auch für Herdenschutzhunde besteht eine entsprechende Haftung. Man befürchtet Beißunfälle mit Wanderern, wie sie in Frankreich und der Schweiz tatsächlich bereits zum Problem geworden sind.

Zwar wurde aus Mitteln der öffentlichen Hand eine kollektive Versicherung für die Bauern abgeschlossen, doch können Fälle nicht ausgeschlossen werden, in welchen die Versicherungen keine Zahlungsverpflichtung erkennen können bzw. sind mit Schadensfällen immer auch Unannehmlichkeiten verbunden.

 

Das Kuratorium Wald bekennt sich zum Schutz des Wolfes, wendet sich aber auch gegen die flächendeckende Installation von Herdenschutzzäunen: „Während Zäune in manchen Fällen Herden schützen können, gefährdet ein großflächiges Einzäunen die freie Begehbarkeit von Wald, Wiese und Alm. Dies schadet sowohl Naherholung, als auch Tourismus und hat auch für Wildtiere Konsequenzen, da sie in ihrer Mobilität ebenso eingeschränkt werden wie der Wolf. Daher können Zäune nur in bestimmten Fällen als Herdenschutzmaßnahme dienen.“ Das Kuratorium fordert daher eigene Zonen, wo der Wolf Vorrang vor der Almwirtschaft erhalten soll.

https://www.himmel.at/wp-content/uploads/2018/08/10PunktePlan_KuratoriumWald.pdf

Die derzeitige „Modelandschaft“ des Tourismus ist eine vom Menschen unberührte „Wildnis“, zu welcher sich die urbane Bevölkerung mittlerweile selbstbewusst den Zugang erkämpft, auch gegen die Interessen der Almbauern, denen vorgehalten wird: Wer als Steuerzahler die Subventionen zur Verfügung stellt, hat das Recht, die Flächen nach eigenem Gutdünken zu nutzen. Diese Interessensgruppe macht gerne eine zivilisiertere  „Jagd“ auf den Wolf , nämlich jene mit der Wildkamera.

Peter Iwaniewicz stellt in der Wiener Stadtzeitung „Falter“ wiederholt die Frage, ob es noch zeitgemäß ist, dass wenige Bauern einen Großteil der Landschaft privat besitzen:

https://www.falter.at/zeitung/20200707/ausgsperrt-is

„Man misst da immer mit zweierlei Maß. Ende Juli gab es eine Attacke eines Mutterschafes auf einen Wanderer, der niedergestoßen und verletzt wurde. Legt man das jetzt um, Sie kennen all diese Fälle mit Rindern, die werden ja auch nicht sofort erschossen. Beim Wolf genügt es, dass er sein Nasenspitzerl an eine Ortschaft bringt.“

 

Ist der Wolf eine Bestie?

 

Wolfsschützer kritisieren, dass der Wolf in der Vergangenheit als Bestie dämonisiert wurde.

Diese Kritik ist in so ferne berechtigt, als das Tier Wolf als solches nicht anders zu bewerten ist als jedes andere Tier. Tiere nehmen ihre Rolle in der Natur wahr, indem sie ihren Instinkten folgen, das ist ihre Bestimmung. Sie sind in diesem Sinn immer unschuldig. Unschuldig sind in gleicher Weise wie der Wolf auch Krankheitsüberträger wie Ratten und Mäuse, unschuldig sind auch Parasiten sowie krankmachende Viren und Bakterien. Sie alle erfüllen ihre biologische Rolle.

Wenn der Wolf in den Mythen als Bestie erscheint, dann ist nicht das Tier als solches gemeint. Gemeint ist der Archetyp, das Bild des Wolfes im menschlichen Tiefenbewusstsein. Gemeint ist eine menschheitsgeschichtliche Erfahrung: Der Mensch, der sich mit dem Wolf identifiziert, der seiner Faszination erliegt, er ist es, der zur Bestie werden kann, weil er eben nicht das Privileg der Unschuld genießt wie der Wolf selber.
Der Wolf war stets das Idol der Krieger, ob es nun die kapitolinische Wölfin ist, welche die Stadt Rom dem Kriegsgott Mars weiht, ob es die Germanen waren, die sich in der Identifikation mit dem Wolf einen ausreichenden Adrenalinschub verpassten, wenn es darum ging, einen Stammeskrieg zu beginnen; oder ob es Hitler war, der den Decknamen „Wolf“ wählte. Und er ist bis heute ein Idol der Faschisten, beispielsweise der türkischen „Graue Wölfe“.

