Folge Nr: 104
Ahaa! – Wie viele Lebensmittel im Müll landen und wie das eigentlich gemessen wird
... erklärt von Gudrun Obersteiner, Abfallexpertin an der BOKU
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Über die Folge:
Studie "Teller statt Tonne"
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Gudrun Obersteiner könnt ihr auch in Folge 69 ausführlich kennenlernen.
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thx an Jürgen Buchner
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thx and Michael Lechleitner @ Irievibrations Records
… und ein bisserl selbst gesungen
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Viel Spaß beim Reinhören und Entdecken!
Transcript - Ahaa! – Wie viele Lebensmittel im Müll landen und wie das eigentlich gemessen wird
Einleitung: In der aktuellen Folge der Bauer to the People Aha-Momente erklärt uns die Gudrun
Einleitung: Obersteiner, wo genau Lebensmittelabfälle in Österreich entstehen.
Einleitung: Und ganz wichtig, wie sie das herausgefunden Vulgo gemessen haben.
Einleitung: Die Gudrun ist stellvertretende Leiterin des Instituts für Abfall und Kreislaufwirtschaft
Einleitung: an der Wiener Universität für Bodenkultur oder kurz BOKU.
Einleitung: Und vor allem ist die Gudrun zusammen mit ihrer Kollegin Sandra Luck die Autorin
Einleitung: der im Jahr 2020 erschienenen Studie Teller statt Tonne die vom WWF in Auftrag gegeben wurde.
Einleitung: Eine Studie an der man in Österreich wenn es ums Thema Lebensmittelabfälle geht
Einleitung: definitiv nicht vorbei kommt.
Einleitung: Der Link zur Gudrun und zu ihrer Studie den findet ihr bei uns in den Show notes
Einleitung: und in den Beschreibungen zu dieser Folge.
Einleitung: Und ja, jetzt kann ich nur noch sagen, möge der Aha-Moment mit euch sein.
Ahaa: Hallo, ich bin die Gurun vom Institut für Abfallwirtschaft auf der Universität
Ahaa: für Bodenkultur in Wien und wir beschäftigen uns jetzt seit fast schon 20 Jahren
Ahaa: mit den Lebensmittelabfällen und mit den Möglichkeiten,
Ahaa: wie man Lebensmittelabfälle vermeiden kann.
Ahaa: Und ganz, ganz oft kriegen wir die Fragen gestellt, wo landen die Lebensmittel
Ahaa: im Müll, wie viele Lebensmittel landen im Müll und unter anderem auch,
Ahaa: wie kann man das überhaupt messen.
Ahaa: Ein paar Zahlen haben wir mittlerweile schon dazu. Zum Beispiel wissen wir,
Ahaa: dass wir ungefähr 1 Million Tonnen Lebensmittelabfälle in Österreich haben.
Ahaa: Und davon gehen rund die Hälfte auf das Konto der Haushalte.
Ahaa: Das glauben viele nicht, in den Köpfen ist sehr stark verankert,
Ahaa: dass die meisten Lebensmittelabfälle beim Handel anfallen, aber im Handel ist es relativ wenig.
Ahaa: Das haben wir in einer Größenordnung von 8 Prozent der gesamten Lebensmittelabfälle
Ahaa: in Österreich und eben wie gesagt Haushalte bei 50 Prozent.
Ahaa: Circa 16 Prozent sind es jeweils in der Außerhausverpflegung,
Ahaa: also in der Gastronomie, in den Hotels, in Catering und so weiter und auch 16
Ahaa: Prozent haben wir in der Landwirtschaft.
Ahaa: Ja, den ca. 1 Millionen Tonnen in Österreich stehen ungefähr 88 Millionen Tonnen in der EU gegenüber.
Ahaa: Und wenn man jetzt glauben würde, naja, ist klarerweise ein Problem von den reichen Ländern,
Ahaa: dass wir so viele Lebensmittelabfälle haben, da kann ich, muss ich entgegnen,
Ahaa: stimmt auch nicht, sondern wir haben auch ganz ganz viele Lebensmittelabfälle
Ahaa: in ärmeren Ländern, nur dass sie dort anders verteilt sind.
Ahaa: Also bei uns hat es halt sehr viel mit Aussehen zu tun,
Ahaa: mit Vermarktungsgeschichten, mit unseren persönlichen Kriterien und die mehreren
Ahaa: Lebensmittelabfälle in den reicheren Ländern fallen eben bei Haushalten an.
Ahaa: In den ärmeren Ländern haben wir wenig Lebensmittelabfälle bei den Haushalten.
