Folge Nr: 145

B2P Interview | Vom Schlachten und Tierwohl

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Über die Folge:

Spanferkel und Tierwohl. Geht das zamm? Um das herauszufinden, hat Bianca die Schweinebauern Lisa und Sebastian Zanker in ihrem Stall in Bruck an der Leitha besucht. Hier gehen die Tiere den Weg vom Feld bis auf den Teller. Sie werden hier geboren, gemästet, geschlachtet und verarbeitet. Unüblich in unserer hoch spezialisierten Gesellschaft. Warum sie das so machen und was schlachten mit Tierwohl zu tun hat, erzählen sie euch im Interview.

INFO ZUR FOLGE:
Jahners's Spanferkel: www.jahner-spanferkel.at


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Musik:
„Leit hoits zamm“ – Haindling
thx an Jürgen Buchner

„Power to the People“ – Junior Kelly
thx and Michael Lechleitner @ Irievibrations Records
 
… und ein bisserl selbst gesungen
thx to me, my voice und eure Schmerzschwelle 

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Transcript - B2P Interview | Vom Schlachten und Tierwohl

Spahnferkel und Tierwohl. Geht das zusammen? Wir hocken hier tatsächlich im Schweinestall

von Lisa und Sebastian Zanker in Brugger an der Leiter. Die machen es ein bisschen anders,

weil hier geht das Schwein den Weg von der Geburt bis auf den Teller. Man nennt das im

Fachjargon einen geschlossenen Betrieb in unserer hocharbeitsteiligen und spezialisierten Welt.

Ziemlich special. Jetzt meine Frage, warum macht sie das so?

Alles aus einer Hand, sage ich mal. Das heißt, wir ziehen die Vörkel selber auf, das

heißt, wir haben die Muttersauen selber, die vörkeln ab, dann wandern sie bei uns in

die Vörkelaufzucht, da geht es dann weiter in die Mast, wo sie dann eben, je

nachdem, in welcher Größe wir sie halt benötigen, dann raus sortiert werden und

geschlachtet werden. Genau, geschlossener Betriebskreislauf

bedeutet auch, dass wir das Futter der Tiere selber anbauen. Wir düngen mit den Ausscheidungen beim

Kot, mit der Mischt unsere Felder. Das ist wie gesagt unser Wirtschaftsdünger und das was dann

darauf wächst, das anten wir und das wird dann wie gesagt verfüttert und daraus entsteht dann.

Bestes Spanfackel. Aber jetzt mal Lisa ganz ehrlich, warum macht ihr es so? Jeder andere

macht es anders de facto, weil halt Spezialisation auch Sinn macht, wirtschaftlich, arbeitsrechtlich,

Warum macht ihr alles komplett von der Sau, eigentlich vom Feld, über den Stall bis auf den Teller selber?

Das ist ganz einfach. Wir lieben Schweine und wir lieben knuspriges Schwartl auf saftigem Fleisch.

Und wir wollen damit sagen, dass das kein Widerspruch ist. Wir arbeiten daran, dass es unseren Viechern einfach gut geht.

Und wir sind auch schuldig, dass wir die eben dann auch selber schlachten, dass das ganz entspannt anrennt.

Und so haben wir dann einfach alles selber in der Hand und können dafür sorgen, dass den Tieren von Anfang bis zum Schluss gut geht.

Warum sagst du ihr seid es ihnen schuldig? Also es ist ja ein Anliegen der Gesellschaft, dass es den Tieren gut geht,

dass das Tierwohl gefördert wird und wenn ich eben vom Anfang bis zum Schluss

alles selber in der Hand habe, dann weiß ich ja, dass das genau so passiert mit

mit bestem Wissen und Gewissen.

Aber warum sagst du persönlich, du oder ihr seid es den Schweinen schuldig?

Weil es ein Lebewesen ist und das Leben dafür gehen muss, dass wir noch Fleisch konsumieren können.

Und deswegen möchte ich, dass das eben von Anfang bis Ende so läuft und dass die Schlachtung so entspannt wie möglich ist.

Dass ich einfach sagen kann, ich habe mein Bestes gegeben, dass wir noch ein Produkt konsumieren können, das wir dann auch entsprechend wertschätzen.

Genau. Und wir haben eben dann jeden einzelnen Schritt Salbe in der Hand. Das fängt an über

die artgerechte Fütterung, über Spielmaterialien, wie wird mit den Tieren umgegangen, wie stressfrei

läuft das Umsparen ab. Wir haben wirklich alles Salbe in der Hand und können das selber bestimmen.

