Folge Nr: 264

B2P132 – German Butchery – Ein deutscher Metzger in Ruanda

Alte Schule, neues Land

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Über die Folge:

Grias eich!

Eigentlich war der Plan für das Leben von Roland Kastler ein ganz anderer. Ein bodenständiges Leben in Hessen, zwölf Jahre Bundeswehr und eine Ehe, die bis ans Lebensende halten sollte. Doch dann kam die Scheidung und mit ihr der Bruch. Rolands Perspektive in der Heimat war weg.

Was macht man, wenn der Plan A scheitert? Roland hat sich ein Flugticket gekauft. Ziel: Ruanda. Das war im Januar 1994, nur wenige Wochen vor dem Genozid. Heute, 30 Jahre später, sitze ich bei ihm in Kigali. Roland ist hier inzwischen eine Institution. Er ist der Gründer der „German Butchery“, sozusagen der deutsche Metzger.

In dieser Folge hört ihr die Geschichte eines Auswanderers, der sich nicht unterkriegen ließ. Ihr hört aber auch einen Menschen mit Ecken und Kanten. Roland ist „Stiergeborener“, wie er selbst betont. Er ist stur, er ist direkt und er ist das, was man als einen Unternehmer der alten Schule beschreiben könnte. Wir sprechen über seine harten Anfänge, über Brüche mit Wegbegleitern und darüber, wie man in einer fremden Kultur ein Unternehmen aufbaut. Dabei nimmt sich Roland kein Blatt vor den Mund. Seine Sprache ist sehr direkt, teils auch deftig und seine Ansichten sind ungefiltert und durchaus kontrovers.

Roland ist ein Kind seiner Zeit und seiner Herkunft. Er ist mit sich und seiner Sicht auf die Welt im Reinen. Und genau das macht dieses Gespräch so spannend: Es ist ein authentischer Einblick in eine Lebensrealität, die sich nicht verbiegt, um gefällig zu sein. Wir müssen nicht immer einer Meinung sein, um einander zuzuhören und zu verstehen, was den anderen antreibt. Es ist das Porträt eines bewegten Lebens und einer Haltung, die polarisieren kann – aber die vor allem eines ist: ehrlich.

Viel Freude beim Reinhören, in die vielen Dimensionen und Facetten dieses Gespräches.

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Transcript - B2P132 – German Butchery – Ein deutscher Metzger in Ruanda

Roland: Ich muss Ihnen aber gratulieren. Ja, wofür denn? Was die alles importieren hier,

Roland: das ist ja verrückt. Was importiere ich denn?

Roland: Die ganze Wurst, die da vorne liegt. Die mache ich alle selber.

Roland: Nein, das machen die nicht selber. Doch, da ist nicht eine einzige Wurst aus

Roland: Europa dabei, die machen wir alle selber.

Roland: Angefangen von der Salami über die Kochwurst, zur Schinkenwurst,

Roland: zur Mortadella, zur was weiß ich.

Roland: Und alle Fäden kommen ja in meinem Büro zusammen. Ich habe ja hier einen Manager,

Roland: ich habe da einen Manager.

Roland: Hier habe ich eine Managerin, so ein bisschen im Supermarkt und ab hinten meinen

Roland: Supervisor, Manager, der die Produktion macht.

Roland: Und die schmeißen das alles wunderbar. Wenn die ein Problem haben,

Roland: ein größeres Problem, dann kommen die zu mir.

Roland: Und mit den kleinen Problemen, das klären die alles unter sich.

Roland: Und somit habe ich viele, viele kleine Sachen, worum ich mich nicht kümmern muss.

Roland: Ich mache ja dann auch so meine Kontrollen mit meinen Mitbewerbern.

Roland: Kauf da mal was von der Wurst, kauf da mal das und das.

Roland: Und dann bringst du das hierher. So, dann schaue ich mir die Wurst an.

Roland: Da ist nicht alles schlecht, um Gottes Willen. Da sind auch gute Sachen dabei.

Roland: Aber das sind aber auch zum Teil Sachen dabei, die würde ich meinem Hund nicht

Roland: geben. Und das enttäuscht mich schwer.

Roland: Die 150 Kilo Jagdwurst, der nächste 50 Kilo davon, der nächste 100 Kilo davon.

Roland: Und das über die Woche her. Wir haben Tonnen an Wurst gemacht.

Roland: Und das habe ich denen verkauft.

Roland: Bis ich mir dann gesagt habe, die kommen aus Goma hierher und kaufen die Wurst,

Roland: weil in Goma haben sie die Wurst, Pili Pili und die Jagdwurst, für 14 Dollar verkauft.

Roland: Für 14 Dollar damals. Das kann ich doch selber machen.

Roland: Ich bin mit 34 hierher gekommen.

Roland: Ich würde es früher machen, mit 24. Weil wenn ich sehe, was ich erreicht habe

Roland: in der Zeit hier, dann hätte ich noch viel mehr erreichen können.

Willy: To the People, der Podcast für Perspektiven rund um Essen, Menschen und Landwirtschaft.

Willy: Weil nur durchs Reden kommen die Leute zusammen.

Willy: Grüß euch. Ja, eigentlich war der Plan für das Leben von Roland Kastler ein ganz anderer.

Willy: Ein bodenständiges Leben in Hessen, in Deutschland, zwölf Jahre Bundeswehr und

Willy: eine Ehe, die bis ans Lebensende halten sollte.

Willy: Doch dann kam die Scheidung und mit ihr der Bruch.

Willy: Rolands Perspektive in der Heimat war weg. Und was macht man, wenn Plan A scheitert?

Willy: Der Roland hat sich ein Flugticket gekauft. Ziel Ruanda.

Willy: Und das war im Januar 1994, nur wenige Wochen vor dem Genozid.

Willy: Heute, 30 Jahre später, da sitze ich bei ihm in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda.

Willy: Der Roland ist hier inzwischen sowas wie eine Institution. Er ist der Gründer

Willy: der German Butchery und sozusagen der deutsche Metzger dort in Kigali, in Ruanda.

Willy: In dieser Folge, da hört ihr die Geschichte eines Auswanderers,

Willy: der sich über die Jahre nicht unterkriegen ließ.

Willy: Ihr hört aber auch einen Menschen definitiv mit Ecken und Kanten.

Willy: Der Roland ist ein Stiergeborener, wie er selber betont. Er ist stur,

Willy: er ist direkt und er ist das, was man sicher auch als einen Unternehmer der

Willy: alten Schule beschreiben könnte.

Willy: Wir sprechen über seine harten Anfänge, über Brüche mit Wegbegleitern und darüber,

Willy: wie man in einer fremden Kultur ein Unternehmen aufbaut.

Willy: Und dabei nimmt sich der Roland definitiv kein Blatt vor den Mund.

Willy: Seine Sprache, die ist sehr, sehr direkt, teilweise auch deftig und seine Ansichten,

Willy: die sind ungefiltert und ganz sicher auch.

Willy: Dort und da etwas kontrovers. Der Roland ist ein Kind seiner Zeit und seiner Herkunft.

Willy: Er ist mit sich aber und mit seiner Sicht auf die Welt definitiv im Reinen.

Willy: Und genau das macht dieses Gespräch dann auch so spannend. Es ist ein authentischer

Willy: Einblick in eine Lebensrealität, die sich nicht verbiegt, um gefällig zu sein.

Willy: Wir müssen auch nicht immer einer Meinung sein, um einander zuzuhören und zu

Willy: verstehen, was den anderen antreibt.

Willy: Ja, und das Ganze ist dann ein Porträt eines bewegten Lebens und einer Haltung,

Willy: die polarisieren kann und sicher auch wird, aber die vor allem auch eines ist, direkt und ehrlich.

Willy: Ja, ich wünsche euch viel Freude beim Reinhören in die durchaus vielen Dimensionen

Willy: und Facetten dieses Gespräches.

Willy: Roland, was würdest du sagen, bist du bereit?

Roland: Ja, irgendwann müssen wir es sein, dann sind wir es jetzt.

Willy: Weil sonst wären wir nicht fertig.

Roland: Dann sind wir auch schneller fertig, ja genau. Weil es kribbelt schon so ein

Roland: bisschen in mir drin. Ich kann das gar nicht verstehen, aber es ist einfach so.

Willy: Es ist doch schön, bei mir kribbelst du jedes Mal, wenn er wieder auf Start rückt beim Podcast.

Roland: Bei dir darf es doch nicht sein, weil du bist ja nur der, der die Fragen stellt.

Willy: Ich glaube, es ist so, wenn ich irgendwann einmal dieses Kribbeln und diese

Willy: gewisse Nervosität verliere, diese positive Nervosität, dann kann ich aufhören.

Willy: Bin ich fertig, kann ich aufhören.

Roland: Das hat dann ganz aufhört.

Willy: Nein, ich freue mich auch drauf. Und auf das Gespräch heute habe ich mich wirklich

Willy: lang gefreut, weil erstens habe ich nicht gewusst, ob wir es zusammenbringen,

Willy: also ob es zustande kommt.

Willy: Zweitens habe ich absolut nicht gewusst, wer und was mich heute erwartet.

Roland: Das ist natürlich so eine Sache,

Willy: Ja. Und jetzt, wo ich da bin, habe ich zumindest einmal ein Gesicht zu der Geschichte. Ah, super.

Willy: Und die Geschichte heißt Roland Kastler. damit ich sie rausbringe und die German

Willy: Butchery hier in Kingali, in Ruanda.

Willy: Nicht nur hier, nicht nur Ruanda begonnen hat, alles in Deutschland,

Willy: über das werden wir gleich reden, aber beschreib uns doch ganz kurz,

Willy: in wenigen Sätzen, so aus Zusammenfassung am Anfang, wer bist du, was machst du?

Willy: Okay, geht schon los. Wir sind schon live auf Sendung.

Roland: Wer ich bin, also mein Name ist Roland Kastler. Ich bin geboren,

Roland: ich komme aus Schwalmstadt-Reiser.

Roland: Das liegt so zwischen Marburg und Kassel.

Willy: Ich würde sagen Deutschland.

Roland: Deutschland, ganz klar.

Roland: Und jetzt machen wir mal einen Sprung. Ich war ja zwölf Jahre bei der Bundeswehr

Roland: und während der Bundeswehrzeit habe ich ja auch geheiratet. Das war in 1988.

Roland: Und diese Ehe hat vier Jahre gehalten, bis 92.

Roland: Daraus entstand ja auch noch ein Sohn. Das ist super. Wie gesagt,

Roland: bis 92. Und dann ging diese Ehe in die Brüche.

Roland: Und das ist eigentlich der Grund, warum ich nach Avika gegangen bin,

Roland: weil ich keine Perspektive mehr gesehen habe in Deutschland. Für mich.

Roland: Weil ich hatte gedacht, naja, heiraten, okay, aber doch nicht vier Jahre lang,

Roland: sondern eigentlich bis man stirbt, sag ich mal.

Roland: Und es hat aber nicht geklappt. und das hat mich unheimlich mitgenommen.

Willy: Ich glaube, füßig, füßig, füßig, ja.

Roland: Und mein ehemaliger Lehrmeister, der hatte ich hier in den Anfang der 80er Jahren,

Roland: war der schon hier für eine Organisation, die hieß ZIMM.

Roland: ZIMM, Z-I-M-M. Und da sollte er eine Fleischerei, die jetzt hier in der Nähe

Roland: ist, 800 Meter Luftlinie, sollte er evaluieren.

Roland: Und das hat er auch gemacht die ganzen Jahre. und er kam dann auch öfters nach

Roland: Deutschland zu Besuch und haben uns immer getroffen.

Roland: Und da hat er immer gesagt, Mensch Roland, du musst mich mal besuchen.

Roland: Da denke ich, naja, Bundeswehr, verheiratet, Kind, also das ist

Willy: Zu weit weg, oder? Das wird nichts.

Roland: Obwohl ich ein super Fan von Afrika schon als in meiner Jugendzeit war.

Willy: Ja, da kommen wir noch hin.

Roland: Weil ich alle Dokumentationen oder sowas im Fernsehen habe ich mir alle angeschaut,

Roland: soweit ich das sehen konnte.

Roland: Tierfilme, ich war also da immer der erste vorne am Fernsehen

Roland: Und deswegen hat Afgir mich immer interessiert. Aber so zu sagen,

Roland: naja, besuch mich mal, das war halt was anderes.

Roland: Okay, dann war das im Hintergrund. Dann war das ja mit meiner Scheidung.

Roland: Und dann habe ich gesagt, Mensch Keller, ich rufe mal den Ott mal an und frage

Roland: ihn mal, ob ich zu ihm kommen kann.

Roland: Vielleicht wäre ich da ein bisschen klarer im Kopf.

Roland: Und dann habe ich ihn angerufen, das war so Ende 92.

Roland: Und dann sagt der Mensch, kauf dir ein Ticket, komm her.

Roland: Dann habe ich mir ein Ticket, beziehungsweise dann habe ich erst mal nachgeschaut,

Roland: weil ich mich für Ruanda nie interessiert habe, weil ich das nie gehört habe.

Roland: Burundi schon eher, so als Touristenland, im Fernsehen und so weiter.

Willy: Ja, aus dem Fernsehen. Aber Rwanda?

Roland: Dann bin ich bei mir ins Schlafzimmer gegangen und da war oben auf dem Schrank

Roland: noch so ein alter Atlas aus meiner Schule.

Roland: Den habe ich mir runtergeholt und da habe ich jetzt mal geguckt.

Roland: Da war dann Afrika und da habe ich dann gesucht.

Willy: Warte, kannst du langsuchen.

Roland: Dann habe ich gedacht, ja, das wäre natürlich jetzt gut gewesen. Jetzt zoomen, gell?

Roland: Ich habe es nicht gefunden und natürlich in jedem ist ein Register und da guckst

Roland: du im Register und dann sagst du dir, mein Gott, der kleine Fliegenschiss da, sorry, ist Rwanda?

Roland: Kann ja gar nicht sein.

Roland: Dann habe ich das gefunden und dann bin ich zum Reisebüro und habe mir dann

Roland: ein Ticket geholt. Und dann bin ich am 26.

Roland: Januar 1992?

Willy: Ah, 1993. Nein, 1994.

Roland: Ah, das hat alles noch ein bisschen länger gedauert. Das war 1994.

Roland: Das war jetzt ein Fehler von mir.

Roland: Und dann bin ich am 26. Januar 1994 für zwei Monate, genau für zwei Monate habe

Roland: ich das Ticket gehabt, das heißt am 26.

Roland: März 1994 bin ich wieder nach Deutschland geflohen.

Roland: Und wenn man jetzt überlegt, dass zehn Tage später der Genocid hier losging,

Roland: dann ist das schon eine ganz schön heiße Sache. Obwohl wir auch schon einiges

Roland: in der Zeit, wo ich hier war, erlebt haben in Form von dem Genocide,

Roland: also von den Unruhen, die es da gab.

Willy: Das hat sich damals schon abgezeichnet, oder?

Roland: Ja, das war schon sehr deutlich.

Willy: Also du keine Afrika-Erfahrung. Als erstes Mal Afrika-Erfahrung,

Willy: warst du schon mal vorher in Afrika?

Roland: Ja, ich war schon mal in Mombasa gewesen.

Willy: Du warst schon mal in Mombasa. Aber wenig Afrika-Erfahrung, noch nie in Ruanda.

Roland: Nur die hier eigentlich.

Willy: Wie hat sich das für dich damals, wo hast du das gemerkt, da bahnt sich was

Willy: an, da passiert was, da brodelt was?

Roland: Ja, wie gesagt, wir wollten uns ja nicht über Genosilien verhalten.

Willy: Nein, gar nicht, aber nur so aus dem Ding, wo du das gemerkt hast.

Roland: Aber wir sind, zum Beispiel, die UN war ja hier sehr stark vertreten.

