B2P048 Martin Grassberger – Bauchgefühle

B2P048 Martin Grassberger – Bauchgefühle

Was ihr in dieser Folge hören könnt …

… von der Welt in uns und der Welt um uns

Gegenwärtige Systeme nicht bekämpfen, sondern parallel dazu neue System aufbauen, zitiert Martin Grassberger am Ende (und am Anfang) dieser Podcast-Folge den 1983 verstorbenen US-amerikanischen Buckminster Fuller, der vielen als Universalgenie gilt.

Ein weiteres Zitat von Fuller, kurz nach seinem Bankrott im Baugeschäft in den 1920er Jahren lautet: „Ich glaube, einer der Gründe für die Unangemessenheit unserer Pläne liegt darin, dass wir unsere Kosten immer nur von heute auf morgen kalkulieren und dann von dem unerwarteten Preis überwältigt sind, den wir für unsere Kurzsichtigkeit zu zahlen haben.“

Dieses Zitat beschreibt in anderen Worten und aus anderer Perspektive das, was Martin Grassberger als „Das leise Sterben“ im Titel seines 2019 erschienen Buches beschrieben hat und was im Kern auch die Problemdefinition des Bauer to the People-Ansatzes gut zusammenfasst.

Martin Grassberger vereint in seinem Denken die Perspektiven von Medizin, Landwirtschaft und Biologie und zeigt in unserem Gespräch klar auf, dass unterschiedliche Perspektiven zu einem Gegenstand, zu völlig unterschiedlichen Schlüssen und Maßnahmen führen können. Das kommt uns irgendwie bekannt und ziemlich schlüssig vor. Warum wohl?

Die oben zitierte Kurzsichtigkeit zeigt sich laut Grassberger u.a. in dem Zusammenspiel von Ernährung, landwirtschaftlicher Produktion und falschen bzw. überkommenen Narrativen, die unser Denken nach wie vor prägen. So liegt beispielsweise der Fokus in der Medizin hauptsächlich in der Bekämpfung von Symptomen, zu wenig in der Vorkehrung. Der Fokus in der Nahrungsmittelproduktion insgesamt zu stark auf Kalorien und weniger auf einer „richtigen“ Ernährung samt allen Folgeerscheinungen.

Es fehlt uns an der gesamtheitlichen Sicht, also einer Systemperspektive. Es fehlt uns an der gesamtheitlichen Sicht, also einer Systemperspektive. Die Auswirkungen dieses Amalgams unterschiedlicher Faktoren manifestieren sich dann langfristig über die sog. Darm-Mikrobiota (häufig Synonym auch als Darm-Mikrobiom bezeichnet) also den vielfältigen Mikroorganismen in unserem Verdauungstrakt.

Der „unerwartete Preis“ bzw. das „leise Sterben“ zeigt sich dann in einem epidemischen Ausmaß chronischer Erkrankungen, die eben nicht wie ein Beinbruch plötzlich auftreten, sondern die „nachhaltige“ Konsequenz langfristiger Gewohnheiten und Verhaltensweisen widerspiegelt und zu deren Behandlung auch ein Gips nicht mehr ausreicht.

Ende 2021 ist das neue Buch von Martin Grassberger „Das unsichtbare Netz des Lebens“ erschienen, in welchem er seinen Fokus verstärkt auf das Mikrobiom und seine Verbindungen zu unserer Umwelt richtet.

Ein sehr spannendes und vielschichtiges Thema, dass uns in Zukunft vermutlich noch öfter unterkommen wird.

Also wieder ein Gespräch mit der B2P-Ahaa!-Garantie, in dem wir natürlich auch über viele andere Dinge gesprochen haben. Wer mehr wissen möchte, muss reinhören!

ein paar Eindrücke …

weiterführende Infos und Links …

Kontakt

Foto - B2P048 Martin Grassberger - Bauchgefühle

B2P047 Gerhard Steiner | SOMA – Das pragmatische Gewissen

B2P047 Gerhard Steiner | SOMA – Das pragmatische Gewissen

Was ihr in dieser Folge hören könnt …

Wisst ihr wann der Urknall war? Wir schon, sogar auf die Minute genau. Österreich, Linz, 9.9.1999. Der kleine Zeiger steht auf der neunte Stunde, der große auf Minute 9. Und es hat Boom gemacht! Habemus SOMA. Sichtlich stolz erzählt uns Gerhard Steiner, Gründungsmitglied und Präsident von SOMA Österreich & Partner, von den Anfängen und dass man mit den SOMA Sozialmärkten damals ein völlig neues Konzept geschaffen habe. Bis dahin gab es keine Ideen, die Themen Armut, Lebensmittel und Verschwendung sinnvoll in ein Konzept zu gießen. 

 

Gerhard Steiner und sein philosophierender Freundeskreis wurden damals von Ihren Frauen dazu aufgefordert, nicht nur gescheit zu reden sondern endlich zur Tat zu schreiten. Die Aufforderung dürfte also Wirkung gezeigt haben. 

 

Die Gründer kamen vornehmlich aus Industrie und Handel und wussten genau wovon sie da diskutierten. Sie sahen die Lebensmittelabfälle, die in den 90er Jahren in rauen Mengen anfielen. Weil sie so nahe dran waren, kannten sie auch viele der Ursachen, warum Lebensmittel gar nicht erst beim Endkonsumenten landen konnten. Und sie sahen auch jene Menschen, die sich einen normalen Einkauf im Handel nicht leisten konnten.  

 

„Man kommt nicht als Gutmensch auf die Welt“, sagt Gerhard Steiner sinngemäß, auch er nicht. Und so war auch ihr Ansatz nicht vorrangig von Güte getragen, sondern vielmehr maximal pragmatisch angelegt. Handel und Industrie nahmen die Idee auch sofort gut auf, nicht zuletzt weil man gut vernetzt war. Jeder hatte was von der Idee, Win-Win, sagt Steiner. 

 

Handel und Industrie konnten sich Kosten bei der Entsorgung sparen. Und die Kunden von SOMA konnten zu deutlich niedrigeren Preisen ausreichend einkaufen. Und von dem Geld, dass sie dann vielleicht noch übrig hatten, konnten sie im Handel jene Dinge besorgen, die sie bei SOMA nicht bekommen hatten. 

 

Beim Thema Armut ringt Gerhard Steiner jedoch plötzlich um seine Worte und man merkt, dass hier nicht nur ein wortgewandter Optimierer vor uns sitzt. Man könne mit SOMA keine Armut bekämpfen, Armut sein ein konstantes Phänomen und werden in den nächsten Jahren wohl eher noch zunehmen, so Steiner sinngemäß. Besondern im Zuge von Klimawandel und Energiewende sieht er nicht nur eine Chance für neue „Green Jobs“ sondern auch eine ernstzunehmende Gefahr für den Verlust vieler Arbeitsplätze und somit oft auch für neue Armut. 

 

Ein vielschichtiges Gespräch mit vielen neuen Perspektiven auf die Lebensmittel-Wertschöpfungskette. Von Acker in der Landwirtschaft bis zum Regal im Sozialmarkt und darüber hinaus, hängt alles zusammen. Mal über eine Kette, mal mit einem Faden und manchmal auch (noch) unerkannt. 

Viel Freude beim Reinhören und hier noch ein kurzes Interview mit Gerhard Steiner direkt im SOMA-Markt in Linz.   

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