Und dadurch, dass wir, wie gesagt, das Beste für das Tier wollen, geben wir uns natürlich auch

größtmöglich Mühe, dass wir da nur das Beste für das Tier bekommen.

Ihr zwei, die ihr da jetzt jeden Tag mit den Tieren arbeitet, sie tatsächlich von der

Geburt bis zum letzten Tag, bis zum Strandferkel tatsächlich bei euch begleitet, was bedeutet

Tierwohl für euch und wie setzt ihr das auch um?

Tierwohl bedeutet erstmal, naja, das hängt von ganz ganz vielen Faktoren ab, Tierwohl.

Tierwohl, das sind ganz banale Sachen wie Licht, Luft, Wasser, also einfach genügend

dass es höllisch, dass einfach genügend Wasser vorhanden ist, dass einfach, dass

das einfach, so wie man es jetzt auch hier sieht, großer Wasserdurchfluss, einfach

eine artgerechte Fütterung, eine ausgeglichene Fütterung, Spielmaterialien.

Ich sag mal, das sind ganz banale Dinge, wo wahrscheinlich jeder selber drauf

kommt. Man kann eigentlich fast so sagen, wie bei uns Menschen. Wir fühlen uns auch

wohl, wenn es höllisch, wir fühlen uns wohl, wenn die Ernährung passt, wenn es,

nicht zu fett ist, nicht zu mager. Wenn es einfach ausgeglichen ist, dann sind wir auch fit.

Wenn wir Abwechslung haben, Arbeit, Hobby, das sind ganz banale Sachen, wo man eigentlich hier

wo ich schon ein bisschen dran festmachen kann. Aber wie gesagt, das sind ganz, ganz viele Einflussfaktoren.

Du hast gesagt, Luft, Wasser, Hobby. Was machen Schweine gerne und was sind denn die Dinge, die Schweine tun wollen,

damit es ihnen auch gut geht?

Also die Schweine, die wollen ausreichend Platz haben, die wollen sich frei

bewegen können, die wollen frische Luft haben, ausreichend essen und trinken.

Und unser Ding ist halt, dass wir eben schauen, dass wir das Tier wohl dahingehend

fördern, dass die Schweine ihren natürlichen Bedürfnissen nachkommen können.

Sprich, bei uns wird das jetzt eben voll aus der ganze Stolle mit Auslauf gestaltet,

damit die Tiere eben nach draußen können zum Trinken, Heu fressen, zum,

Kommunizieren mit den anderen Schweinen und dort eben ausscheiden. Und sie können aber dann auch reingehen zum Fressen und drinnen gibt es eben einen

Liegerbereich und der bleibt dadurch dann auch sauber. Also wenn ich den Schwein

alles so zur Verfügung stelle, dass den natürlichen Bedürfnissen nachgehen kann,

dann halten sie ihren Liegerbereich sauber und haben einen eigenen Kotbereich.

Das ist wie mit Tierwohl quasi. Das heißt, Tierwohl, Schweine können Schweinedinge machen, alles damit sie sich wohlfühlen,

de facto, mehr als gesund sind und sich wohlfühlen.

Tierwohl geht ja bis zuletzt und bei euch werden die Tiere auch geschlachtet.

Sebastian, du hast gerade erzählt, das passiert in der Nacht.

Was bedeutet für euch Tierwohl bei der Schlachtung? Weil ich meine, am Ende des Tages stirbt das Tier.

Wie wohl kann es sich da fühlen?

Naja, Tierwohl bei der Schlachtung, naja, das Ende ist natürlich klar, aber

ich denke oder wir denken einfach, dass kurze Wege total wichtig sind.

Das haben wir hier. Wir haben gerade mal 30 Meter vom Stall bis zum Schlachtraum.

Dort wurden sie in Kleinstgruppen hin gebracht.

Dann wurden sie einzeln eben mit der Elektrozange betäubt. Wir betäuben doppelt, einmal Hirn-Hirn, Hirn-Herz,

so dass wir sicherstellen können, dass eine ausreichende Betäubung stattfindet,

was auch bei uns überwacht wird, durch eine Elektronik eben, wo man auch das dann alles nachvollziehen kann,

ob die Betäubungsdauer, die Stromstärke, ob das alles passt.