Roland: Wir waren zweimal auf gepackten Koffern, wurde uns gesagt, Koffer packen,

Roland: wir holen sie ab, wir bringen sie aus dem Land.

Willy: Es wurde schon gewarnt? Ja, in meinem Urlaub.

Roland: Nicht erst später, wo es losging, sondern schon vorher. Und das wurde dann immer

Roland: so ein paar Minuten vorher, dann okay, alles wieder okay.

Roland: Dann konntest du die Koffer wieder auspacken.

Roland: Daran, es gab auch noch zwei andere Sachen. Wie gesagt, ich weiß gar nicht, ob ich das sagen darf.

Roland: Der Ottmar hatte ja die Fleischerei und da kannte ich ja die Jungs alle.

Willy: Der hatte die Fleischerei?

Roland: Ja, hier vorne, das war die BCK. Da kannte ich ja die Jungs alle,

Roland: die da gearbeitet haben.

Roland: Und dann ist mir natürlich aufgefallen, hier und da, ich sagte,

Roland: da fehlen doch fünf Mann, wo sind die denn?

Roland: Und dann wurde mir gesagt, ja, die sind heute Nacht weg.

Willy: Das heißt, du wolltest raus. Du warst dann auch froh, wie du wieder draußen warst, oder?

Roland: Moment, also wurde mir gesagt, dass sie halt dann, naja, getötet worden sind.

Roland: Da sage ich, was? Jaja, aber wir haben das alles im Griff.

Roland: Heute Nacht fahren wir in das Allerkartier und dann machen wir da welche platt. Ich sage, was?

Roland: Was? Wenn du das sowieso mitkriegst, das ist ja unnormal für dich.

Willy: Ja, komplett.

Roland: Und da habe ich mir so meine Gedanken gemacht. und dann naja,

Roland: wenn das so ist, dann wollen wir da nicht weiter drüber reden, dann ist es so.

Roland: Ich hatte mal mit dem Ort mal gesprochen, die Situation hat sich hier ganz schön

Roland: jetzt verändert, aufgrund, nicht aufgrund des Genozides, der war ja noch gar

Roland: nicht da, aber es waren halt politische Spannungen da und dann war das so.

Roland: Ich fand das toll, aber was willst du machen? Naja, ich bin ja dann am 26.

Roland: März bin ich ja wieder nach Deutschland geflohen und am 6.

Roland: April, sag, zehn Tage später, ging es da hier los und da habe ich mir diese

Roland: ganze Katastrophe eigentlich in Deutschland im Fernsehen angeschaut. Fand ich nicht toll,

Willy: Aber was willst du machen? Ein eigenartiges Gefühl wahrscheinlich,

Willy: wenn man da vom Fernseher sitzt. Ganz eigenartiges.

Roland: Hast ja dann im Fernsehen dann, wenn die hier die Kameraleute hier Aufnahmen

Roland: gemacht haben, wenn dann irgendwo an den Straßen so Roadblocks waren und die haben dann

Roland: Autoreifen angezündet da und dann sagst du, Mensch, da war ich vor zwei Wochen noch an der Kreuze.

Willy: Genau an der Stelle.

Roland: Ja, und das geht dann schon so ein bisschen rein.

Willy: Ja, weil du einen Bezug gehabt hast. Also Menschen, die überhaupt keinen Bezug

Willy: haben, sagen, da passiert schon wieder was. Schrecklich, aber du hast einen Bezug gehabt.

Roland: Ja, ja, geht das Fernsehen aus und ist das weg. Aber bei mir blieb das hing

Roland: und da habe ich mir schon meine Gedanken gemacht.

Willy: Was willst du machen? Was war mit dem Ottmar?

Roland: Der ist noch geblieben bis zum 12. April.

Roland: Die haben also vorher schon Evakuierungen gemacht, aber er wollte mit,

Roland: er wollte seine Sachen hier schützen von der deutschen Botschaft.

Roland: Und dann haben die aber

Roland: Bis zum 12. April, das Datum habe ich noch im Gedächtnis gesagt,

Roland: wir machen jetzt den letzten Konvoi, der geht nach Burundi.

Roland: Wenn Sie da nicht mitkommen, können wir für Ihre Sicherheit gar nicht garantieren.

Roland: Dann ist er dann mit.

Roland: Und dann sind die mit dem Auto nach Burundi gefahren und von da aus dann mit

Roland: dem Flieger, ich weiß jetzt auch nicht mehr.

Willy: Einfach weg, ja.

Roland: Einfach weg erstmal, ja.

Willy: Also du warst dann wieder in Deutschland. Und wir machen da jetzt einmal an

Willy: dieser Stelle einen Punkt und gehen...

Willy: zurück. Zurück in deine Jugend, zurück in deine Vergangenheit,

Willy: um dich ein bisschen besser kennenzulernen.

Willy: Wie du hast ja gesagt, dieser Kontinent hat dich schon fasziniert.

Willy: Du hast sehr viel drüber gewusst.

Willy: Ich möchte ein bisschen verstehen. Und du bist gelernter Metzger.

Willy: Deswegen hast du ja auch die Butchery, die Metzgerei aufgemacht.

Willy: Jetzt erzähl mal ein bisschen, erstens mal in welcher Welt bist du damals hineingeboren

Willy: worden? Waren das schon Metzger deine Eltern?

Roland: Erzähl ein bisschen. Gibt es eine Story von. Also aus dem Ort,

Roland: wo ich komme, wie gesagt, Schwalmstadt-Reiser.

Willy: Hessen, ne? Bitte? Hessen.

Roland: In Hessen, genau, ja. Ich war acht Jahre alt. Ich war acht Jahre alt.

Roland: Da haben wir in so einem Sechserblock gewohnt. In einem Sechserblock.

Roland: Und da ist ja ziemlich eng drin, also nicht eng, aber da ist ja nicht so,

Roland: als wenn du jetzt ein großes Haus mit einem riesigen Garten hast.

Roland: Und da sind wir von da aus eigentlich in die Innenstadt gezogen.

Roland: Von da aus in die Innenstadt.

Roland: Und da, keine 300, 400 Meter entfernt, da war ein großer Bauernhof.

Roland: Und das hat mich immer interessiert. Und der große Bauernhof,

Roland: der hatte nebenbei auch noch eine Schlachterei.

Willy: Gab es damals noch so, gell?

Roland: Ja, ganz verrückt. Das hat mich immer interessiert. Da bin ich immer als kleiner Junge hin.

Roland: Und wenn ich so die Schule aus hatte, nach Hause, den Ransen in die Ecke, und dann bin ich

Roland: in diese Firma da und habe dann da im Bauernhof geholfen, die Tiere füttern

Roland: und dann, wenn dann Schlachtezeit, das war meistens Dienstags und Freitags,

Roland: Dienstag Schweine und Freitags Rindvieh geschlachtet und da war ich immer dabei.

Roland: Da bin ich so als kleiner Stoppen hier, so zwischen den

Roland: da rumgelaufen und habe das gemacht und habe da geholfen und habe da geholfen.

Roland: Dann durftest du auch mal ein Messer in die Hand nehmen, durfst du hier mal

Roland: von dem Rind ein Bein abschneiden, wenn das da so lag.

Roland: Also die Füße, klingt jetzt alles brutal, aber ist einfach so.

Willy: War es für dich brutal?

Roland: Nein.

Willy: Was hat dich so fasziniert? Was hat dich an diesem Bauernhof,

Willy: an dieser Schlachterei so angezogen? War es die Verarbeitung?

Willy: Waren es die Tiere selbst?

Roland: Keine Ahnung, das ist so in mir drin. Ich wollte schon immer arbeiten.

Willy: Die Arbeit hatte ich angezogen.

Roland: Ich hatte für Schulen nicht viel übrig. Ich musste machen, ganz klar.

Willy: Typischer Unternehmer bist du, draußen aus der Schule rein ins Wörter.

Roland: Aber ich war froh, wenn ich dann draußen war und konnte mich dann entfalten.

Roland: Ich war natürlich nicht jeden Tag da. Ich hatte auch meine Kumpels.

Roland: Wir waren in Gruppe. Dann haben wir viel unternommen, klar.

Roland: Aber sagen wir mal,

Roland: 60, 70 Prozent war ich eigentlich da aufgewachsen.

Roland: Meine Mutter hatte auch sehr guten Kontakt zu der Familie und da hat er es verstanden.

Roland: Ich habe auch manchmal da geschlafen.

Roland: Oder ich bin dann auch als kleiner Bub, so mit 10, 11, 12, das Fleisch wurde

Roland: ja dann auch nicht jetzt in dem Laden verkauft.

Roland: Die hatten ja gar keinen Laden mehr in dem Sinn. Die hatten sie früher gehabt.

Roland: Ja, da war ich aber noch gar nicht auf der Welt.

Roland: Sondern die haben eine Großschlacht Schlachterei, das war eine Großschlachterei

Roland: eigentlich und haben das Fleisch dann nach Frankfurt gebracht auf den Schlachthof da,

Willy: Auf den Viehmarkt da.

Roland: Und das wurde dann da gekauft und da durfte ich dann öfters mitfahren in dem LKW.

Roland: Und das hat mich schon alles fasziniert, weil das durften meine Kumpels nicht

Roland: oder die haben nicht so...

Willy: Ah, da hast du denen was vorauskommt quasi.

Roland: Oder? Ja, so ungefähr. Aber wenn ich heute drüber nachdenke,

Roland: ist ja dann genauso wie heute.

Roland: Ich war ja jetzt wieder in Deutschland und war ja auch dann,

Roland: ja Roland, da sind immer noch viele, die fragen, was machst du eigentlich?

Roland: Und ich habe mir das jetzt angewöhnt,

Roland: meinem Telefon Videos und alles zu zeigen. Das sind die perplex.

Roland: Wie, das kannst du doch alles gar nicht gemacht haben.

Willy: Das ist der Vorteil, dass wir heute Kamera und Mikros dabei haben.

Willy: Nächstes Mal, wenn du dich fragen, gibst du einfach den Podcast,

Willy: das sollten wir abonnieren natürlich, und dann können wir deine Folge anhören.

Willy: Da sind alle Fragen beantwortet.

Roland: Naja, das jetzt nur kurz dazu. Und ja, das hat sich so, also ich habe da so

Roland: viel gelernt in der Zeit, bevor ich in die Lehre ging.

Roland: Ich habe da keine Lehre gemacht, weil die haben ja, die haben nicht ausgebildet.

Roland: Weil als Auszubildender muss ich ja auch Wurst machen können.

Roland: Und die haben aber nur geschlachtet.

Roland: Ah. Und da gibt es eine Story, dass, ich war jetzt zwölf Jahre alt.

Roland: Und das war also die, für mich war das die Tante Rosi und der Onkel Willi. Willi.

Willy: Ah, schön. Ja, da habe ich schon viel Bezug, gell?

Roland: Das war einfach so für mich.

Roland: Diese Leute, da war ich jetzt auch wieder gewesen, wo ich jetzt Deutscher war.

Roland: Die Tante Rosi, jetzt nochmal ganz kurz dazu, die Tante Rosi war früher Nachhilfeunterrichtslehrerin.

Roland: Die hat also in Deutsch, Englisch, Französisch, Mathematik, in vielen Sachen hat die unterrichtet.

Roland: Und mein Sohn, der kann Deutsch, aber der hat Probleme mit dem Schreiben und mit dem Lesen.

Roland: Und das macht sie jetzt, jeden Tag mit ihm, von 6 Uhr abends bis 8 Uhr abends.

Roland: Also es ist eine richtig lange, lange Traditionsgeschichte.

Willy: Also ihr habt euch wirklich gefunden.

Roland: Also für die bin ich ja sowieso der Sohn. Und...

Roland: wollte ich jetzt noch mal hin.

Willy: Ja, genau.

Roland: Da war ich, ich habe so viel gelernt, da schon vor meiner Lehrzeit, Ausbildungszeit.

Roland: Ich war zwölf Jahre alt, das weiß ich ganz genau. Da sagt der Onkel Willi,

Roland: Roland, wann kommst du morgen aus der Schule? Ich sage, wahrscheinlich um zwölf.

Roland: Ja, ich muss morgen da und da hinfahren und muss Rindvieh holen,

Roland: also weiter wegfahren. Ich muss aber auch ein Stück Vieh schlachten.

Roland: Es müsste ein Stück Vieh geschlachtet werden. Ich kann das nicht machen,

Roland: weil ich nicht da bin. Würdest du das machen?

Roland: Wenn die Tante Rosi mir beim Schießen hilft, dann mache ich den Rest alleine.

Roland: Ich war zwölf Jahre alt. Ob du es mir glaubst oder nicht.

Roland: Die Tante Rosi hat mir geholfen beim Schießen.

Roland: Und den Rest habe ich alleine gemacht. Selbst das Aufhacken war sehr schwer

Roland: für mich. Mit zwölf Jahren bist du rausgewachsen.

Roland: Mit dem Spalter und dann hackst du da.

Roland: Und habe das alles selber gemacht. Die Haut abgezogen, also den Kopf abgeschnitten,

Roland: die Haut abgezogen. gehalbiert,

Roland: alles selbst gemacht. Der Unge Willi kam abends nach Hause, hat sich das angeschaut,

Willy: Sagt er, jetzt wirst du adoptiert.

Roland: Meister, Meisterstück. Prima. Und dann bin ich mit 14 in die Lehre.

Roland: Und das war der Otter, wo ich jetzt eben erzählt habe, mein ehemaliger Lehrmeister.

Willy: Nein, so hängt es alles zusammen. Der war 5 Kilometer in Ziegenheit.

Roland: 5 Kilometer von uns entfernt. Da habe ich dann meine Lehre gemacht.

Roland: Dann hat er, Am Anfang meiner Lehre hat dann der Geselle vorne die Wurst gemacht

Roland: und ich habe ihnen das Rindfleisch geschlachtet.

Roland: Also die Rinder geschlachtet.

Roland: Somit waren wir ruckzuck fertig mit unserer Arbeit.

Roland: Das war unheimlich super, dass ich schon solche Arbeiten in meiner Jugend leisten

Roland: konnte, um nach vorne zu kommen.

Willy: Also dir hat das einfach Spaß gemacht? Dir hat das wirklich Spaß gemacht?

Roland: Ja, das hat wirklich Spaß gemacht. Und es war ja nicht nur die Fleischerei.

Roland: Wie gesagt, die hatten auch einen großen Bauernhof dabei, wo wir dann im Sommer

Roland: die Ernte gemacht haben, das Heu, das Korn abmahnen und alles,

Roland: was dazugehört. Da war ich auch überall dabei.

Willy: Du hast Landwirtschaft auch gelernt quasi?

Roland: Ich habe eigentlich auch Landwirtschaft gelernt. Nicht jetzt professionell,

Roland: aber ich war überall dabei.

Roland: Auch der Sohn hat die ganze Landwirtschaft jetzt übernommen.

Roland: Der Ralf, mit dem habe ich mich auch jetzt vor zwei Wochen wieder unterhalten. Der ist jetzt 50.

Willy: Der hat jetzt übernommen.

Roland: Der hat das jetzt schon ein bisschen länger übernommen. Ein Arbeitstier hoch drei.

Roland: Seine beiden Jungs, die jetzt auch schon 18, 19 und 20 sind,

Roland: die sind voll mit im Dring.

Roland: die haben 380 Hektar Land zu bearbeiten.

Roland: Das ist der größte Bauernhof in unserem ganzen Kreis da. Was die leisten.

Roland: Das ist ja das, was ich auch beigebracht habe von der Familie. Diese Leistung da.

Roland: Und das fand ich bis heute toll.

Willy: Und die Ausbildung hast du dann auch bei Ihnen abgeschlossen?