Und wer sich selbst der Gewalt verschreibt, den holt früher oder später eine irrationale Angst vor dem Wolfsarchetyp ein: Der Fenriswolf der nordischen Mythologie ist ein zunächst harmloses Tier, welches aber immer größer und größer wird, schließlich die Götter bedroht, gefesselt wird, wobei der Gott Tyr einen Arm verliert, sich aber zur Zeit des Weltenbrandes losreißen, den Kriegsgott Odin verschlingen und von seinem Sohn Vidar getötet werden wird.

Die Reserviertheit des Christentums dem Wolf gegenüber wurzelt im Ideal der Gewaltlosigkeit, dem die Märtyrer der ersten drei Jahrhunderte ihr Leben geopfert haben. So kennt der Umgang der legendären Heiligen mit dem Wolf im Wesentlichen zwei Absichten:

ihn zu domestizieren, wie es Franziskus tat

https://gemeinden.erzbistum-koeln.de/gubbio_obdachlosenseelsorge/obdachlosen-seelsorge-gubbio/gubbio/legende-des-hl.-franziskus/index.html

… oder sich von ihm bzw. ihn von sich fern zu halten wie in der Geschichte des Heiligen Wolfgang

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienW/Wolfgang.html

Darin nichts weiter zu sehen als illegitime kirchliche Angstmache, ist zynisch. Denn bestialisch ist ja nicht das Tier Wolf. Bestialisch ist es, …

  • ungerührt zuzusehen, wie die Lieblinge von Kindern – Ponies, Pferde, Lämmchen – vom Wolf zerfleischt werden, wie das gegenwärtig in Deutschland geschieht, weil Herdenschutzmaßnahmen nicht wirken oder nicht praktikabel sind.
  • im Einklang mit den Gesetzen stehende Abschüsse von Wölfen zu verhindern, indem man die beauftragten Jäger bedroht und ihnen die Arbeit verunmöglicht, wie das in Deutschland bereits gang und gäbe ist.
  • gegen solche Gesetzesbrecher nicht mit aller Entschlossenheit vorzugehen, sondern ihr Tun hinzunehmen aus wahltaktischem Kalkül in einer Gesellschaft, die sich bereits mehrheitlich mit dem Wolf identifiziert.
  • sich als Bürger wie im Milgram-Experiment https://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment die Reserviertheit der Menschenseele gegenüber dem Wolf von den Experten der NGOs schlechtreden zu lassen.

 

Es sei vor diesem Hintergrund die Frage erlaubt, ob Evolution nur ohne menschlichen Einfluss stattfinden darf, oder ob die Weiterentwicklung des Wolfes zu mannigfaltigen Hunderassen nicht doch auch im Einklang mit den Zielen der Evolution steht. Schließlich gibt es mittlerweile so gut wie keinen Wolf mehr, der nicht einen gewissen Anteil an Hundegenen in sich trägt, und diese Gene werden mehr. Je mehr aber der Wolf zum Hund wird, umso mehr bedarf er der Führung durch den Menschen, und umso weniger hat er draußen in der freien Kulturlandschaft noch seinen Platz.

Damit soll allerdings nichts gesagt sein gegen seinen Erhalt in den Naturreservaten Russlands und Nordamerikas, gegen seine Duldung auf Truppenübungsplätzen, wo er allgemein akzeptiert ist, und gegen seine museale Erhaltung in Zoos und Gehegen, wo dem interessierten Menschen eine sichere Begegnung mit ihm ermöglicht wird.

Es stellt sich die Frage, ob jene Ressourcen, welche derzeit in die Herstellung einer höchst problematischen wölfischen Wildnis fließen, nicht weit besser investiert wären in den Erhalt von Tieren, die ausgesprochen nützlich sind wie etwa viele Singvogelarten, oder in Tiere, die weder nützlich noch schädlich sind, aber mit ihrer Anwesenheit der Psyche gut tun, wie die vielen bunten Schmetterlinge.

Ausblick

 

Der Begriff „Indigene Völker“ bedeutet unter anderem „Bevölkerungsgruppen, die eine enge (emotionale, wirtschaftliche und/oder spirituelle) Bindung an ihren Lebensraum haben“

https://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_V%C3%B6lker

In diesem Sinn tragen unsere Almbauern durchaus auch Züge indigener Völker.