Dann wird gleich darauf noch liegend bei uns gestochen, das heißt die Hauptschlagader wird am Hals angestochen,

damit sie dann ausblutet, weil erst durch das Ausbluten tritt dann der Tod ein.

Und das passiert bei uns alles sehr sehr zügig, mit total viel Ruhe.

Also wir schlachten nur fünf bis sechs Schweine in der Stunde.

Da sieht man mal, wie viel Zeit wir uns für jedes einzelne Tier nehmen.

Und das ist für mich einfach eine schonende Schlachtung.

Und warum in der Nacht? Warum in der Nacht? Ja, das ist eine gute Frage. Das hat eigentlich mehrere Gründe.

Der Hauptgrund ist gerade so im Sommer, es ist einfach noch viel, viel kühler.

Die Schweine sind viel, viel ruhiger, entspannter. Das heißt, man kommt da dann in der Nacht in den Stall rein,

wahnsinnige Ruhe ist dort, weil einfach sehr noch düsen oder schlafen. Dann geht man da rein,

macht das Licht an, dann wachen sie so langsam auf. Es ist noch keine Hektik irgendwie und das

Das ist ja eine total ruhige Sache eben und das funktioniert eben leider nur nachts.

Und sagt mal, wie viel Tierwohl könnt ihr euch jetzt tatsächlich leisten?

Weil am Ende des Tages, ihr müsst, ihr wollt davon leben, was ihr hier tut, was geht sich da aus?

Wir können uns so viel Tierwohl leisten, so viel wie unsere Kunden bereit sind auch zu bezahlen.

Für das Produkt am Ende, was am Teller landet. Wenn ich jetzt ein Spanferkel bei euch bestelle, wie viel muss das kosten, dass sich alles gut ausgeht?

Also es kommt darauf an, was alles dabei ist von Biss, aber da liegen wir irgendwo zwischen 12 und 16 Euro.

Kostet die Portion Spanferkel mit Semmelfülle, Bratensaft, Krautsalat und je nachdem eben

Abholung oder Lieferung.

Wenn es ums Tierwohl geht oder einfach um den Umgang mit den Tieren, um tatsächlich

vom Feld bis zur Schlachtung, bis am Teller, was erklärt ihr euren Kindern da?

Wir erklären unseren Kindern die ungeschönte Wahrheit, weil sie bei uns bei jeder Aufgabe

in Wahrheit mitrennen.

Und somit kriegen sie das von klein auf mit, dass das der Kreislauf ist, dass die Tiere

unser Futter kriegen, hier geboren werden, hier groß werden und hier dann auch geschlachtet werden.

Wie gehen eure Kinder mit den Schweinen um? Absolut liebenswert.

Also so wie man sie ihnen vorlebt, das ist bei uns ja ein wahnsinnig respektvoller Umgang,

dass man einfach viel Geduld mitnehmen muss, wenn man mit den Schweinen arbeitet und das

zeigt sich auch schon bei den Kindern, dass sie das einfach widerspiegeln, so wie es für ihne vorliegt.

Wie geht es euch denn persönlich mit diesem gesamten Kreislauf, der hier ja stattfindet,

wie geht es euch mit der Schlachtung?

Stumpft ihr da ab? Müsst ihr euch da irgendwie schützen? Wie geht es euch da?

Es ist ein emotionaler Vorgang, die Schlachtung an sich.

Man entwickelt einen gewissen Selbstschutz, dass man das nicht zu sehr an sich ran lässt,

aber man stumpft nicht ab.

Am Ende des Tages, es ist ein Kreislauf, es ist wie es ist, ihr versucht das Beste daraus

zu machen, Tierwohl ist immer auch eine Kostenfrage und ich sage danke an euch zwei liebe Menschen,

die ihr mich hier in euren Stall, literally, also tatsächlich reingelassen habt.

Ich habe viel gelernt über euch, über Tierwohl, über Schweine und sagt nochmal ganz kurz,

wer steht denn da hinter uns?

Hinter uns steht eine Muttersau, die nächste Woche ihre Ferkel bekommen soll.

Zum allerersten Mal im neuen Abferkelstall mit Auslauf und allem Drum und Dran und es

wird die erste freie Abferkelung und es wird spannend für die Muttersau und für uns.

Wir sagen danke für euren Blick hinter die Kulissen mit uns, Bao to the People aus dem

Schweinestall von Lisa und Sebastian Zanker in Bruggernerleiter für euch.

Ciao. Danke.

Ja, das wüsste ich auch.

Music.

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