Roland: Die Ausbildung habe ich dann fünf Kilometer weiter.

Willy: Beim Ottmar. Beim Ottmar. Beim Ottmar. Okay. Da hast du dir aber abgeschlossen.

Willy: Da habe ich abgeschlossen.

Roland: Genau. Und bin kurz, ich habe noch ein Dreivierteljahr als Geselle gearbeitet

Roland: und dann bin ich zur Bundeswehr.

Willy: Ja.

Roland: Und da habe ich mir gesagt,

Willy: Du hast gesagt zwölf Jahre, ne? Da habe ich zwölf Jahre gemacht.

Roland: Ja. Ja, es ging einfach drum, weil ich hatte mir, ich hatte schon eine eigene

Roland: Wohnung, ich hatte ein eigenes Auto, ich hatte ein eigenes Motorrad. Voll selbstständig.

Roland: Also die Mark damals war ja ein bisschen mehr wert, wie heute das Geld sein soll.

Willy: Für die jüngeren Zuschauer Damals noch D-Mark vor dem Euro.

Roland: Ja, und da konnte ich alles halten. Und jetzt kam die Bundeswehr dazwischen,

Roland: Und dann kriegst du 150, 180 Mark.

Willy: Also Wertdienste hast du dann gemacht.

Roland: Ja, Wertdienst. Ich sage, Leute, mit 180 Mark komme ich nicht weiter.

Roland: Da kann ich mein Auto verkaufen, wo wir dort verkaufen, wo wir Dings aufgeben.

Roland: Was können wir da machen? Da sagt er, verpflichten sie sich.

Roland: Da sage ich, naja, gut, dann verpflichte ich mich.

Roland: Ja, was muss ich denn machen? Da sagt er, hier unterschreiben.

Roland: Da sage ich, das Ding her und dann schreibe ich hier. Da war ich vier Jahre dann verpflichtet.

Willy: Ganz ehrlich, wie lange hast du wirklich drüber nachgedacht?

Roland: Nicht viel lange. Keine Nacht. Das war für mich klar.

Willy: Du hast ja einen Beruf gehabt. Du hast ein Leben gehabt.

Roland: Gut, jetzt lass mal kurz erzählen. Ich...

Roland: Wie gesagt, ich hatte mir das jetzt schon, wie gesagt, eine Wohnung,

Roland: tolles Auto, tolles Motorrad.

Roland: Das konnte ich alles finanzieren, aber mit dem Kleingeld nicht mehr.

Roland: Und das wollte ich aber halten.

Roland: Und dann bei der Bundeswehr, im ersten Monat kriegst du dann 1180 Mark. Damit komme ich klar.

Roland: Aber mit dem nicht. Und deswegen habe ich dann auch noch geschrieben.

Roland: Und während ich bei der Bundeswehr war, ich bin ja dann in die Küche gekommen.

Roland: dann habe ich mir dann habe ich mir aber trotzdem gesagt ach Roland,

Roland: so weißt du, das war alles schön mit der Lehre und mit dem Schlachterei und

Roland: so weiter, aber das willst du eigentlich gar nicht dein Leben lang machen

Roland: habe ich so zu mir gesagt so, dann waren die vier Jahre vorbei und dann die

Roland: vier Jahre gingen so langsam vorbei und dann fragte er

Roland: wollen sie nicht weitermachen? Ja klar, wie geht es weiter?

Roland: Ja hier unterschreiben, acht Jahre und dann acht Jahre, zwölf Jahre

Roland: und da habe ich zwölf Jahre gemacht und das waren Top zwölf Jahre meines Lebens

Roland: bei der Bundeswehr weil die Kaserne war auch in unserem Ort ich musste nicht

Roland: irgendwie nach 300 Kilometer fahren, sondern war in unserem Ort, das fand ich alles

Willy: Erster Bauernhof in die andere Richtung, die Kaserne auf der anderen Seite du

Willy: hast zwar viel gemacht, hast aber nie weit müssen, oder?

Willy: Keine Wurst hast du ein Auto und ein Motorradl brauchst, du hast alles zu Fuß

Willy: machen können Nur Spaß In meiner Zeit.

Roland: Wo ich Motorrad gefahren bin habe ich zwei Motoren kaputt gefahren so sind wir

Roland: rumgereiert so und wie gesagt, dann war ja die Bundeswehr war dann auch so in

Roland: 92 vorbei dann musste ich abgeben

Roland: Muss ich abgehen, weil meine Stelle war ja nur eine Zeitsoldatenstelle.

Roland: Und was ich natürlich auch noch erwähnen wollte, worauf ich natürlich auch stolz

Roland: bin, in den zwölf Jahren, ist ja nicht so, dass du ein kleiner Soldat bleibst.

Roland: Ich habe als kleiner Soldat angefangen und habe mich dann hochgearbeitet als Teilanheizführer.

Roland: Sprich, ich habe da die Hälfte der Küche übernommen.

Roland: Wir waren ja zwei Bataillone in einer Küche und waren dann bis zum Oberfeldwebel gekommen.

Roland: Und das rechne ich mir auch ganz hoch an, weil die Ausbildung da bei der Bundeswehr

Roland: ist auch nicht ganz ohne. so.

Willy: Aber es waren zwölf Jahre Küche.

Roland: Zwölf Jahre in der Küche, ja.

Willy: Das heißt, du weißt, wie Gemeinschaftsgastronomie in großem Stil für auch im

Willy: Katastropheneinsatz auch funktioniert. Da müssen wir gleich eine andere Folge noch dran.

Roland: Ja, so ungefähr. Wir haben jeden Tag für 1500 Soldaten gekocht.

Roland: Und dann immer zwei Menüs mittags. Immer zwei Menüs.

Willy: Ein Veganes wahrscheinlich, oder?

Roland: Das gab es für der Zeit nicht. Ich glaube, da wusste noch keiner,

Roland: was das ist. Gott sei Dank. Und

Roland: Und, äh, ja.

Willy: Bundeswehr, nein, nach den zwölf Jahren Bundeswehr, da war es Oberfeldwebel.

Roland: So, dann bin ich ja...

Willy: Pass auf, ich bin ja dabei, ne?

Roland: Gut, prima, dann bin ich ja, war ja die Zeit zum Abgehen. Ich konnte da,

Roland: die Stelle, die ich hatte, das war keine Zeitzoldatenstelle,

Roland: das war keine Berufssoldatenstelle, sondern eine Zeitzoldatenstelle.

Roland: Nach zwölf Jahren ist vorbei.

Roland: Oder hatte mich dann der Major gefragt, Kastler, wollen Sie denn Berufssoldaten werden?

Roland: So ich, oh, das gefällt mir prima hier, kein Problem, mache ich Berufssoldat. So einfach ist es nicht.

Roland: Auf der Stelle können Sie nicht bleiben. Sie müssten dann weg woanders hin.

Roland: Dann sage ich, Herr Major, wohin denn?

Roland: Vielleicht nach Hamburg, vielleicht nach München.

Willy: Warst du in die Ortschaft verlassen, wo du nie raus musstest?

Roland: Zu der Zeit war ich ja noch verheiratet. Und da habe ich gesagt,

Roland: das macht meine Frau nicht mit, dann lässt sie sie so scheiden.

Roland: Dann ist Feierabend, dann gehe ich lieber.

Willy: Genau, zwischendurch hast du mal geheiratet auch noch, das haben wir ja ganz

Willy: nah vergessen. Das war ja dann in 88.

Roland: Und ja, dann bin ich bei der Bundeswehr ab und kurz danach, also bei der Bundeswehr

Roland: ist es ja noch so, dass wenn du Zeit zu laden wirst, dann hast du nochmal zweieinhalb

Roland: Jahre, kriegst du ja Übergangsgebühren.

Roland: Also du musst nichts arbeiten, du kriegst ja Geld. Das Geld ist ja dafür gedacht,

Roland: dass du eine Ausbildung machst.

Roland: Ich hatte dann auch was im Auge, aber dann wie gesagt, dann fing das mit meiner Scheidung an.

Roland: Und da habe ich den Faden total verloren.

Willy: Hat dich ein bisschen aus dem Konzept gebracht.

Roland: Absolut, absolut. Ich hatte keinen Bock mehr.

Willy: Warum eigentlich? Nach allem, was du bis jetzt erzählt hast,

Willy: mit zwölf Jahren war der Meisterstück schon selbstständig an den Stier zerlegt.

Willy: Alles an dir klingt so ein bisschen hohes Selbstbewusstsein,

Willy: Eigenständigkeit und so weiter.

Willy: Warum hat der Mensch mit dich dann ein Scheidungslosenkonzept gebracht?

Roland: Ich kann das nicht erklären.

Roland: Mentalität, mental, ich weiß es nicht. Es hat mich gut angerissen.

Willy: Weil du gescheitert bist vielleicht. Das kann das sein. Weil du gescheitert bist mit etwas.

Willy: Du hast ja gesagt vorher schon, Du wolltest das ja fertig machen bis zum Ende des Lebens.

Roland: Ja, mein Dasein mit einer Ehe, ich bin ja wieder verheiratet,

Roland: ist da, um meine Familie glücklich zu machen.

Roland: Und das habe ich auch immer wieder versucht. Und dann kommt so etwas dazwischen,

Roland: da ist ein Kartenhaus zusammengebrochen.

Willy: Bist du vorher schon einmal gescheitert?

Willy: Vor der, also so richtig gescheitert?

Roland: Nee, nicht jetzt extrem. Gut, wir hatten alle unsere Freundinnen und da wurde

Roland: Schluss gemacht, naja, dann findest du eine andere Freundin.

Roland: Aber eine Hochzeit ist ja was, eine Heirat ist ja was ganz anderes.

Roland: Nee, eigentlich kann ich mich daran erinnern.

Willy: Also es war eigentlich das erste Mal scheitern in deinem Leben?

Roland: Ja, das war so richtig brutal für mich. Gut, der andere steckt es vielleicht

Roland: besser weg, aber für mich war das halt so. Ich habe keine Perspektiven mehr

Roland: gesehen und habe eigentlich, war ich nur noch zu Hause, habe nichts mehr so weit gemacht und habe

Roland: das Gute war ja, dass ich weiterhin Geld bekommen habe von der Bundesstaat.

Roland: Somit brauchte ich nicht unbedingt arbeiten und konnte meine Zeit halt so totschlagen,

Roland: bis ich dann eigentlich nach Afrika gegangen bin.

Willy: Entschuldige, nur dass ich da ein bisschen nachfrage, weil es geht ja oft so

Willy: Menschen, wenn sie in so einer Krise sind, warst du auch solidarisch,

Willy: so in den Tag hineingelebt, antriebslos oder was? Wie war dein Zustand damals?

Roland: Antriebslos, genau. Genau, was ich sehr viel gemacht habe, ich bin jeden Tag

Roland: sehr viel spazieren gegangen.

Roland: 10 Kilometer, 15 Kilometer, wir haben ja unheimlich viele ländliche Gegend da mit Wald und so weiter.

Willy: Hässer ist wunderschön.

Roland: Wunderschön und da bin ich sehr oft spazieren gegangen und habe so über die

Roland: ganzen Situationen nachgedacht und wie soll es mit der Zukunft weitergehen.

Roland: bis halt der Anruf kam aus Afrika.

Willy: War es der Anruf aus oder der Ruf nach Afrika?

Roland: Der Ottmar ist ja dann...

Willy: Also der hat immer an dich gedacht, der Ottmar, ein bisschen, oder?

Roland: Ja, weil ich noch vergessen hatte. Die Zeit, wo ich ja hier war,

Roland: auf Urlaub, da habe ich zum Ottmar gesagt, Mensch, Kelle, das ist ein tolles

Roland: Land hier, das gefällt mir richtig gut. Hier könnte ich auch leben.

Willy: Das habe ich in der Zeit, wo ich jetzt da war, auch schon ein paar Mal gesagt.

Willy: Das ist ein wirklich wunderschönes Land.

Roland: Ja gut, das war damals wunderschön, das ist jetzt auch wunderschön,

Roland: das ist jetzt anders wunderschön.

Roland: Aber damals, das war noch ein ganz anderes Wunderschön.

Roland: Man muss ja bedenken, zu der Zeit, wo ich hier war, da war Rwanda das viertärmste Land von Afrika.

Roland: Und wir haben 52 Länder hier gehabt.

Roland: Das viertärmste Land. Also die Armut, die hast du hier jeden Tag brutal gesehen.

Roland: Aber trotzdem die Menschen freundlich, lächelnd, einfach auch das Klima.

Roland: Fantastisch. Und das hat mir alles so gefallen.

Roland: Habe ich das dem Ort mal so gesagt? Sagte er, ja, Roland, wenn du hier leben

Roland: willst, dann musst du auch arbeiten.

Roland: Aber ich habe nicht genug Arbeit. So, naja, vielleicht klappt es irgendwann

Roland: mal. So, im Gedanke habe ich das so gesagt. Und dann schauen wir mal.

Roland: Und dann, naja, dann muss man ja wieder nach Deutschland.

Willy: Ich glaube, es ist eine Frage, die sich jetzt vielleicht ein paar stellen.

Willy: was hat denn den Atmar damals nach Ruanda geführt?

Willy: Nur so als kurzer Seitenschritt.

Roland: Ja, ich hatte ja, wie gesagt, bei ihm gearbeitet und er hatte dann seinen Laden,

Roland: der hatte ihn neu gebaut, aber der hat sein Haus so umgebaut,

Roland: doch, der hat seinen Laden so umgebaut und hat sich da übernommen mit der Bank.

Roland: Der hatte mir das mal ganz am Rand erzählt, dass die Bange ihn da total über den Tisch gezogen hat.

Roland: Der hat sich also den Hintern aufgerissen bis zum Gehtnimmer,

Roland: aber es hat alles nichts mehr und dann muss der Konkurs machen.

Roland: Und dann war der fertig.

Willy: Das ist quasi auch eine Scheidung vom Unternehmen.

Roland: Der war ja auch verheiratet und hatte zwei Kinder.

Roland: Aber der war sehr clever. Der war auch mein Berufsschullehrer.

Roland: Nicht nur mein Auszubildender in der Firma, sondern auch mein Berufsschullehrer.

Willy: Und Mentor wahrscheinlich auch ein bisschen.

Roland: Oder? Und Mentor, ja, ja, ja. Und dann hat sich das ergeben,

Roland: dass sie jemanden gesucht haben in Ruanda, der da so eine Fleischerei evaluiert.

Roland: Und da hat er sich gemeldet, hat das sofort bekommen.

Willy: Wer sucht das und wo findet man das bitte?

Roland: Ach du, ich meine, damals gab es das alles noch nicht, aber es gab ja jede Zeitung,

Roland: Stellenanzeigen und alles.

Willy: Für Ruanda, ich stelle mir das gerade so, ja, exotisch, aber man findet und man muss sich es trauen.

Roland: Ich kann mir das nicht beantworten, weil ich wusste, wenn man das nicht ZIM

Roland: gibt. Es gibt ja auch damals schon DED, Deutscher Entwicklungsdienst,

Roland: heißt ja heute auch ganz anders so. Das gab es ja alles so.

Willy: Gibt es?

Roland: Heute ist ja Deutsche...

Willy: Jetzt wollte ich mal gerade sagen, Gesellschaft? Nein.

Roland: GIZ, ja, Gesellschaft Internationale Zusammenarbeit. Haben sie alles zusammen

Roland: umgeschmissen. Da war ja noch der DED, Deutscher Entwicklungsdienst.

Roland: Das haben sie alles zusammen gemacht und haben dann Kids draus gemacht.

Roland: Das kannte ich ja vorher gar nicht, ob es sowas überhaupt gibt in der Welt.

Roland: Man hat sich auch nicht dafür interessiert.

