B2P001 Christian Bachler - Wutbauer oder Mutbauer?
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Wilhelm Geiger
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Chrisitan Bachler

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Wutbauer oder Mutbauer? – Christian Bachler

In unserem ersten Interview erzählt Christian Bachler von seinem Weg vom konventionellen Milchbauern hin zum Agrar-Rebellen.

Neben dieser Hauptrolle ist Christian auch Mitinitiator von B2P und sein Engagement ein wesentlicher Grund, dass wir diesen Podcast überhaupt machen.

In der steirischen Krakau bewirtschaftet er, zusammen mit seiner Mutter Maria, den höchst gelegenen Bauernhof der Steiermark, den Bergerhof (vulgo Berger).  

Als erstgeborener Sohn war sein Weg vorgezeichnet. Es war klar, dass er eines Tages den Hof übernehmen über fortführen würde. Christian erzählt über sein langsames Hineinwachsen in den Beruf des Bauern. Doch als Beruf will Christian seine Tätigkeit als Bauer eigentlich nicht verstanden wissen. Er sieht das Bauer-Sein vielmehr als einen Lebensstil, den man allerdings auch nicht wirklich ablegen kann. Der krasseste Unterschied zwischen den Lebenswelten von Städtern bzw. Arbeitern und Angestellten betrifft sicher die Freizeit: Während die einen Arbeit und Freizeit in den meisten Fällen klar trennen können, verschwimmt diese Grenze am Bauernhof an sieben Tagen in der Woche und oft über 365 Tage im Jahr. Allein dieser markante Unterschied lässt uns erahnen, wie verschieden auch die Möglichkeiten und der Handlungsspielraum der Lebenswelten von KonsumentInnen und jene einer Bäuerin oder eines Bauern sind. Wenn man sich diese Unterschiede auf beiden Seiten gelegentlich vor Augen führt, versteht man einander im nächsten Gespräch wohl ein wenig besser und hat zudem viel Stoff für spannende Unterhaltungen.

Christian spricht auch über die Beziehung zu seinem Vater, die oft schwierigen Situationen zwischen den Generationen auf einem Bauernhof und die Herausforderungen, die entstehen, wenn Arbeitsplatz und Wohnort zusammenfallen und die Kollegen auch gleichzeitig die Familienmitglieder sind.

Nach dem überraschenden Tod seines Vaters war es auf einmal an dem jungen Bauern, von einem auf den anderen Tag den Hof zu führen. Denn am nächsten Tag mussten die Kühe vorsorgt und die Arbeit erledigt werden, wie immer. Es war eine eigenartige Zeit zwischen Trauer und Erleichterung, weiterlaufenden Routinen und Ausnahmezustand, über die Christian erzählt.

Als nunmehriger Chef am Hof stand er ab sofort in der Verantwortung, diesen zu führen und weiterzuentwickeln. Er erzählt über die zunehmend schwierige Situation mit dem Betrieb ein finanzielles Auskommen zu finden und die Zeit nach dem EU-Beitritt. Wirklich störte und stört ihn jedoch, dass die zunehmende Liberalisierung des Marktes viele Bauern einfach zuRohstoffproduzenten reduziert. Von der ursprünglichen Vielfalt ist wenig übrig. Früher haben Bauer und Bäuerin gleichzeitig die Familie versorgt, unsere Kulturlandschaft erhalten und uns mit hausgemachten Lebensmitteln versorgt. Die Landwirte entfremden sich nun immer stärker von ihren eigentlichen Tätigkeiten, werden immer größer und können gleichzeitig aber immer weniger von ihrer Tätigkeit leben.

All das ging sich für Christian einfach nicht mehr aus und hat schließlich zur radikalen Veränderung seines Betriebes und zur Entscheidung geführt, die eigenen Produkte direkt zu vermarkten. Christian erzählt hier über seine prägenden Schlüsselmomente und die Zeit der Veränderung.

Als es ihm in der Zeit vor der Umstellung körperlich und seelisch sehr schlecht ging, bekam er zwei Mangalitza-Ferkel geschenkt, mit denen die Reise ins Unbekannte begann. Gewürzt wurde dieser Aufbruch dann noch mit der Literatur von Jean Ziegler “Wir lassen sie verhungern” und “Blutmilch” von Romuald Schaber sowie vielen vielen anderen Büchern, wie man sich im Stiegenhaus am Bergerhof selbst überzeugen kann.

Den einen oder anderen Kurs und ein paar YouTube-Videos später wusste Christian dann auch über das Schlachten und Verarbeiten von Mangalitza-Schweinen und deren Besonderheiten Bescheid. Später kamen dann noch die fast ausgestorbenen Schwarzen Alpenschweine, Gänse, Puten und Yaks hinzu. Bei den Alpenschweinen ist man am Bergerhof aktuell vielleicht sogar “Weltmarktführer”, wie er schmunzelnd betont.

Für die Zukunft plant Christian zusammen mit Mama Maria und Hofhund Nessi nach der Weltherrschaft zu greifen. Wir werden ihn auf dieser Reise begleiten, wünschen viel Erfolg und sind schon sehr gespannt.

Der „Wutbauer“ Christian Bachler erhielt medial viel Aufmerksamkeit. Wir haben gelernt: Wut und Mut liegen hier nahe zusammen.

 

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Wilhelm Geiger 

4 Kommentare

  1. Avatar

    Herzlichen Glückwunsch zu Deinem Engagement! Solche Menschen braucht unsere Gesellschaft.

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        Herzlichen Dank. Ein Superheld
        der täglich lebenden Landwirtschaft der unser tägliches tun und machen in Szene setzt und auch einfach da ist wenn man ihn braucht. Richti Stoak, Weita so. 👍👍👍

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        • Wilhelm Geiger

          Vielen Dank Maria!!! 🙂 Wir bleiben fix dran und geben unser bestes!!!

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