Unschlaues Smart Food

von | Apr 30, 2024 | Reportagen

In wenigen Worten

Die junge Journalistin Leonie Stoll hat sich einige Gedanken zu aktuellen Trends im Konsumverhalten unserer Gesellschaft gemacht. Sie berichtet über Vegan-Tendenzen, vielleicht doch nicht ganz so schlaue ,,Smart Food“-Liebhaber und ihre eigenen Erfahrungen mit Nahrungsergänzungsmitteln. Und am Ende steht ein ernüchternd bodenständiges Fazit …

Ein kleiner Appell bezüglich aktueller Entwicklungen der Nahrungsmittelindustrie

Ist das neue + für die Ernährung in Wahrheit doch ein Minus?

Basisch, saisonal und regional – das sind für mich die Stichwörter für eine gesunde Ernährung. Doch die Menschheit hat neue Werte entwickelt – leider ohne Blick auf die Zutatenliste. Vegetarisch oder gar vegan zu leben, gilt allgemein als gesund und umweltbewusst. Und traditionell tierischer Lebensmittel, wie Käse, Schnitzel, Mett oder sogar Räucherlachs, sind längst nicht mehr nur für Fleischesser gedacht. Das Argument, Ersatzprodukte würden nicht schmecken, zählt dabei auch nicht mehr. Denn: Die Industrie entwickelt nicht nur ihr Angebot an veganen Produkten ständig weiter, sondern feilt auch am Geschmack ihrer pflanzlichen Alternativen. Selbst traditionelle Gerichte, wie etwa Königsberger Klopse, mit Fleisch, Eier und Milchprodukten, gibt es immer häufiger in einer veganisierten Variante.

Meine Meinung zu dem Thema: nicht jeder Fleischesser ist automatisch ein Umwelt-Sünder. Nicht jede Veganerin ein Tierschutz-Engel. Wichtig ist, woher das kommt, was man konsumiert und was drin ist – also dann doch lieber das Bio-Fleisch anstatt den Soja-Hack mit fraglicher Inhaltsstoffen.

Und es gibt  – last but not least –  eine weitere Entwicklung neben dem Vegan-,,Trend“: Alle wollen jetzt Proteinriegel, Proteinshakes und Schönheitspillen – egal ob Sportler, Model oder Normalo. Und 500ml Beauty-Trank können dabei schon gerne mal über 5 Euro kosten.  Müssen wir bei dieser Entwicklung traurigerweise von mehr Schein als Sein sprechen?

Foto - Unschlaues Smart Food

Was hat sich denn da unten versteckt? Zwischen frischer Backware finde ich in meinem Lieblings-To-GO-Store ( mit vielen Veggie-Optionen übrigens!) auf ein Mal präparierte ,,SUPERSHOTS?!“.

Schick gedacht, schick gemacht, aber auch schicklich für den Körper?

Der Ernährungstrend geht dahin, dass sich immer mehr Menschen einfach, aber ausgewogen ernähren möchten; genau das ist die Idee hinter Smart Food. Aber sind alle Produkte, die behaupten so fördernd für Geist und Körper zu sein, es auch tatsächlich? Ein kurzer Ausflug aus Google verrät mir: Über 70% der Bevölkerung konsumieren Präparate, Shakes oder Pulver angereichert mit Zusatznährstoffen. Ich bin kein Doktor und möchte nicht die Notwendigkeit einiger Zusätze bei Krankheitsfällen oder danach schreienden Blutbildern anzweifeln. Aber der Weg vom klassischen Teller Nudel hin zu pürierten Getränken und fraglich benannter Energy Balls – das scheint mir wenig mit Medizin zu tun zu haben.

Denn viele Inhaltsstoffe bekannter Smart Foods aus Shake-Faschen oder Riegel-Verpackungen sind nicht zwingend clean, sondern eher Blutzucker erhöhend und Darmflora schädigend.  Jegliches Sättigungsgefühl kann trotz hoher Kalorienzunahme schneller verschwinden als bei natürlichen Kohlenhydraten und dem Gefühl eines leeren Magens weichen. Das sage ich aus eigener Erfahrung, denn ich bin selbst auch betroffen von der Ernährungsrevolution.