Ahaa: Dafür viele Lebensmittelabfälle zum Beispiel während des Transports.
Ahaa: Also wenn man sich jetzt keine Ahnung Afrika vorstellt, viel wärmer ist bei
Ahaa: uns das Equipment nicht so wie bei uns, keine Kühllastwege.
Ahaa: Also da kann man schon die Straßen nicht hoch optimiert, also nicht so die Autobahn,
Ahaa: sondern vielleicht sogar irgendwo noch eine Schotterpiste.
Ahaa: Da passiert dann relativ viel, dass während des Transports verloren geht oder
Ahaa: eben einfach nicht mehr in einer wirklich genießbaren Qualität beim Kunden ankommt.
Ahaa: Wie kann man sich das jetzt vorstellen mit dem Messen der Lebensmittelabfälle?
Ahaa: Eine meiner Lieblingsgeschichten, die ich erzähle, da war war ich relativ frisch
Ahaa: an der BOKU und wir haben eine sogenannte Sortieranalyse gemacht von Restmüll.
Ahaa: Das heißt, man steht da, man kippt den Restmüllbehälter auf den Tisch und sortiert
Ahaa: dann die einzelnen Dinge, die drinnen sind, die Kunststoffverpackungen zu den
Ahaa: Kunststoffen und die Dosen zu den Dosen und eben die Lebensmittelabfälle zu
Ahaa: den Lebensmittelabfällen.
Ahaa: Ein älterer Herr hat bei uns vorbeigekommen und hat gemeint,
Ahaa: naja, hättet ihr jetzt was gescheites gelernt, Da müsst ihr jetzt da jetzt nicht stehen.
Ahaa: Aber eben der Schwank aus meinem Leben erklärt eben eine der Methoden,
Ahaa: die man anwenden kann, um Lebensmittel, um herauszufinden, wie hoch das Aufkommen
Ahaa: von Lebensmittelabfällen ist.
Ahaa: Nämlich vor allen Dingen im Bereich der Haushalte geht man tatsächlich hin und
Ahaa: schaut nach, was im Restmüll drinnen ist.
Ahaa: Das funktioniert relativ gut mit dem Restmüll, da werden sowieso regelmäßige
Ahaa: Sortieranalysen österreichweit oder eigentlich auch europaweit durchgeführt
Ahaa: und dann versucht man halt aufgrund einer gewissen Stichprobe auf die Gesamtmenge hochzurechnen.
Ahaa: Bisschen schwieriger ist das Ganze dann schon beim Biomüll, weil sich da natürlich
Ahaa: die Lebensmittel als solche nicht so gut halten.
Ahaa: Also jeder der daheim eine Biomülltonne hat oder der einen Komposter daheim
Ahaa: stehen hat, was, dass das relativ schnell zu einer sehr kompakten,
Ahaa: eher ekeligen Masse wird, was da so drinnen ist, vor allen Dingen im Sommer.
Ahaa: Das heißt, da kann man dann nicht mehr so sehr ins Detail gehen,
Ahaa: dass man sagt, so und so viel sind Brot- und Gebäckabfälle, so und so viel sind Fleischabfälle.
Ahaa: Und das wird aber dann auch relativ schwer zu unterscheiden oder auseinander
Ahaa: zu dividieren, ist das jetzt ursprünglich Gras gewesen oder war das ein oder irgendwas.
Ahaa: Und wo man wirklich sagen muss, da funktioniert es irgendwie gar nicht mehr,
Ahaa: ist das, was im Kanal landet. Also braucht nur jeder überlegen,
Ahaa: was tut er mit einer sauer gewordenen Milch oder was tut sie mit dem Joghurt
Ahaa: oder mit der Suppe, die überbleibt.
Ahaa: Das wird halt üblicherweise ins Klo geleert und das kann man dann in der Form
Ahaa: wirklich gar nicht mehr messen.
Ahaa: Da stehen uns aber natürlich auch theoretisch Möglichkeiten zur Verfügung.
Ahaa: Man kann versuchen, Haushalte zu überzeugen,
Ahaa: sogenannte Lebensmitteltagebücher zu führen, wo dann halt wirklich minutiös
Ahaa: über einen gewissen Zeitraum aufgeschrieben wird,
Ahaa: was passiert mit den Lebensmitteln, ist nur bedingt genau, weil die Haushalte
Ahaa: dann natürlich besser darauf achten, wie viel sie wegwerfen.
Ahaa: Dann besteht auch noch die Möglichkeit, jeweils Befragungen durchzuführen,
Ahaa: um eben Rückschlüsse drauf zu treffen.