Roland: Aber Ottmar hat vielleicht die richtigen Zeitungen aufgeschlagen oder wie auch

Roland: immer. Auf jeden Fall hat er den Job gekriegt.

Roland: Der wurde auch gut bezahlt. Damals mit 5.000 Mark. Das war ja richtig Kohle damals.

Willy: Das sind wahrscheinlich heute 5.000 Euro, aber mit der Inflation mit.

Roland: Ich denke mal, eigentlich mehr so. Eigentlich mehr.

Roland: Und dann hat er den Job angenommen und dann hat er das Ding aufgebaut. Naja, und dann

Willy: War er da.

Roland: Dann war er das, ja.

Willy: Genau, und irgendwann später hat er sich dann gedacht, es gibt ja da in Hessen

Willy: noch einen, den habe ich gepfragt, den habe ich geformt, den kenne ich,

Willy: oder? Und den rufe ich jetzt.

Roland: Wie gesagt, er ist ja dann so ein paar Monate nach dem Krieg wieder hierher.

Roland: Und dann haben sie natürlich alles, was nicht nid- und nagelfest war, geklaut.

Roland: Die schweren Maschinen natürlich nicht, aber alles, was so mitzunehmen war, haben sie geklaut.

Roland: Und dann musste er von unten wieder anfangen. Hat natürlich dann auch finanzielle

Roland: Mittel gekriegt, damit er da schneller anfangen kann oder sich schneller vorbewegen kann.

Roland: Und das hat ganz gut geklappt. Und dann hat er so viel Arbeit gehabt,

Roland: dass er gesagt hat, Mensch, ich könnte da jemanden gebrauchen,

Roland: wo ich weiß, der kann das auch. Und dann hat er mich angerufen.

Roland: und dann habe ich gesagt, okay Ottmar, in zwei Wochen bin ich da

Willy: Zwei Wochen hast du dir.

Roland: Gegeben ich habe mein Auto verkauft, habe mein Apartment aufgelöst,

Willy: Motorrad hat es keines mehr nee.

Roland: Motorrad, das hatte ich ja schon längst nicht mehr, das habe ich ja gegen Kinderwagen eingetauscht

Roland: und dann bin ich hierher

Roland: Und ich war ja, wie gesagt, schon die zwei Monate hier, das war ganz toll,

Roland: aber ich weiß noch ganz genau, wo er mich am Flughafen abgeholt hat und wir sind hierher gefahren.

Roland: Und dann sagte ich so, Mensch, warte mal, ich soll ja jetzt hier für dich arbeiten,

Roland: das ist ja auch toll, ich freue mich ja auch drauf.

Roland: Aber ich muss ja mit vielen Schwarzen zusammenarbeiten hier und ich weiß gar

Roland: nicht, wie soll ich mich denn da verhalten?

Roland: Ich sagte, weißt du was, Roland, zeig denen einfach, was du kannst und dann

Roland: bist du voll akzeptiert.

Roland: Und das habe ich gemacht. Und dann war ich der, ich sage einfach mal,

Roland: da war ich der Boss. Fertig.

Willy: Also wie kann ich mir das damals vorstellen? Du hast ja vorher gesagt,

Willy: Ruanda vorgehen sieht, voran und nachgehen sieht, zwei verschiedene Länder,

Willy: es ist ein unglaublich grünes Land, das Land hat tausend Hügeln,

Willy: es geht bergauf, bergab.

Willy: Du hast vorher schon gesagt, unglaublich freundliche Menschen,

Willy: heute auch wieder unglaublich freundliche Menschen.

Willy: Also dass da sowas überhaupt stattgefunden hat, wir reden nicht über Geht-O-Z,

Willy: aber dass sowas wie das überhaupt stattgefunden hat, unvorstellbar bei so vielen

Willy: lieben Menschen eigentlich.

Willy: Du bist dann gekommen, wie war das? Also wie war dieses erste Zusammenarbeiten mit den Ruandesen?

Willy: Diese interkulturellen Dinge, die da aufeinander geprasselt sind.

Roland: Das war eigentlich gar nicht so schwer, weil viele von denen,

Roland: die haben Gott sei Dank den Genocid überlebt und waren ja dann noch beim Ottmar.

Roland: Und die kannte ich ja dann auch. Nur ich hatte mit denen ja nicht zusammengearbeitet.

Roland: Aber jetzt arbeite ich mit denen und das war alles dann viel einfacher,

Roland: aber trotzdem fand ich es für den Anfang trotzdem schwer, weil jetzt muss ich

Roland: am Tisch stehen, ich tue Fleisch ausbeinen, ich mache Wurst mit denen und das

Roland: ist dann schon eine andere Sache.

Roland: Aber das hat alles wunderbar geklappt, das ging alles leicht von der Hand, also das war okay.

Roland: Und mit dem Land selber, wir sind ja dann sehr oft, Ottmar und ich,

Roland: in den Akragera-Park gefahren.

Roland: Da gab es allerdings nicht mehr viel zu sehen, weil die haben ja die Tiere alle

Roland: weggeschlachtet und aufgefressen.

Roland: Aber um uns so das Wochenende zu vertreiben, das war ja damals nicht so wie

Roland: heute, dass wir praktisch sieben Tage durcharbeiten.

Roland: Sondern wir haben am Samstag um 1 Uhr den Laden zugemacht und Montagmorgen um

Roland: 6 Uhr wieder aufgemacht. Somit haben wir dann Wochenende gehabt,

Roland: wo ich sagen kann, um 2 Uhr fahren wir dann in den Agrargererpark,

Roland: vergnügen uns da gemütlich, essen da schön und am Sonntagabend fahren wir wieder zurück.

Roland: Und dann hast du dann auch ein bisschen was vom Land gesehen.

Roland: Aber ansonsten, zu der Zeit habe ich nicht sehr viel vom Land gesehen,

Roland: weil ich einfach nur am Arbeiten war. Schon wieder.

Willy: Also egal, wo du hin bist, du einfach immer arbeiten.

Roland: Ja, aber das hat sich natürlich geändert, wo ich dann selbstständig geworden

Roland: bin, weil ich einfach, so wie jetzt auch, Freizeit, Das ist eigentlich meine

Roland: Freizeit, wenn ich jetzt hier sitze.

Roland: Ich bin zwar in meinem Geschäft, aber ich brauche in dem Sinne nichts mehr zu

Roland: tun, weil ich auch in den Jahren, wo ich angefangen habe, mein Geschäft aufzubauen,

Roland: war ich eine Kreisnervtsäge.

Roland: Also ich bin rumgeflitzt wie ein Verrückter, damit ja alles läuft.

Roland: Und ich kann mich nur daran erinnern. Allerdings muss ich sagen, das war nicht hier.

Roland: Hier bin ich jetzt seit elf Jahren. Ich war vorher zehn Jahre in einem anderen

Roland: Laden mit meiner Fleischerei.

Roland: Das ist das Lager Lett. Das ist auch hier 800 Meter entfernt. Da war ich drin.

Roland: Das war ja früher ein Supermarkt, eine Bäckerei und ein Restaurant.

Roland: Und ich war mit meiner Fleischerei da drin.

Roland: Und jetzt war ich ja nicht nur zuständig für meine Fleischerei,

Roland: sondern ich habe mich gefühlt, ich war ja mit einem Partner zusammen,

Roland: Mike hieß der, der ist verstorben, so dass wir uns beide um den Gesamten gekümmert haben.

Roland: Und immer wenn die irgendwelche Miss gebaut haben, da bin ich halt auch eingesprungen

Roland: und gesagt, hier so geht das nicht oder wenn irgendwas nicht richtig lief, so geht das nicht.

Roland: Ich habe mich um die Autos auch gekümmert, deswegen sah ich ja auch die ganzen

Roland: Mercedes-Ersatzteile da, die habe ich besorgt. Also wir waren ein tolles Team.

Roland: Aber ich habe gemerkt, dass es ganz schön an meiner Substanz kratzt,

Roland: wenn ich mich so reinsteigere und am Ende des Tages bringt es gar nichts.

Roland: Weil außer Nerven, die du verloren hast, hast du nichts erreicht.

Roland: Dann habe ich mir gesagt, du musst ruhiger werden, du musst die Sache anders anpacken.

Roland: Die Leute müssen so ausgebildet sein, dass du da bist, aber die arbeiten dann

Roland: auch alle ganz normal, so wie jetzt hier auch, ohne dass du ständig da auf die

Roland: Finger guckst, was ist hier, was ist da.

Roland: Es gab eine Situation in der Flaschereitern, da war ich mit meiner Frau schon

Roland: zusammen, allerdings nur als Freundin, noch nicht verheiratet.

Roland: Und da habe ich so einen

Roland: Ich weiß, ob es ein Herzinfarkt war. Ich glaube nicht. Aber ich bin zusammengebrochen.

Roland: Weil ich mich, ich hatte mich aufgeregt über irgendwas, ich weiß nicht mehr

Roland: genau, über was. Ich hatte mich dermaßen aufgeregt, dass ich alles zusammen geschrien habe.

Roland: Und dann bin ich umgefallen. Gott sei Dank war meine Frau mit dem Auto da und

Roland: die hat mich gleich ins Krankenhaus gebracht.

Roland: Und dann haben sie mich auf den Tisch gelegt und haben mich dann untersucht

Roland: mit allen Geräten, bla bla bla. Konnten gar nicht feststellen,

Roland: was ich hatte. Und nach einer Stunde war ich wieder okay.

Roland: Da habe ich gesagt, so kann es nicht weitergehen.

Roland: Dann habe ich, es hat auch ein paar Jahre gedauert, darauf hingearbeitet,

Roland: dass sie gesagt hat, du musst ruhiger werden. du musst wirklich ruhiger werden.

Roland: Und das habe ich hingekriegt.

Willy: An das Alter und an das Stresslevel hast du dich ein bisschen adaptieren müssen.

Willy: Jetzt erzähl einmal, du hast dir

Willy: gesagt, du hast dich dann selbstständig gemacht. Fangen wir mal dort an.

Willy: Du warst das erste Tag, hast den Atmer geholfen, nach zwei Monaten bist du wieder zurück.

Willy: Und wie hat sich das dann zu deiner Selbstständigkeit hin entwickelt?

Willy: Was war der Auslöser, dass du gesagt hast, ich arbeite nicht mehr mit dem Atmer.

Willy: Wie war das damals? Hast du ihm das gesagt? War das für ihn okay?

Willy: Und ich mache mich jetzt selbstständig. Wie war das?

Roland: Gut. Ja, das ist so eine Story.

Roland: wo ich beim Ottmar war, wir waren ja auch ein gutes Team, da war eine Sekretärin,

Roland: da war seine Sekretärin.

Roland: Und diese Person geglaubt, sie wäre jetzt die Chefin.

Roland: Und hat mir ständig Probleme gemacht.

Roland: Weil ich war auch zu der Zeit für das Personal verantwortlich,

Roland: für meine Jungs in der Produktion, in dem Laden, war ich für verantwortlich.

Roland: Wann die Urlaub kriegen oder wenn die mal irgendwas braucht oder irgendwas,

Roland: ich war verantwortlich für die. Das hat ja überhaupt nicht gepasst.

Roland: Ich habe ständig mit der Person Probleme gekriegt.

Roland: Und die hat auch versucht, wenn ich im Urlaub war, meine Leute rauszuschmeißen

Roland: und durch ihre Leute aus der Familie zu ersetzen.

Roland: Und dann habe ich zu meinen Leuten gesagt, das geht nicht. Wenn die was von

Roland: euch will, gar nicht darauf reagieren, erzählt mir das.

Roland: Naja, das hat sich aber so hoch geschaukelt, irgendwann mal,

Roland: dass da eine Situation war, die war richtig katastrophal.

Roland: und da habe ich also zum Ottmar gesagt, also Ottmar, so geht es nicht weiter,

Roland: ich brauche meine Kraft zum Arbeiten und nicht hier mich mit dieser Person da rumzanken.

Roland: Also entweder verschwindet die jetzt, das war dann so in 99.

Willy: Sie oder ich?

Roland: Sie oder ich, ja.

Roland: Und damit hatte ich nicht gerechnet und da hatte gesagt, ja dann Roland,

Roland: dann musst du gehen. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, aber ich habe es gesagt.

Willy: Also so der Schritt in die Selbstständigkeit war, wir müssen das ja gar nicht

Willy: weiter vertiefen. Der Schritt in die Selbstständigkeit war nicht unbedingt ein

Willy: Freiwilliger, sondern so mit einem leichten Arschstritt.

Roland: Nein, nein, da noch nicht. Warte,

Roland: warte, da noch nicht. Und dann habe ich gesagt, okay, dann gehe ich.

Roland: Dann bin ich aber noch drei Monate geblieben und Ende 1999 bin ich dann wieder nach Deutschland.

Willy: Ah, zurück, ja.

Roland: So, ja.

Roland: Und dieses, wo ich eben erzählt habe, dieses La Galette, gab es ja zu der Zeit schon.

Roland: Wenn wir abends um sieben oder um sechs unseren Laden zugemacht haben,

Roland: sind wir meistens runter zum La Galette, haben uns auf den Stammtisch gesetzt,

Roland: haben ein Bierchen getrunken oder haben uns dann gequasselt.

Roland: Also es war dann richtig familiär.

Roland: Und zwischen dem Mike von La Galette und dem Ottmar gab es so eine Vereinbarung.

Roland: Der Mike hatte keine Fleischerei und der Ottmar hatte keine Bäckerei. Und dann war das okay.

Roland: Das war so eine stille Vereinbarung.

Willy: Der Mike, der dann dein Partner war.

Roland: Der dann jetzt die letzten, also dann 10 Jahre mein Partner war, so ungefähr.

Roland: Wenn du keine Fleischerei aufmachst, mache ich keine Bäckerei auf.

Roland: Wenn du eine Bäckerei aufmachst, mache ich auch eine Fleischerei auf. So lief das dann.

Roland: So, und dann fing Ottmar an und machte eine Bäckerei auf.

Roland: So, und dann rief Mike mich an, sagt, Mensch Roland, ich will eine Fleischerei

Roland: aufmachen bei mir im Laden.

Roland: willst du den nicht machen? Weil er wusste ja, was ich kann.

Roland: Ja, ist okay. Gut, dann lass mich mal kommen, will mir das mal anschauen.

Roland: Und dann bin ich hier runtergeflogen, habe mir das zwei Monate lang angeschaut,

Roland: das ganze System in seinem Laden.

Willy: In der Bäckerei? Bitte? In der Bäckerei noch?

Roland: Ja, in dem ganzen Laden. Und dann habe ich gesagt, okay, machen wir so.

Roland: Dann hat er mir natürlich, das war ein ganz guter Vertrag, hat er gesagt,

Roland: ich investiere in das Ganze, du machst das und die ganze Fleischerei läuft auf

Roland: dich. Und wenn man nach zwei Jahren...

Roland: ungefähr so den Zeitrahmen, zwei Jahre, meine ganze Investition zurück habe, dann machen wir 50-50.

Roland: 50% du, 50% ich.

Willy: Anteile am Unternehmen.

Roland: Sag ich, das ist ein super Vertrag, machen wir so. Dann sind wir nach Deutschland

Roland: gefahren, haben die ganzen Maschinen eingekauft.

Willy: Also aus Deutschland Maschinen gekauft?

Roland: Ja, ja, ja. Der hat ja keine Ahnung gehabt. Der Mike war ja Kaufmann.

Roland: Der hat ja von sowas keine Ahnung gehabt.

Roland: Und dann haben wir die ganzen Maschinen gekauft und dann haben wir die mit dem

Roland: Flieger hier runtergebracht. Das war ja irre, das kostet irre viel Geld,

Roland: weil das ist ja Gewicht und so.

Roland: Dann habe ich ihm gesagt, Mensch Mike, das ist der Wahnsinn.