Wie lange sie unter den herrschenden Machtverhältnissen ihre traditionelle Bewirtschaftungsweise überhaupt noch aufrecht erhalten können, wird die nähere Zukunft zeigen. Viel wird davon abhängen, wie weit die verlorene landwirtschaftliche Autarkie Österreichs und die Abhängigkeit vom Ausland zu spürbaren Problemen für die Bevölkerungsmehrheit führen wird:

“So führen die wachsende Weltbevölkerung und die höhere Kaufkraft insbesondere in Schwellenländern zu einer steigenden Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln. Das macht die Verfügbarkeit und die Preise auf der Angebotsseite sehr volatil. Kurzfristig beeinflussen auch Ernteschwankungen das Angebot an Agrarrohstoffen.”

https://www.oesterreich-isst-informiert.at/herstellung/agrarrohstoffe-vieles-muss-importiert-werden/

David Beasley vom UNO-Welternährungsprogramm warnt bereits vor einer Hunger-Pandemie.
 

Fazit

 

Im Streit zwischen einerseits der wolfsfreundlichen Bevölkerungsmehrheit, welche die Gesetze auf ihrer Seite weiß, und welche mehrheitlich rein immaterielle Interessen am Wildtier Wolf hegt, und andererseits den Weidetierhaltern und vielen ansässigen Jägern, für welche Wolfsrisse nicht nur einen emotionalen, sondern auch einen Existenz bedrohenden wirtschaftlichen Schaden bedeuten, sind die Fronten verhärtet.

Dieser Artikel verstand sich als Suche nach dem Missing Link, einer Interessensgruppe, die sich in der öffentlichen Diskussion weitgehend bedeckt hält. Bei näherer Betrachtung  liegt nahe, dass es sich um deren Streben nach Vergnügen bzw. Profit im Zusammenhang mit einer jagdlichen Bewirtschaftung geschützter Wildtiere handelt, welchem in vielen Projekten anderer Länder bereits entsprochen wird, ohne den guten Erhaltungszustand einzelner Wildtierpopulationen zu gefährden.

Der Kollateralschaden von Trophäenjagd und Jagdtourismus aber trifft bzw. traf schon in der Vergangenheit jene ansässigen Menschen, die das Land meist sehr nachhaltig bewirtschafte(te)n, ob es sich nun um den vom Adel beanspruchten Wolf als Geißel der vorindustriellen Agrargesellschaft handelte, einer Gesellschaft, der wir die höchst biodiversen Flächen in den Alpen verdanken; oder um das Bauernlegen in der Steiermark des 19. Jahrhunderts, welches solche ökologisch wertvollen Flächen wieder zum Verschwinden brachte; um die Schäden an Ackerbau und Viehzucht im hungernden Tansania; um die Beendigung indigener Lebensformen in Kamerun und im Kongo; um Wildverbiss in europäischen Forstbetrieben oder um die gegenwärtigen Nutztierrisse durch den Wolf bei den Betreibern artgerechter Weidehaltung auf biodiversen Flächen.

Der Bauer tötet, um uns alle zu ernähren. Der ortsansässige Jäger tötet, um das ökologische Gleichgewicht in der Kulturlandschaft aufrecht zu erhalten.

Der Jagdtourist tötet, weil es Spaß macht, und er ist bereit und in der Lage, sehr viel dafür zu bezahlen.
So führt Isegrimm über gut dotierte Medienarbeit dazu, dass sich die Bevölkerung auf die Seite solcher Interessen stellt und „der People dem Bauern ein Wolf“ wird.

(Titus Maccius >>Plautus, ca. 254–184 v. Chr.: „Denn der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, kein Mensch. Das gilt zum mindesten solange, als man sich nicht kennt“)

https://de.wikipedia.org/wiki/Plautus

wer hat´s geschrieben?

Elisabeth Ertl
Autorin der ersten Stunde bei B2P.

2 Kommentare

  1. Dr. Felix Fischer

    Herzlichen Dank für den tollen Artikel. So kompakt zusammen gestellt und mit geradezu „erbarmungslos“er Evidenz. Ich werde den Zeilen teilen teilen

    Antworten
  2. Elisabeth Ertl

    Danke fürs Teilen!

    Antworten

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