Ahaa: Also wenn man einfach fragt, wie viel oder was passiert konkret mit bestimmten Lebensmitteln,
Ahaa: wohin werden die entsorgt, da geben die Menschen schon eine bereitwillige Antwort
Ahaa: und über die Befragungsergebnisse kann man dann wiederum Hochrechnungen durchführen.
Ahaa: Das ist auch der Weg, wie wir zu unseren Zahlen gekommen sind bei den Haushaltsabfällen.
Ahaa: In der Gastronomie ist es ähnlich, da tut man entweder auch wirklich Sortieranalysen
Ahaa: durchführen oder man versucht es über Wiegungen der Küchentonne,
Ahaa: wo man halt dann keine Detailkenntnisse hat, aber einen groben Überblick kriegt.
Ahaa: Zum Teil gibt es auch schon Systeme, die automatisch verwiegen und das Ganze
Ahaa: ist dann gekoppelt mit Fotos,
Ahaa: so dass jedes Mal, wenn ein neuer Schwung reinkommt, wird ein Foto gemacht und
Ahaa: Da gibt es eine automatische Auslesung des Ganzen, sodass man auch hier recht
Ahaa: gut zu Ergebnissen kommt, aber eben auch immer auf einer Betriebsebene.
Ahaa: Also das ist immer mit einer Hochrechnung verpasst.
Ahaa: Im Handel ist es eigentlich relativ leicht, weil der Handel an sich ja seinen
Ahaa: Schwund sowieso erhebt.
Ahaa: Das heißt, da gibt es Zahlen über die Abschreibungen, die man dann auswerten
Ahaa: kann, die man dann quasi rückrechnen kann auf die Mengen, die dahinter liegen.
Ahaa: Aber auch im Handel kann man natürlich Sortieranalysen durchführen.
Ahaa: In der Produktion ist es auch relativ einfach, weil vor allen Dingen hat man
Ahaa: da meistens Monomengen.
Ahaa: Also der Produzent hat ja nicht so eine Mischung von ganz ganz vielen Lebensmitteln,
Ahaa: sondern der Produzent hat ja zumeist 1, 2, 3 spezifische Produkte und da sind
Ahaa: es dann meistens irgendwelche Unfälle,
Ahaa: die passieren und die Mengen werden dann üblicherweise in österreichweite Erfassungssysteme
Ahaa: zur Abfallerfassung eingemeldet, sodass die,
Ahaa: die Handelszahlen recht gut sind, die wir haben.
Ahaa: Besonders schwierig ist es in der Landwirtschaft, weil da haben wir erstens
Ahaa: schon so ein gewisses Abgrenzungsproblem.
Ahaa: Was ist wirklich Lebensmittelabfall und was nicht? Also ist das,
Ahaa: was am Feld liegen bleibt, zählen wir das zu den Lebensmittelabfällen oder nicht?
Ahaa: Müssen wir uns genauer anschauen, warum ist es liegen geblieben?
Ahaa: Ist es ein Hagelschaden oder was, eine Überproduktion und wie vor allen Dingen
Ahaa: kommt man zu Zahlen, was da liegen bleibt, was nicht geerntet wird.
Ahaa: Auch hier kann man mit Befragungen arbeiten. Wir haben aber zum Teil auch schon
Ahaa: sogenannte Nachernteaktionen gemacht,
Ahaa: in denen wir einfach nach der Ernte aufs Feld gegangen sind und geschaut haben,
Ahaa: wo sie es liegen geblieben und auch hier dann wieder hochgerechnet haben über
Ahaa: einzelne Messungen, wie viel das denn sein könnte für ganz Österreich.
Ahaa: Aber größtenteils arbeitet man in der Landwirtschaft entweder mit Befragungen
Ahaa: oder, und das gilt jetzt für alle Bereiche, eigentlich sind Betriebe in Österreich
Ahaa: quasi verpflichtet, ihre Abfälle zu melden.
Ahaa: Und über dieses Meldesystem kann man dann natürlich die Mengen auch auslesen.
Ahaa: Da sind wir aber dann auf einer Ebene Lebensmittelabfall, da wird es dann schwierig,
Ahaa: wenn man das irgendwie genauer zuordnen will.
Ahaa: Also sagen wir so und so So viel sind Fleischabfälle, so viel sind Essensreste
Ahaa: oder was auch immer. Aber zumindest die Größenordnung, biogene Abfälle,
Ahaa: kann man da schon relativ gut beziffern.