Roland: Das ist so ein Container, das kostet so viel Geld.

Roland: Der Roland, du musst alles da rechnen. Wenn man die im Flieger hier runterbringt,

Roland: das dauert, ich sage jetzt einfach mal eine Woche, mit dem ganzen Einladen,

Roland: Ausladen, bla bla bla, Zoll und so, eine Woche, dann können wir nach 10 Tagen

Roland: anfangen zu produzieren.

Roland: Wenn man die im Container, das dauert zweieinhalb Monate, Und das Geld, was wir dann ab den 10.

Roland: Tag bis zu den 2,5 Monaten schon verdient haben, das ist fünfmal mehr,

Roland: als wenn wir so einen Container gehören. Hast du recht, ja.

Roland: So rechnen konnte ich noch nicht.

Roland: Gut, ich meine, er musste das alles bezahlen, hat er ja auch gemacht.

Roland: Und dann haben wir angefangen, da habe ich meine erste Wurst produziert am 14. April 2005.

Roland: Vier.

Willy: Am 14. April 2004.

Roland: Meine erste Wurst produziert.

Willy: Was war's für eine Wurst?

Roland: Verkauft.

Willy: Welche Wurst war das?

Roland: Bratwurst.

Willy: Eine Bratwurst.

Roland: Bratwurst, ja. Und dann ging es immer so weiter. Und naja, dann war ich natürlich

Roland: kein guter Freund mehr für Ottmar.

Willy: Das haben wir doch, ihr habt ja so ein Dreiergespann gehabt,

Willy: oder? Ottmar gegen Ottmar gegen Mike, Mike gegen Ottmar, du mit Mike gegen Ottmar.

Roland: Ja, das war so ein bisschen kompliziert.

Willy: Wie ist dir dann gegangen, emotional damit? Den alten Mentor ein bisschen verloren.

Roland: Oder? Ich habe einfach abgeschaltet und gesagt, konzentriere dich auf deine

Roland: Arbeit. Das sind ein paar Sachen.

Willy: Ja, das musst du nicht alles ausbreiten. Wir sind kein Klatsch-und-Kratsch-Sender oder sowas.

Willy: Aber wie ist dir dann emotional gegangen mit dem? Das würde mich eher interessieren,

Willy: weil das ist im Prinzip, du hast einen großen Freund und Mentor gehabt,

Willy: der dich dein Leben lang begleitet hat. Den hast du vor allem verloren.

Willy: Hast zum Glück quasi einen neuen, ein bisschen gefunden. Aber das ist doch irgendwie,

Willy: wir waren ja mal ein Freund in Stich. Das ist ja ein Vertrauensverlust eigentlich, oder?

Willy: Wie geht man mit, das ist das, was mir mehr interessiert, jetzt nicht was passiert

Willy: ist, sondern wie geht man dann damit um, wann Vertrauen auf einmal so verletzt

Willy: wird? Kriegt man das wieder dann im Neuen?

Roland: Gegen Mike? Ich sage es mal so, in der Zeit, wo ich bei Wortmar gearbeitet habe,

Roland: Ich war vielleicht anderthalb Jahre, da sagte Ottmar zu mir,

Roland: Mensch Roland, ich sehe, du machst das richtig gut.

Roland: Das gefällt mir richtig gut. Ich bin jetzt, wie alt war Ottmar da zu der Zeit,

Roland: lass mich jetzt lügen, 58 oder so um den Dreh.

Roland: Ich will ja auch nicht ewig hierbleiben. Ich habe ja die Familie in Deutschland,

Roland: ich will ja auch irgendwann wieder zurück nach Deutschland.

Roland: und wenn es soweit ist, habe ich geplant, dann übergebe ich hier den ganzen Laden

Roland: und dann die finanziellen Angelegenheiten, weil es wurden ja auch Gewinne daraus

Roland: erzeugt, die schickst du mir dann nach Deutschland und wie das alles so ist

Roland: und das hatte mich unheimlich stolz gemacht.

Roland: Wahnsinn, unheimlich stolz hat mich das. Weil, das war ja auch noch,

Roland: jetzt noch ein bisschen weiter zurück, wo ich gekommen bin, Ende

Roland: Mitte 1995 bin ich gekommen, da war ich drei Wochen hier und da sagte Ottmar

Roland: zu mir, ich fliege jetzt erst mal nach Deutschland und mache Urlaub zurück,

Roland: das ist okay. Da habe ich gedacht, er kommt in zwei Wochen wieder.

Roland: Der war drei Monate in Deutschland. Und ich allein hier.

Roland: Ich habe noch nie so einen Laden geführt. Meine sprachlichen Kenntnisse waren null. Also ganz mies.

Willy: Deutsche und Hände und Füße, oder?

Roland: Ja, eigentlich nur Deutsch und dann so ein paar Brocken Englisch.

Roland: Und da lässt er mich hier für drei Monate allein.

Roland: Aber ich habe es gemeistert. Da kann man richtig sagen, ins kalte Wasser gesprungen

Roland: und sehe zu, wie er klar kommt.

Willy: Du hast den Stier verarbeitet. Meisterstück.

Roland: Ich habe das alles wunderbar hingekriegt. Klar, wir haben uns ja jeden Samstag

Roland: über, zu der Zeit gab es ja nur...

Willy: Es gab nichts von dem Ganzen, was es heute im Bereich gibt.

Roland: Es gab ein Telefon, klar. Und dann, was gab es noch? Fax gab es noch.

Willy: Fax, wunderbar.

Roland: Ich habe dann immer die ganzen Berichte nach Deutschland gefaxt,

Roland: was wir alles gemacht haben und so weiter und hin und her.

Roland: Und dann hat er immer das gelesen und rief mich an. Corona, machst du ja toll,

Roland: prima. Ist das wirklich alles so? Und dann sage ich, ja klar, ist das alles so.

Roland: Und das macht mich ja auch schuld. weil ich habe noch nicht so einen Laden geführt

Roland: war ja auch nur ein normaler Mitzker so normaler Mitzker

Roland: und dann so das war das jetzt das eine und jetzt kommen wir nochmal dazu eigentlich

Roland: die Entlassung ich habe gesagt, entweder verschwindet die oder ich gehe

Willy: Das war alles dann schon, wann war das? Jahreszeit ungefähr?

Roland: Das war 1999

Roland: und dann Dann fühlte ich mich fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.

Roland: Das habe ich mir nicht verziehen.

Willy: Jetzt hast du mir nicht verziehen.

Roland: Weil das, was ich alles gemacht habe, war mit einem Schlag weg.

Roland: Da gingen Emotionen in mir runter. Roland, wie sieht jetzt deine Zukunft aus? Was machst du jetzt?

Willy: Zorn, Angst, Wut? Mehr Angst.

Roland: Mehr Angst und ein bisschen Wut dabei. Weil du bist jetzt entlassen.

Roland: Du bist in Afrika. Was machst du jetzt hier?

Willy: Du bist nicht irgendwo in Hessen.

Roland: Und die große Kohle habe ich auch nicht verdient. Wir haben uns damals geeinigt.

Roland: Ich wollte eigentlich nur aus Deutschland weg.

Roland: Großes Geld verdienen. war mein Ding.

Willy: Ist dir das eigentlich gelungen, aus Deutschland weg die Scheidung zu vergessen?

Willy: Weil das war ja im Prinzip der Antrieb.

Roland: Das wollte ich auch noch sagen, wo ich die zwei Monate hier war.

Willy: Das war wie neu.

Roland: Wirklich wie neu. Absolut. Ich habe an die Situation nicht gedacht.

Roland: Ich war wie neu. Das war richtig gut. Und deswegen war das auch so ein Punkt,

Roland: wo ich gesagt habe, hier könnte ich auch leben.

Roland: Mit der neuen Erkenntnisse, die du hier alle aufnimmst, könntest du hier auch leben.

Willy: Also an alle frisch geschiedenen wenn dich weiblich Exit-Strategie Afrika hat

Willy: sich zumindest bei dir entabliert.

Roland: Kommt alle zu mir.

Willy: Okay. Also zumindest das hat funktioniert schön.

Roland: Das hat funktioniert, richtig. Ja. Und

Roland: Okay, er hatte mir natürlich auch ein Angebot gemacht, wo er mitgerichtet hat,

Roland: dass der Maik mich kontaktiert hat.

Willy: Ja, das hat er schon.

Roland: Aber dieses Angebot war nicht annähernd, nicht annähernd so als das Angebot von Maik.

Roland: Und die Sprache in diesem Angebot, so friss oder stirb, so wie das rübergebracht

Roland: worden ist. Nicht so, hier, ich mache ein tolles Angebot, dies und das,

Roland: nein, das mache ich ja und das kriegst du von mir und da und und und.

Willy: Weißt du, was passiert eigentlich? Eigentlich ist es egal, aber es ist immer

Willy: wieder faszinierend, wenn Menschen nach so langer Zeit auf einmal ganz andere,

Willy: sich so wandeln, in kurzer Zeit sich einfach so wandeln,

Willy: ich verstehe es auch nicht, das sind so die Mysterien des Lebens,

Willy: glaube ich, die man nie verstehen will.

Roland: Ja, ich denke mal, da hat er dann gemerkt, wenn ich jetzt zum Mai gehe,

Roland: Er wusste ja, was ich kann. Und dann könnte ich Konkurrenz sein.

Willy: Aber das ist doch so schön, das ist ja auch Leben. Hast du eigentlich das Gefühl

Willy: gehabt, dass der Mike mit dir arbeitet oder dass du so ein bisschen die Waffe

Willy: des Mikes gegen deinen früheren Mentor warst?

Roland: Das war's.

Willy: Also dass Mike dir das Angebot gemacht hat, um ihm was auszuwischen?

Roland: Nein, nein, nein.

Willy: Also das Gefühl hast du nie gehabt. Mike könnte ja so die Vermutung auch ein

Willy: bisschen in der Hand stellen.

Roland: Nein, nein.

Roland: Mike ist Geschäftsmann.

Willy: Ja, haust du zurück.

Roland: Nein, das ist nicht die Mentalität von Mike. Ich und Mike, wir haben top Zusammengegangen.

Roland: Das war ein super tolles Verhältnis.

Roland: Okay, vergiss mal das eine jetzt, denn jetzt gehen wir einfach mal weiter.

Roland: Das war ein super tolles Verhältnis. Aber jetzt, ich war nicht ewig und Mike zusammen, sondern...

Roland: Warum ich bei Maik weg bin, genau die gleichen Probleme wie bei Ottmar.

Willy: Ach, du bist denn...

Roland: Er war aber schon verheiratet aus Madagaskar.

Roland: Ich kam mir der immer jahrelang wunderbar klar. Auf einmal kommt die an und

Roland: so und dann transaliert mich.

Roland: Spend rum, ich weiß ja, was los ist. Bis er irgendwann ankam und sagt,

Roland: ich könnte jetzt gehen, wir brauchen dich nicht mehr.

Willy: Nach Jahren der Arbeit wieder?

Roland: Ja.

Willy: Okay.

Roland: Gut, das Ganze, ich will das jetzt alles vor der Kamera erzählen.

Roland: Das ist unheimlich brutal, was da alles noch vorgefallen ist.

Roland: Aber das hat auch noch vor Gericht geendet. Das ging noch bis vor Gericht und so weiter.

Roland: Und da habe ich zu Mike gesagt, weißt du was, ich mache mich jetzt selbstständig.

Roland: Da habe ich den Platz hier gefunden.

Willy: Wo wir hier sitzen. Das war wann?

Roland: Das war 2014.

Willy: 2014?

Roland: Das war Sommer 2014.

Willy: Okay, also wenn wir das so ein bisschen zusammenlaufen, dann gehen wir ein bisschen

Willy: auf das Metzgerhandwerk ein, weil das ist das, was mich dann wirklich sehr, sehr interessiert.

Willy: Das sind die Unterschiede. Das heißt, du hast über zwei schwierige Anläufe,

Willy: der Anfang schön wird, dann sehr schwierig, erst dann im dritten Anlauf zu deiner

Willy: Selbstständigkeit geführt, wo du heute hier sitzt.

Willy: Du bist noch immer da, wir sitzen hier in Kingali.

Willy: Also offensichtlich hat es funktioniert.

Willy: Du warst schlussendlich dann erfolgreich.

Roland: Ich bin ja auch ein Typ, der sich nicht gerne was sagen lässt.

Roland: Und schon gar nicht von einer Frau.

Roland: Frauen können mir gerne was erzählen, wenn es dann auch richtig ist.

Roland: Aber nicht kommt da jemand her und sagt, ich könnte jetzt verschwinden. Das geht bei mir nicht.

Willy: Braucht man jetzt als Unternehmer diese Sturheit?

Roland: Ich bin Stiergeborener und die Stiergeborenen sind stur. Das hat meine Mutter

Roland: schon früher immer gesagt.

Roland: Du bist sowas von stur, das gibt es gerade. Da sage ich, ja, das ist richtig.

Roland: Im Endeffekt sage ich immer, alles, was ich gemacht habe,

Willy: Das ist richtig. Ja.

Roland: Fertig.

Willy: Also gewisse Selbstbewusstsein kann man da wahrscheinlich dann nicht absprechen.

Willy: Wann ist das unternehmerische bei dir gekommen?

Willy: Weil du hast ja selber gesagt, du bist eigentlich eingeladen worden hier zu

Willy: arbeiten, hier quasi deine Metzgerkompetenz einzubringen. Wann ist aus dir ein Unternehmer geworden?

Roland: Das war dann Anfang 2000, wo der Mike mich ja angerufen hat und er sagt,

Roland: ich mache das Ding hier auf und die Fleischerei konnte ja nicht auf seinen Namen

Roland: machen, das musste auf meinen Namen.

Roland: Das heißt also, ich war da schon, am ersten Tag war ich ja schon Chef in dieser Firma.

Roland: und so habe ich mich dann auch verhalten ohne dass mich jetzt jemand

Roland: geführt hat, das ist jetzt ein bisschen dumm, das stimmt nicht,

Roland: weil ich habe ja viele Sachen vom Ottmar gelernt wie der gehandelt hat und wie

Roland: der seine Firma geleitet hat da habe ich ja viele Sachen schon gelernt und das

Roland: ist ja dann auch der Grund, höchstwahrscheinlich auch der Grund gewesen,

Roland: warum Mike mich angerufen hat, zu sagen

Roland: Mensch Roland, ich weiß was du kannst komm mal hier runter

Roland: und dann habe ich so angefangen Gut,

Willy: Dann schauen wir jetzt einmal auf deinen ersten Ankunft hier,

Willy: damals noch beim Ottmar.

Willy: Wie kannst du das lokale Handwerk beschreiben im Vergleich zu dem,

Willy: was du auch in Deutschland gelernt hast?

Willy: Was waren da so die größten Aha-Erlebnisse, die du gehabt hast?

Willy: Wie war das damals, Metzgerei, eine klassische ruandesische Metzgerei und wie

Willy: hast du das dann wahrgenommen?

Roland: Ich finde da den Unterschied gar nicht so gravierend. Weil du bekommst das Fleisch,

Roland: du wiegst es ab, du bringst es in den Kühlraum rein, am nächsten Tag fangen

Roland: wir dann an und zerschneiden das,

Roland: legen es auf den Tisch, tun es am Tisch zerschneiden, tun die Einzelteile alle

Roland: in die Boxen reinmachen.

Roland: Das ist für die Leberwurst, das ist für die Jagdwurst, das ist für die nächste Wurst.

Roland: Und das ist eigentlich, finde ich, nicht groß, anders als in Deutschland auch.

Willy: Ich habe einmal gelesen in einem Interview, was du gegeben hast,

Willy: zusammengefasst, Kastler wollte deutsche Qualitätsstandards bieten und sich

Willy: vom üblichen Angebot abheben, ist da gestanden.