Foto - Unschlaues Smart Food

Vielleicht nicht smart, aber lecker: Denke ich an meine Kindheit zurück, habe ich Nahrungsergänzungsmittel nie als Alternative zu meinen Lieblingssüßigkeiten oder klassisch basischen Produkten wahrgenommen.

Lieblingssnack mal hinterfragt

Ich trinke seit einigen Monaten regelmäßig Trinkmahlzeiten der Marke yfood: und tue mir damit selbst etwas Gutes. Behauptet zumindest das schlau gewählte Marketing der Firma: Keine Kompromisse mehr in puncto Ernährung – auch wenn’s mal schnell gehen muss: Unsere Trinkmahlzeiten schmecken super, sind im Nullkommanichts genießbar und enthalten alle wichtigen Nährstoffe, die dein Körper braucht. Disclaimer: ich konsumiere nicht, um mir keine Zeit zum Essen nehmen zu müssen – bewusster Genuss ist mir wichtig, egal wie ,,schnell es mal gehen muss.“ Fakt ist, jede dieser 500ml Flaschen hat auch 500 Kilokalorien –  und diese Kalorien brauche ich aktuell, um nach einer Lebensmittelvergiftung wieder Gewicht aufzubauen. Nun habe ich mal einen befreundeten Ernährungswissenschaftler gefragt, wie er denn die vom Vertreiber so offen angepriesenen Inhaltsstoffe von yfood tatsächlich bewerten würde.

Die Antwort kryptisch. Stirnrunzeln und Nase rümpfen. Folgendes Grundproblem: Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel müssen nicht die strengen Tests und Qualitätssicherungs-Prozesse durchlaufen, die für Medikamente vorgeschrieben sind, bevor sie auf den Markt gelangen. Und trotzdem nutzen sie einige in dem Glauben, ihr neues Wunderheilmittel gefunden zu haben – wegen simplen Marketingtricks und durchdachtem Productplacement. Die erkenne ich als Absolventin des Bachelors of Arts im Marketing auf den ersten Blick. Also bitte ich euch alle an dieser Stelle, nicht naiv auf Marketingmaschen hereinzufallen.  

Das eiskalte Totschlagargument – oder auch: keep it simple

Ich denke, dass die Umwelt unter langen Transportwegen, umständlichen Verarbeitungsprozessen und viel Plastikverpackung durch Smart Foods leidet, liegt auf der Hand – aber leidet auch der Körper!? Allgemein gilt: Eine kalte Mahlzeit ist definitiv nicht so leicht bekömmlich wie eine warme.

Bei heißen, auf Tellern angerichteten Speisen fällt mir das bewusste Konsumieren auch leichter als beim nebenher Snacken von Abgepacktem.

Foto - Unschlaues Smart Food

Meine Mutter und mein Bruder beim Kochen – ich stehe mit meinem Shake in der Hand daneben und gucke zu … – Schade, nächstes Mal wieder!

Um meinen Appell zur Bodenständigkeit abzurunden: Es gibt Lebensmittel, die sind gut für euren Magen und sicher ,,smart“. Uns allen sollte klar sein: Frisch geerntet und nur kurz transportiert, schmecken Gemüse, Salat und Obst am besten und enthalten noch alle wichtigen Vitamine. Eine gute Alternative sind laut meinem Ernährungswissenschaftler-Freund naturbelassene Waren zur Not auch aus der Tiefkühltruhe. Brokkoli ist das Immubooster Gemüse schlechthin und auch Nüsse sollten wir bei der ,,klugen“ Ernährung nicht vergessen werden, gelten sie ja nicht umsonst als Studentenfutter.

Also neben dem Austesten von Neuem werde ich wohl die Gegenrichtung ,,back to roots“ einschlagen und diesem Sommer vielleicht auch mal wieder den eigenen Garten bepflanzen.

wer hat´s geschrieben?

Leonie Stoll
Leonie studiert Marketing, aber nur online und Teilzeit, denn sie arbeitet in der internationalen Systemgastronomie. Seit Tag 1 ist sie Genießerin, wenn es um Essen geht. Bewusster Umgang mit Lebensmitteln und gesunde sowie abwechslungsreiche Ernährung sind für sie eine Herzensangelegenheit. Und natürlich das Schreiben.

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