Willy: Was war dieses übliche Angebot? Was waren diese Qualitätsstandards,

Willy: die du bieten wolltest, die es hier noch nicht gegeben hat?

Roland: Das ist eigentlich die Qualität. Ich benutze das Fleisch von hier, ganz klar.

Roland: Ich will jetzt auch nicht prahlen, aber das ist das, was meine Kunden sagen.

Roland: Die beste Qualität, die man an Wurst und Fleisch kriegen kann,

Roland: kriegt man beim Roland. Ich will damit nicht prahlen, aber es ist einfach so.

Roland: Ich bin auch der teuerste hier in der Stadt.

Willy: Ach so, Premium-Strategy.

Roland: Ich bin auch der teuerste. Nicht, weil ich mir die Tasche voll machen will,

Roland: sondern weil Qualität auch Geld kostet.

Roland: Können wir uns ja nachher Ich habe ja für alles einen Kühlraum,

Roland: ich habe einen Haufen Leute dahin, die arbeiten mit super guten,

Roland: europäischen, deutschen, standardmäßigen Materialen, sprich Equipment, Maschinen.

Roland: Die sind nicht irgendwo aus dem, was weiß ich woher, sondern alles gute Maschinen.

Roland: Und die Gewürze bekomme ich immer aus Deutschland, aus Köln,

Roland: da bestelle ich die, sind richtig teuer.

Roland: Aber ich sage mir, den Standard behältst du bei. Egal wie teuer die sind und

Roland: auch noch werden, ich möchte Qualität haben.

Roland: Und ich mache ja dann auch so meine Kontrollen mit meinen Mitbewerbern.

Roland: Und dann schicke ich dann mal

Roland: Los am Tag und sage, kauf da mal 500 Gramm von der Wurst, kauf da mal was von

Roland: der Wurst, kauf da mal das und dann bringst du das hierher. So,

Roland: dann schaue ich mir die Wurst an.

Roland: Da ist nicht alles schlecht, um Gottes Willen. Da sind auch gute Sachen dabei.

Roland: Aber da sind aber auch zum Teil Sachen dabei, die würde ich meinem Hund nicht geben.

Roland: Und das enttäuscht mich schwer. Und dann sage ich, nee, du bist auf dem richtigen Weg.

Roland: Bleib so, wie es ist. Und ich tue auch kein bisschen nach rechts oder links

Roland: weggehen, sondern ich bleibe geradeaus, halte meinen Standard.

Roland: Natürlich kommt es mal vor, dass ein Kunde sagt, hier, Roland,

Roland: aber die Jagdwurst, da hast du überhaupt Salz reingemacht? Das schmeckt gar

Roland: nicht nach Salz. Sag ich, was?

Roland: Ja, ja, ich habe da jetzt gekauft gehabt und so. Und dann hat es gar nicht richtig geschmeckt.

Roland: Das will ich natürlich von meinen Kunden auch hören. Das passiert mal, dass man sowas.

Roland: Und dann kann ich auch reagieren und sofort hin klar machen,

Roland: Leute, was ist da passiert mit dieser Charge von Wurst, die wir da hergestellt

Roland: haben? Und dann wird das sofort korrigiert.

Roland: Das kann alles mal passieren, aber es darf nicht der Standard sein. Und so arbeite ich halt.

Willy: Ebenfalls habe ich gelesen, Ich versuche ein bisschen rauszuarbeiten.

Willy: Also das Ziel von dem Gespräch ist ja auch so ein bisschen dieses klassische

Willy: Handwerk oder zu verstehen, wie Metzgerhandwerk jetzt nicht nur bei dir,

Willy: sondern generell in Ruanda funktioniert, was da die Besonderheiten sind.

Willy: Also nicht nur Hygiene, also Hygienevergleich oder so, das wäre auch interessant,

Willy: sondern was ist eine klassische ruandesische Metzgerei, wenn ich die treffe,

Willy: dann hast du da jetzt deine Metzgerei.

Willy: Wie kann ich mir ein ganz lokal nicht Kastler, German Battery-Metzgerei hier in Ruanda vorstellen.

Willy: Beschreib mir so einmal eine klassische Verarbeitung.

Roland: Die Zeit, oder in der Zeit, wo ich angefangen habe hier, mich...

Roland: oder wo wir den Laden aufgebaut haben, gab es ja fast nur lokale Metzgereien.

Roland: Ja, was sind lokale Metzgereien? Das sind Leute, die bestellen sich einen Mopedfahrer,

Roland: der sagen, fahr mal auf den Schlachthof und hol mal zweihalbe Schweine.

Roland: Dann lädt er die zweihalben Schweine auf das Moped hin drauf und dann bringt

Roland: er sie zu dieser Fleischerei. Das ist ein Zimmer, das ist vielleicht so groß wie jetzt hier.

Willy: Vier Quadratmeter. Bitte? Vier, fünf Quadratmeter.

Roland: Ja, vier, fünf Quadratmeter. Wenn es gekachelt ist, ist es schon top,

Roland: aber das kam später erst alles.

Roland: Aber im Grunde ist es nicht mal gekachelt. Dann steht da so eine Ahle Kühltruhe

Roland: und dann noch ein Ahler, hier noch so ein Ahler Hackklotz mit einem Holztisch.

Roland: Und da wird dann das Zeug mit der Machete klein gekloppt.

Roland: Und dann hast du den Dresden, wo die Leute an der Straße vorbeigehen und dann

Roland: kaufen die einen da in den Dresden.

Roland: Und das, was die da klein hacken, das kaufen die einen.

Roland: Weil keiner eine Ahnung hat, was eine Schulter ist oder keiner eine Ahnung hat,

Roland: was ein Topside ist oder keiner eine Ahnung hat, was ein Filet ist,

Roland: sondern das, was klein gehackt worden ist, das wurde da verkauft.

Roland: Das ist früher eine lokale Fleischerei in Ruanda gewesen.

Roland: Hat sich alles wunderbar verbessert, absolut.

Roland: Gibt es die

Willy: Noch oder hat sich das generell nicht schon verbessert?

Roland: Ich glaube, hier in Kikali werden sie das jetzt nicht mehr so finden,

Roland: aber so außerhalb auf den Dörfern, hier und da bestimmt noch.

Willy: Das heißt, frisch geschlachtet, am gleichen Tag noch verarbeitet und dann wahrscheinlich

Willy: sofort verarbeitet, weil sonst Kühlkette war nicht so gewirklich.

Roland: Also wie gesagt, wenn ich sage, da steht so eine alte Kühltruhe da,

Roland: dann muss man erstmal gucken, ob die überhaupt angeschaltet ist.

Roland: Oder nicht nur einfach, dass man da was reinschmeißt, damit die Fliegen erstmal

Roland: nicht dran kann. Wenn der Kunde kommt, kann ich ja aufmachen und dann kann ich ihm das da hinlegen.

Roland: Also es war früher schon ganz schön katastrophal.

Willy: Ja, wie stellen wir das dann vor? Du kommst in dieses Land, machst jetzt eine

Willy: Metzgerei, hast jetzt, sage ich mal, noch andere Strukturen.

Willy: Wie bist du zu deinem Fleisch, zu deinen Rohprodukten gekommen?

Willy: Und was waren da ein bisschen die Herausforderungen? Oder was war etwas,

Willy: was dich überrascht hat im positiven Sinne?

Roland: Das mit dem Rindfleisch und mit dem Schweinefleisch, das hat auch damals schon sehr gut funktioniert.

Roland: Hier unten in Nierbogogo ist ein Rinderschlachthof. Der existiert schon,

Roland: solange ich denken kann.

Roland: Der Standard damals war jetzt nicht so toll wie heute, obwohl der schon gut war.

Roland: Und da hatte man dann seinen Lieferanten, den hat man dann Bescheid gesagt,

Roland: entweder angerufen oder der kam vorbei, dann hat er so ein Bon de Commande,

Roland: das machen wir ja heute immer noch so, Bon de Commande bekommen,

Roland: da stand da drauf, ich brauche jetzt zwei Rinder oder zehn Rinder oder was du halt brauchst.

Willy: Bon de Commande, in Französisch noch.

Roland: Und dann ist der losgezogen auf den Schlachthof und hat das gekauft und hat

Roland: es uns wiederverkauft. So läuft das.

Roland: Und mit dem Schweinefleisch ist es ganz genauso. Da ist allerdings...

Roland: Da gibt es ein paar verschiedene, das sind keine Schlachthöfe,

Roland: das ist ein Raum, der ist halb so groß wie jetzt noch ein Drittel so groß wie

Roland: jetzt hier meine Terrasse.

Roland: Und dann sind die Schweine werden hinten in den Raum reingetrieben und hier

Roland: vorne werden sie geschlachtet.

Willy: Also auch zig Quadratmeter, sage ich mal. Ganz eng.

Roland: Und dann werden die durch die Tür, ich habe das ja sehr oft mitbekommen oder

Roland: auch sehr oft miterlebt, weil ich die Schweine ja selber geholt habe mit meinem Kühlauto. Ja.

Roland: Dann kam es zu früh, dann hast du gesehen, wie die Schweine noch alle geschlachtet

Roland: haben, dass sie dann die Schweine einfach da hingeschmissen haben,

Roland: haben sie festgehalten, haben sie dann abgestochen und dann wurden die auf der Erde da,

Roland: da stand so eine Tonne,

Roland: so eine Öltonne mit heißem Wasser drin und dann wurde das heiße Wasser dann

Roland: über das Schwein da und dann wurde mit dem Messer oder Rasierklinge,

Roland: wurde das dann halt entborstet und dann hat man auch auf der Erde die

Roland: die Innereien auch da rausgeholt und wo die dann draußen waren,

Roland: dann hat man die hochgehängt und hat man die nochmal schön sauberer gemacht da.

Roland: Hygienisch absolut katastrophal, weil das Ganze, da war nicht genug fließendes Wasser da.

Roland: Da hast du ungefähr mit zehn Eimer Wasser 15 Schweine geschlachtet und das ist also katastrophal.

Roland: Aber es gab nichts anderes.

Willy: Was tust du dann? Du siehst es, du weißt, wie es gehört Du weißt auch,

Willy: wie sich Stress auf ein Tier beim Schlachten, auf die Fleischqualität auswirkt.

Willy: Normalerweise stelle ich mit

Willy: dir zuvor, also Hände in die Haare und weglaufen, oder? Was tust du dann?

Roland: Weil einfach keine Alternative da war. Du musst es einfach damit leben.

Willy: Du musst es besser machen.

Roland: Wir hätten ja vor Ärger so hochspringen können oder uns verrückt machen können.

Roland: Nützt nichts. Du musst es so nehmen.

Roland: Und wenn du die jetzt nicht kriegst, woher kriegst du den nächsten Schweine?

Roland: Daran habe ich mich gewöhnt. Es ist alles besser geworden. Es stimmt schon.

Roland: Aber das war halt früher. Das ist wichtig.

Willy: Es geht mir gar nicht darum, irgendwie Horrorgeschichten zu erzählen,

Willy: sondern zu verstehen, auch wie sich das verbessert hat. Und das muss man sich

Willy: einfach besser vorstellen.

Willy: Wie war es am Anfang? Wie hast du dann geschafft, mit diesem,

Willy: sage ich mal, gestressten Fleisch, im Prinzip auch Wurst zu machen,

Willy: was wahrscheinlich auch nicht

Willy: ganz einfach ist, weil das ganz andere Eigenschaften hat auch das Fleisch.

Roland: Zu der Zeit haben wir noch ungefähr 80% Wurst gemacht und 20% Fleisch verkauft.

Roland: Gestresstes Fleisch, Wurst zu machen, das ist kein Problem.

Roland: Das spürst du nicht. Du spürst ja nur, wenn du ein Kotelett in die Pfanne legst,

Roland: dass es ein Stein hart wird, weil es halt gestresst ist.

Willy: Also in der Wurst jagt man es dann nicht mehr.

Roland: In der Wurst merkt man es nicht. Und von daher war das für mich oder für uns jetzt auch kein Thema.

Roland: Und weil du weil du fragst, wann sich das geändert hat.

Roland: Das hat sich natürlich geändert, wo die Modernität in dieses Land kam.

Roland: Ich sage einfach mal, mit dem neuen Präsidenten.

Willy: Wann war das? Wann kam die Modernität?

Roland: Das war dann schon so 2000... Das muss ich selber überlegen.

Willy: Ja, ungefähr. Wir brauchen jetzt... Ja, 2005, 2006, 2007.

Roland: Da wurde das immer ein bisschen...

Willy: Was hat sich da geändert? Es wurden einfach strengere Regeln.

Roland: Einfach strengere Regeln, dass die Räume alle gekachelt werden müssen,

Roland: dass die Räume gefließt werden müssen, dass für Kühlung gesorgt werden musste.

Roland: Das hat sich alles verbessert.

Roland: Und das ist natürlich prima.

Roland: Und heute ist ja auch so, ich kriege praktisch meine Rinder,

Roland: Niabu Gugu und meine Schweine genau daher, wo ich sie vorher auch herbekommen habe.

Roland: Aber das hat sich alles verbessert. Gott sei Dank.

Willy: Also auch die Fleischqualität, die.

Roland: Das haben sie auch, da hatte der Ottmar damals schwer daran gearbeitet,

Roland: an der Qualität der Rinder,

Roland: die ja unten im Niabogogo geschlachtet worden sind,

Roland: weil er hatte da auch irgendwie die Hand drauf und das hat auch lange gedauert,

Roland: so einen Vorgatter zu bauen, wo die Tiere reinkamen und sich da erstmal beruhigen

Roland: konnten und dann so langsam in den Schlachthaus und dann ohne großen Stress geschlachtet wurden.

Roland: Ich habe das miterlebt, dass du so einen Durchgang, so breit,

Roland: und dann hast du 20, 30 Rinder und hinten kloppt als einer mit einer Riesenlatte

Roland: alles auf die Tiere drauf und die können vorne gar nicht mehr weiter,

Roland: weil die sich alle blockieren.

Roland: Und der kloppt und kloppt und die armen Tiere da vorne sind so gestresst,

Roland: da kannst du kein vernünftiges Fleisch mehr zusammenkriegen.

Roland: Und das war damals gewesen. Das hat sich auch alles verbessert.

Willy: Hast du versucht, darauf einzugirten?

Roland: Ich habe da gar nicht versucht. Aber der Umbar hatte da so die Hand mit drin,

Roland: weil der sehr gute Beziehung, lass mich jetzt lügen, zu wem war denn das?

Roland: Auch einer vom Landwirtschaftsministerium oder so, der das dann verstanden hat.

Roland: Und dann können die natürlich von oben Druck nach unten geben und können das verbessern.

Willy: Was ich so gehört habe, jetzt in fünf Tagen, ist, man kann Dinge erreichen,

Willy: aber man braucht eine gewisse Geduld mit dem bürokratischen Apparat,

Willy: um dort nicht zu verzweifeln und langfristig Dinge zu erreichen, oder?

Roland: Ja, das stimmt. Absolut.

Willy: Die Leute auf YouTube schauen mir jetzt ins Gesicht, seine Augen haben jetzt

Willy: alles gesagt, was zu sagen war.

Willy: Hast du hier auch irgendwie zu den Landwirten und Landwirtinnen Kontakt,

Willy: die Tiere produzieren, oder ist da einfach wirklich der Schlachthof der große

Willy: Mittelsmann, wo du quasi dahinter gar nicht blickst?

Roland: Absolut keine Kontakte zu irgendwelchen

Roland: Bauern. Nur Kontakt zu unserem Mittelsmann, der angerufen wird.

Roland: Das ist aber schon so eine eingelaufene Angelegenheit.

Roland: Weil der immer weiß, am Montag kriegen wir Schweine und am Mittwoch kriegen wir Schweine.

Roland: Wenn es noch welche brauen am Freitag auch nochmal, dann kommt der halt immer

Roland: vorbei, holt es den Bauern der Kommande und da steht dann drauf 20 Schweine

Roland: oder 30 Schweine oder je nachdem.

Roland: Und dann bringt er die. Dann sind die halt so hinten frisch geschlachtet,

Roland: die werden hinten gewogen, dann kommen die bei mir in den Kühlraum rein und

Roland: dann bleiben die hängen bis zum nächsten Morgen und dann werden die bei mir

Roland: schön auseinandergesetzt.

Willy: Unterscheidet sich der Prozess, den du jetzt vor Ort hast, den du jetzt etabliert

Willy: hast in deiner German Butchery, auch hier im Restaurant, aber in der Fleischerei selbst,

Willy: unterscheidet sich der jetzt wesentlich von dem Prozess, den du aus Deutschland

Willy: her kennst oder den man aus Österreich her kennt? Gibt es da große Unterschiede?

Roland: Die großen Unterschiede sind einfach in der Größe.

Roland: In Deutschland haben wir ja in fast jeder Fleischerei diese Rohrbahnen und so weiter.

Roland: Das haben wir ja hier alles, da wird alles getragen noch.

Roland: Und ansonsten ist es, ich finde es einfach alles nur ein bisschen kleiner,

Roland: ein bisschen gediegener als wie in Europa.

Roland: Ansonsten ist es normal dasselbe. Ich habe meinen Schweinekühlraum,

Roland: ich habe meinen Rinderkühlraum, ich habe meinen Wurstkühlraum,

Roland: ich habe meinen Tiefkühlraum, also alles so schön, wie wir es in Deutschland

Roland: dann auch haben, getrennt haben.

Roland: Hier natürlich noch extremer, weil wir viele Moslems haben.

Roland: Viel ist jetzt übertrieben, aber die bestehen auch da drauf,

Roland: das kommt auch vom Staat.

Roland: Und dass alles gekarkelt ist

Roland: und alles sauber ist, also einen Riesenunterschied sehe ich da gar nicht.

Willy: Gibt es sowas wie HCCB, also diese Temperatur Kühlkettenkontrollen etc.

Roland: Ja, damit sind sie mal gekommen hier. damit haben sie mal ganz riesen angefangen

Roland: und dann auch ganz stark wieder aufgehört, weil es sich nicht durchsetzen lässt.

Roland: Die können ja zu mir kommen und können sagen, ich soll dieses HCPP machen da,

Roland: was ja aus Amerika kommt. Ja.

Roland: Ich bin irgendwo in der Mitte. Die müssen erst mal bei den Bauern anfangen.

Roland: Und da scheitert es dann.

Roland: Weil die meisten Bauern, die haben ja keine Industriehöfe, wie wir es in Europa

Roland: haben oder Deutschland haben, sondern das sind Bauern, Kleinbauern,

Roland: die haben drei, vier Schweinchen.

Roland: Die laufen dann da irgendwo rum und fressen das da.

Roland: Wie soll ich sagen, da kannst du kein HCPB machen.

Roland: Und wenn mein Lieferant die Kommande bekommt, dann geht er ja auch zu seinen Bauern.

Roland: Und dann ist der Bauer, der hat zwei Schweine, holt er die.

Roland: Der hat fünf Schweine, holt die. Dann hat der sechs Schweine,

Roland: holt er die. Der hat acht Schweine, dann nimmt er die.

Willy: Also wirklich ganz, ganz klein strukturiert von den Familien,

Willy: die tatsächlich von zwei Kühen, fünf Schweinen leben. Also wirklich leben.

Willy: Und da werden die zusammen... Gibt es sowas wie Großbauern in Ruanda?

Roland: Ja, die gibt es natürlich auch. Es gibt Bauern, die haben 200 Schweine,

Roland: 500 Schweine, die gibt es auch.

Roland: Die sind natürlich auch ganz gut strukturiert und haben ihre Stelle,

Roland: wo die dann so abgetrennt sind, immer mit 10 oder mit 15 Schweinen.

Roland: Immer auch dann von der Geburtenrate, sagen wir, die sind vor sechs Monaten

Roland: geboren, die sind vor acht Monaten geboren, die sind vor zwölf Monaten geboren.

Roland: So, dass man immer sagen kann, okay, die können jetzt alle weg und dann kommen

Roland: die nächsten ran. Und das klappt auch schon immer besser in diesem Land.

Willy: Merkst du da in der Landwirtschaft auch so eine Entwicklung hin zu größeren Betrieben?

Willy: Ist das noch zu früh?

Roland: Es ist besser geworden, im Gegensatz zu früher. Das Riesenproblem ist ja das Futter.

Roland: Wir haben nicht genug Ackerfläche, so sehe ich das auf jeden Fall,

Roland: um diese Tiere alle zu füttern.

Roland: Das heißt, es muss Futter importiert werden. Das ist natürlich sau teuer,

Roland: das will sich keiner antun.

Roland: Mich haben ja auch schon viele gefragt, Mensch, Kjell-Roland,

Roland: warum hast du denn keine Farm?

Roland: Dann hast du deine eigene Schweine. Leute, ich bin auf der Farm groß geworden.

Roland: Ich weiß, was das für eine Arbeit ist. Also das tue ich mir nicht anders.

Willy: Aber es wäre natürlich eine interessante, die Frage habe ich mir nämlich auch

Willy: aufgeschrieben, ob du nicht irgendwann einmal bedenkst, okay,

Willy: du hast hier mit deinen Kompetenzen sehr viele Möglichkeiten,

Willy: ob du nicht, wie du so schier hast oder schön hast, vertikal integrieren wirst

Willy: und quasi einen Schlachthof selber betreiben,

Willy: größere Farmen,

Willy: nachgelagerten Supermarkt im Prinzip.

Roland: Das ist alles richtig. Die Frage ist da. Aber die Antwort ist für mich unheimlich viel Arbeit.

Roland: und das will ich nicht mehr.

Willy: Nicht mehr?

Roland: Oder das wollte ich früher schon nicht mehr.

Willy: Also wenn du jetzt 30 Jahre jünger wärst oder sowas, wäre das dann noch ein Thema?

Roland: Nein, auch nicht.

Willy: An was wird es scheitern? An der Struktur, an der Bürokratie,

Willy: einfach an der Machbarkeit oder was würdest du sagen?

Roland: Naja, an der Machbarkeit. Ich sage

Roland: ja gerade, du willst ja jetzt einen Hof aufbauen mit tausend Schweinen.

Roland: Ach, mein Nachbar, der Eberhard, ist ein Deutscher, der...

Roland: Ich weiß gar nicht, wie der dazu kommt. Der sagt, der hat einen Bauernhof,

Roland: also einen Hof mit 18.000 Schweinen.

Roland: Ich sage, wo hast du denn das? Da weiß ich gar nichts von.

Roland: 18.000 Schweine, wie füttert man die? Der hat mir dann auch Bilder gezeigt,

Roland: der hat seine eigenen Felder mit Mais und so weiter.

Roland: Der ist jetzt gar nicht mehr hier, der lebt jetzt in Tansania.

Roland: Ich habe das Ding nie gesehen persönlich. Und so richtig kann ich ja gar nicht dran glauben.

Roland: selbst wenn ich tausend Schweine habe, die zu füttern, das kostet hunderte von Kilo jeden Tag.

Roland: Das muss rangeholt werden. Das kannst du jene...

Willy: Weil es lokal nicht produziert werden kann.

Roland: In dem kleinen Land geht es ja schon gar nicht mehr.

Willy: Erzähl einmal, wie groß... Beschreib du doch einmal ganz kurz,

Willy: die Größe und die Anzahl der Menschen in Ruanda. Es ist nämlich wirklich...

Roland: Ruanda ist ein kleines bisschen größer wie Hessen. Das hat ungefähr...

Willy: Deswegen bist du hergekommen, so vertraut.

Roland: Nein, das wusste ich ja noch gar nicht.

Roland: Rwanda hat knapp 25.000 Quadratkilometer.

Roland: Und Hessen hat so was für 23.000, 24.000 Quadratkilometer. Ungefähr so wie Hessen.

Roland: Und Einwohner sind wir jetzt bei, lass mich lügen, 13 Millionen so.

Willy: Ich glaube, es sind schon 16. Ich glaube, es sind schon 16, weil ich mir nicht

Willy: richtig recherchiert habe.

Roland: Wahnsinnig, wahnsinnig. Wir können ja weiter raus.

Roland: Wir müssen in die Höhe, aber Korn kannst du nicht weiter in die Höhe wachsen

Roland: lassen, weil der Platz fehlt. Aber Häuser kannst du halt höher bauen.

Roland: Und das ist schwierig, schwierig, schwierig. Das sehe ich also ganz schwierig.

Willy: Also der Markt ist irgendwo so ein bisschen an seinen Grenzen aus der Landwirtschaft heraus.

Willy: Wird es schwierig, noch mehr zu produzieren. Was bedeutet das für dich als Produzent, als Fleischer?

Willy: Reicht das Angebot, was du da hast, am Lokalmarkt oder musst du dann auch überlegen,

Willy: Fleisch zu importieren dann?

Roland: Importieren würde ich nicht, ich habe die Chance oder die Fleischmärkte hier

Roland: haben die Chance aus Südafrika oder wo auch immer das Fleisch importiert wird.

Roland: Aber das ist so schweineteuer, wer will es denn kaufen?

Roland: Die Handvoll, die das Geld dafür hat, sehe ich da kein Geschäft drin.

Willy: Es klingt ein bisschen so, als würde es keine wirklich viele Möglichkeiten zu

Willy: expandieren oder für Wachstum geben.

Willy: Wobei die Wirtschaft ja jetzt ja um 9% wächst, was ich so gelesen habe.

Roland: Es gibt ja die Möglichkeit, wir haben ja sehr viel, ich weiß auch gar nicht

Roland: mehr, gar nicht, ob das immer noch so ist, aber ich glaube, die Grenzen sind

Roland: immer noch zu, wir haben ja wahnsinnig viel Fleisch aus Uganda bekommen. Aus Uganda, Tansania.

Willy: Das ist nicht weit.

Roland: Das lässt sich alles machen. Die haben aber mal, ich habe mich da auch gar nicht

Roland: mehr drum bemüht, die haben da die Grenzen zugemacht, weil es ja irgendwelchen

Roland: Stress gibt und ob das, also wenn die Grenzen für

Roland: den Handel auf wären, dann wäre hier für Rwanda kein Problem.

Roland: Und wie gesagt, ich kann dir jetzt wirklich gar nicht sagen,

Roland: ob die Grenzen auf sind oder immer noch zu sind für Fleischhandel.

Willy: Weil es für die einfach kein Thema ist.

Roland: Ich weiß gerade nicht.

Willy: Du bist versorgt, du bist lokal versorgt.

Roland: Aber ich sehe schon das Problem, dass wir in der Zukunft Probleme kriegen mit

Roland: dem Fleisch. Ja, das sehe ich schon.

Willy: Ist das Thema, weil es natürlich eine relevante Frage, Thema Tierwohl,

Willy: Thema Bio, also was in Deutschland, Österreich ein Riesenthema ist, auch beim Fleisch.

Willy: Wie wird das hier in Ruanda behandelt?

Roland: Ja,

Roland: wie ich, so viel ich mitgekriegt habe, tut der Government da auch helfen,

Roland: wenn so ein Großbetrieb Bioanlagen baut.

Roland: Und ich habe schon die eine oder andere Bioanlage gesehen, habe mich jetzt aber

Roland: nicht erkundigt, inwiefern sich der Government damit auseinandersetzt,

Roland: um das nach vorne zu bringen.

Roland: Aber so Bioanlagen, die gibt es schon hier in Ruanda.

Willy: Fragen Kunden das schon nach bei dir? Bitte? Fragen das Kunden bei dir schon nach?

Roland: Nee, noch nicht.

Willy: Also Biofleisch oder Tierwohllabels etc., irgendwas in der Richtung?

Roland: Die fragen schon mal, wo kommt denn das Fleisch her.

Roland: Aber das ist dann schon das Maximum.

Willy: Wir sind jetzt wieder retour von der Pinkelpause. Eigentlich ist der Groland

Willy: wieder retour von der Pinkelpause.

Willy: Mir würde es Folgendes interessieren. Welche Produkte, welche Würste,

Willy: welche Dinge hast du hergestellt?

Willy: Was geht da auf dem Markt, was du quasi von Deutschland mitgebracht hast?

Willy: Und mit welchen Produkten oder welchen Geschmäckern bist du da vor Ort auch

Willy: radikal gescheitert? Also wie hast du die da adaptieren müssen?

Roland: Also zum Gescheiterten eigentlich fast gar nicht, aber zu den anderen Produkten,

Roland: ich hatte es ja eigentlich ein bisschen leicht,

Roland: weil die Wurst, die ja der Ottmar gemacht hat, beziehungsweise die wir dann

Roland: da drüben ja gemacht haben,

Roland: damals, die haben wir einfach fortgesetzt.

Roland: Die wie soll ich sagen also jachtwurst

Roland: schinkenwurst mortadella korsching das ich will sagen das läuft ja überall aber

Roland: hier ist es überhaupt kein problem ja ich habe so ungefähr ungefähr ungefähr

Roland: 30 wurstsorten und bin aber auch nicht gewillt jetzt irgendeine Wurstsohle noch

Roland: zusätzlich dazu zu nehmen.

Roland: Ich hatte mal, genau, das habe ich mal ausprobiert, ähm,

Roland: kennst du ja aus damit, Tirola. Eine Tirola Kochwurst,

Roland: Aufschnittwurst herzustellen, die

Roland: lief nicht. Die war so ein Zusatzprodukt.

Roland: Aber das ist kein Renner gewesen. Obwohl es eine tolle Wurst ist,

Roland: auch vom Geschmack her, aber die lief einfach nicht.

Roland: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass hier, wenn du was Neues hier reinbringen

Roland: möchtest, das ist so zäh.

Roland: So zäh dass du dir sagst, weißt du was, wir nehmen das Produkt wieder raus und

Roland: dann verdienen wir eigentlich mehr.

Roland: Weil wer unter den ca. 30 Wurstsorten nichts findet, dem ist doch nicht zu helfen.

Willy: Ja, aber man muss ja diese 30 Wurstsorten alle erst reinbringen,

Willy: C reinbringen oder gibt es Wurstsorten, die von vorne hineingehen.

Roland: Hatte ich ja eben gesagt, die, sagen wir so mindestens 20 Wurstsorten,

Roland: die hatten wir ja früher schon gemacht.

Roland: Die haben einfach nur mehr und haben dann noch die eine oder andere.

Willy: Aber die gab es vor euch auch schon?

Roland: Nein, nicht vor uns. Die haben wir ja mit rein.

Willy: Ja, aber das war doch zäh, oder? Weil du gesagt hast, es war ja damals neu für

Willy: den Markt. Das heißt, ihr habt es ja alle etablieren müssen.

Roland: Nein, der Ottmar hatte die ja schon vorher. Also vorher selber Arbeit geleistet.

Roland: Bevor ich da war, da war der ja schon drin.

Roland: Jetzt kam ich da rein und dann lief das alles so weiter.

Roland: Das war nicht so zäh. Aber ich habe gemerkt, wenn wir was Neues reinbringen

Roland: wollten, das war schwierig.

Roland: Schwierig, schwierig. Und ich bin da so ein Typ, der sagt, ich bin ja nicht

Roland: hier, um jemanden glücklich zu machen, sondern auch, natürlich.

Willy: Naja, schon deine Kunden, oder?

Roland: Aber du willst ja auch was daran verdienen. Und wenn das nur so zäh läuft,

Roland: dann ist es besser, man nimmt das wieder raus.

Roland: Und dann ist das halt so.

Willy: Machen wir so einen kleinen Exkurs zum Metzgerhandwerk, damit man nicht nur

Willy: über die Metathemen vom Metzgerhandwerk nimmt.

Willy: Was macht denn eine gute Wurst aus?

Willy: Wie mache ich eine gute Wurst?

Roland: Gute Wurst macht meiner Meinung nach gutes Gewürz. In Deutschland haben wir alles gutes Gewürze.

Roland: Ganz klar. Es gibt viele verschiedene Firmen, die das herstellen.

Roland: Und dann kauft man die da.

Roland: Ich kaufe die, wie gesagt, in Köln und bringe gute Gewürze hierher.

Roland: Und das ist meine Erfahrung. Mit den guten Gewürzen machst du gute Wurst.

Roland: Weil ich kenne ja auch Fleischereien hier. ich habe ungefähr Maximum 5 Konkurrenten. Man versteht sich.

Willy: Man versteht sich. Schaut auf YouTube, wer läuft.

Roland: Aber ich sehe auch, ich sehe, oder ich weiß ja dann auch, wo die ihre Gewürze

Roland: herbekommen oder was die da so reinmischen und da kann kein Geschmack drin sein.

Roland: Ich möchte das nicht alle über einen Haufen, jeden über einen Haufen schieben

Roland: da, sondern da sind auch gute Sachen dabei.

Roland: Aber im Großen und Ganzen ist meine Meinung Gewürze. Ich habe ja auch Angestellte,

Roland: die haben Wurst gemacht und die sind dann zu anderen Fleischereien gegangen.

Roland: Und haben kläglich versagt, weil die meine Gewürze nicht haben.

Roland: Sondern irgendwelche Gewürze, was weiß ich woher, man kann ja auch Gewürze in Uganda kaufen.

Roland: Die werden dann marktfrei angeboten, aber das sind alles in meinen Augen keine

Roland: vernünftigen Qualitätsgewürze.

Roland: Die richtig guten Gewürze werden ja chemisch gereinigt. Und hier in Afrika wird

Roland: nicht chemisch gereinigt.

Roland: Und von daher schmeckt meine Meinung die Wurst auch nicht.

Willy: Also im Prinzip, du hast vorher schon gesagt, Autos, alles Mercedes.

Willy: Oder zumindest importierst du Mercedes. Gewürze aus Köln.

Willy: Geräte auch aus Deutschland. Das heißt, im Prinzip, du bist nur vor Ort,

Willy: aber du arbeitest im Prinzip nicht nur mit den Methoden aus Deutschland,

Willy: sondern auch mit den Produkten aus Deutschland. Abgesehen von den Grundstoffen.

Roland: Abgesehen vom Fleisch, ja.

Willy: Vom Fleisch abgesehen, ja.

Roland: Ja, aber so komme ich da prima voran. weil da kann ich eine wunderbare,

Roland: tolle Qualität dem Kunden präsentieren ich habe

Roland: es waren Leute hier die Touristen sind natürlich, wenn die aus Europa kommen

Roland: und dann wollen die auch in die deutsche Fleischerei da gehen die da vorne rein,

Roland: da sitze ich hier da kommen die wieder raus, hier hin und sage,

Roland: ich muss ihnen aber gratulieren ja, wofür denn?

Roland: ja, was die alles importieren hier, das ist ja verrückt was importiere ich denn?

Roland: die ganze Wurst, die da vorne liegt Ich sage, die mache ich alle selber.

Roland: Nein, das machen sie nicht selber. Ich sage, doch, da ist nicht eine Einzelwurst

Roland: aus Europa dabei, die machen wir alle selber.

Roland: Angefangen von der Salami über die Kochwurst, zur Schinkenwurst,

Roland: zur Montadella, zur was weiß ich, alles hier.

Willy: Gibt es irgendwas, was du vor Ort nicht produzieren kannst, aus irgendwelchen Bedingungen heraus?

Roland: Da fällt mir jetzt nichts ein.

Willy: Also du kannst im Prinzip kandipatieren, also vom Leberkäse, Fleischkäse.

Roland: Wenn du die Grundzutaten hast, sprich also vernünftiges Fleisch und hast gute

Roland: Gewürze, kannst du eigentlich alles herstellen.

Roland: Was ganz schwierig ist, das ist geräucherter Schinken.

Roland: Den kriegst du hier nirgendwo.

Willy: Also roher Schinken.

Roland: Ganz genau. Weil das Fleisch hier, das ist ein bisschen wässerig.

Roland: Und wir haben festgestellt, das ist aber auch jahrelange Erprobung,

Roland: dass man diesen rohen Schinken nur mit Schweinen, die festes Fleisch haben,

Roland: macht man ja nur von hinten.

Roland: Und wenn wir so Schweine bekommen, das ist eigentlich selten,

Roland: dann machen wir diesen rohen Schinken.

Roland: Wir haben jetzt auch gerade wieder eine Lage gemacht, den verkaufen wir auch

Roland: recht teuer, weil bla bla bla ist ja auch egal warum.

Willy: Angebot und Nachfrage.

Roland: Angebot und Nachfrage, es hat keiner sowas, der ist unheimlich schwierig herzustellen.

Roland: Wir haben auch schon einige Kilos davon weggeschmissen, weil wir es nicht hingekriegt

Roland: haben. Aber das ist jetzt auf die Frage, was kann man hier nicht so herstellen.

Roland: Weil wir auch ein ganz anderes Klima hier haben. So ein roher Schink,

Roland: der muss ja ein bisschen reifen. Und das ist halt was ganz anderes wie in Europa.

Willy: Was kaufen denn die Einheimischen? Also es gibt, du wirst wahrscheinlich, wer sind deine Kunden?

Willy: Beschreiben wir mit deinen Kunden. Wen verkaufst du?

Roland: Also erstmal so, der Ottmar hat mir beigebracht damals, weil damals waren ja

Roland: unheimlich viele Weiße hier, aufgrund von den NGOs.

Roland: Die waren ja voll hier mit NGOs.

Roland: Und dann waren die Einheimischen da. Klar. Da hat der Ottmar immer zu mir gesagt,

Roland: Roland, konzentrier dich auf die Schwarzen. Die Weißen kommen sowieso.

Roland: Das war schon mal die Ausgangsbasis. So.

Roland: Ist jetzt nicht so, dass ich mich jetzt nach vorne hinschule und sage,

Roland: der kauft das oder der kauft das, sondern ja,

Roland: Ich kann es auch nicht mal in Prozent sagen, ob jetzt 40 Prozent Schwarze,

Roland: sagen wir mal, Einheimische und 60 Prozent Weiße.

Roland: Das kann ich jetzt gar nicht so differenzieren.

Willy: Aber das ist gemischt. Sehr gemischt.

Roland: Sehr gemischt, ja, ganz klar. Weil ja auch viel, sagen wir mal,

Roland: 40 Prozent an die Hotels gehen, an die Restaurants gehen, an gewisse Organisationen, die abholen.

Roland: Und so kann ich jetzt gar nicht sagen, wer jetzt da mehr oder weniger ist.

Roland: Das ist sehr gemischend.

Willy: Das heißt, du hast gesagt, okay, konzentrier dich auf die lokale Bevölkerung, auf die Einheimischen.

Willy: Mit welcher Palette geht man an die Einheimischen ran?

Willy: Was hast du festgestellt? Was ist der einheimische Geschmack?

Willy: Was geht bei Ruandesen am besten?

Willy: Und was geht gar nicht geschmacklich?

Roland: Wir haben damals eine Pili-Pili-Wurst hergestellt. Die verkaufen wir heute immer noch.

Willy: Was ist das?

Roland: Das ist eigentlich eine Bratwurst, die im Schweinedarm drin ist.

Roland: Ganz normale Bratwurst.

Roland: Da wird Pili-Pili, also scharfes...

Willy: Ah, Piri-Piri. Ja, diese kleinen Pili.

Roland: Genau, scharfe Zeug, was in Pulverform wird da reingemischt.

Roland: Und dann nennt die sich Pili-Pili und die wird dann geräuchert.

Roland: Und die ist dann auch vom Preis damals her sehr günstig gewesen für die lokalen Kunden.

Roland: Und ich sage mal, damit fängt man dann so an, dann kaufen die das und dann finden

Roland: die toll, die kommen wieder und kaufen dann da mal ein bisschen von und da mal

Roland: ein bisschen von und dann wächst das zu einem guten Kunden, sage ich mal.

Willy: Aber gibt es Gewürze oder irgendwas, was gar nicht geht?

Willy: Also was du versucht hast, der lokalen Bevölkerung zu verkaufen,

Willy: was Sie aber bis heute mehr oder weniger verweigern?

Roland: Nein, nein, nein.

Willy: Nichts? Leberkäse oder Fleischkäse in der deutschen Welt?

Roland: Wenn ich jetzt auf mich persönlich schließe, ich mag eigentlich überhaupt kein Kümmel.

Roland: Und Kümmel kommt ja auch in manche Wursthoten rein. Ja, ja, ja.

Roland: Ich muss die ja nicht kaufen oder muss die ja nicht essen, ich kann ja andere

Roland: essen. Und so ist es dann halt bei den Kunden genauso.

Roland: Wenn die wissen, da ist ein Gewürz drin, ob da jetzt Senfkörner drin sind,

Roland: die ich nicht mag, dann kaufe ich die Schinkenwurst halt nicht.

Roland: Und dann kaufe ich eine andere.

Roland: So ergibt sich das.

Willy: Also es gibt im Prinzip keinen wirklich großen, du sagst, du hast geschmacklichen

Willy: Unterschiede, dass du sagst, Ruhandesen essen nur das und Expats,

Willy: also NGOs, Mitarbeiter oder sonst irgendwas. Im Prinzip eine Karte für alle.

Roland: Ja, so kann man es sagen.

Willy: Wie schafft man das mit der Preisgestaltung? Ich sage jetzt mal,

Willy: Mitarbeiter von internationalen Organisationen sind meistens eher zahlungskräftigeres Publikum.

Willy: Einheimisch jetzt im Vergleich dazu weniger. Wie gestaltet man da einen Speisekarten?

Roland: Überhaupt nicht. Jeder zahlt das Gleiche. Also wenn du das differenzieren wolltest,

Roland: das geht nicht. Sorry, das wäre rassistisch.

Willy: Aber passt man dann eher ans Einheimische? bist du dann eher teuer im Vergleich

Willy: zu anderen Restaurants in der Gegend.

Willy: Und für Experts immer noch günstig? Oder wie machst du das?

Roland: Es ist ja, der Konkurrenzkampf ist ja auch da.

Roland: Die meisten Fleischereien, dafür gibt es ja nicht sehr viele,

Roland: will ich jetzt einfach mal sagen, die richten sich einfach nach meinen Preisen.

Roland: Und wenn ich jetzt hier eine Wurst für, zum Beispiel, für 10.000 verkaufe,

Roland: dann sagen die, wir verkaufen sie für 9.

Roland: Und dann verdienen wir immer noch was dran, weil wir verkaufen dann viel und

Roland: dann kriegen wir auch mehr Kunden. So läuft das ungefähr hier.

Willy: Ich war jetzt vor kurzem in Brasilien und ich verkaufe in einem Tiroler,

Willy: 13 Linden heißt das, Tiroler Auswanderergemeinde, sind nicht nur Tiroler dort,

Willy: aber hauptsächlich tirolerisch und dort haben sie auch Schnitzel.

Willy: Das Wiener Schnitzel haben sie da quasi mitgenommen, österreichisches Nationalgericht

Willy: schon fast, aber dort haben sie es anpassen müssen, da gibt es es mit Tunke.

Willy: Da haben sie auch eine Sauce drüber, so wie in Deutschland, da habt ihr es ja auch schon gemacht.

Willy: Welche Gerichte oder wie hast du die Gerichte, die du hier anbietest?

Willy: Wir sind ja da im Restaurant sitzen wir und du sitzt auf deinem Platz,

Willy: wo du immer sitzt, hast du gesagt, wie hast du deine Gerichte adaptieren müssen,

Willy: dass sie hier funktionieren?

Willy: Und welche Gerichte hast du adaptieren müssen?

Roland: Schwierige Frage, weil um die Küche hier habe ich mich eigentlich gar nicht

Roland: so gekümmert oder bemüht.

Roland: Ich habe das Ding hier aufgebaut, habe mir dann aber einen Koch gesucht, der

Roland: recht gut kochen konnte und der hatte auch so das eine oder andere

Roland: Sama, die haben ja auch Schnitzel dabei, oder

Roland: Sama, Leberkäse, was er noch so hinkriegen konnte. mein unheimlich gutes Glück

Roland: war, ich habe in 2017 einen

Roland: bayerischen Koch kennengelernt, der war in Rente und der war dann so Ex-Expert,

Roland: wie nennt man das nochmal? Mein Gott, in

Willy: Fernrente oder was war er denn?

Roland: Da auf dem Bild da unten, Alfred. Der war ein Sternekoch, der hatte in in Bad

Roland: Brückenau hatte der ein Restaurant, bei dem sogar der

Roland: bayerische Ministerpräsident, der Dicke der

Roland: sagen wir jetzt nicht,

Willy: Wenn wir einen Mann haben mit der Dicke.

Roland: Der ist so lange verstorben der hat unheimlich viel Prominenzer bei sich gehabt und der war 2017 hier

Roland: ich weiß nicht mehr, wie die Gesellschaft, das heißt, wenn du im Rente bist

Roland: und willst trotzdem noch was machen, dann gibt es ja so eine Organisation,

Roland: bei der meldetest du dich.

Willy: Ich weiß jetzt nicht, wie es heißt, aber es gibt sie mehr.

Roland: Und die schicken dich dann halt in die Welt, wohin auch immer.

Roland: Und der war ja dann auch in Indien und der war in Litauen oder wo auch immer

Roland: überall war. Und der war dann auch bei mir.

Roland: Und dann hatte der, das war der letzte, nicht jetzt bei mir gekocht,

Roland: sondern der hatte hier für eine Berufsschule gekocht.

Roland: Und dann hatte der, das war der letzte Aufsatz, den er bekommen hat von der

Roland: Gesellschaft, weil der ihnen zu alt schon war.

Roland: Also wir haben ihn dann praktisch, ja, ich sag's einfach mal abgesägt.

Roland: Und das hat er mir erzählt,

Roland: Und dann sage ich, Mensch, Alfred, willst du bei mir nicht mal kochen?

Roland: Und ja, wie können wir das machen? Dann sage ich, kein Problem.

Roland: Du bist jetzt fertig mit der Gesellschaft. Du musst ja wieder nach Deutschland fliegen.

Roland: Ich bezahle dir das Ticket, kommst hierher, wohnst bei mir und tust meine Jungs ausbilden.

Roland: Das hat er gemacht. Und da war der von 2017 bis 2020, der ist im Januar 2020

Roland: leider an Krebs verstorben.

Roland: Kurz vor Corona. kurz vor Corona.

Roland: Das sage ich aber nicht leider, sondern Gott sei Dank kurz vor Corona.

Roland: Weil der war so gebrechlich, dass Corona so ein bisschen nicht gebraucht hat.

Willy: Bis dorthin ist der quasi bei dir gewesen und hat die Kirche aus.

Roland: Da war der drei, vier Mal im Jahr hier, hat dann hier gekocht und hat dann meinen

Roland: Jungs viele Sachen beigebracht.

Roland: Wir haben ja Oktoberfest gemacht mit dem. Wir haben ja fürchterliche,

Roland: tolle Sachen gemacht. Ja.

Roland: Und nachdem habe ich das zu verdanken, dass eigentlich die Speisekarte so aussieht, wie es ist.

Roland: Und die hat sich seitdem auch nicht verändert. Die lasse ich so.

Willy: Ja, ja. Das hat sich bewährt, ne?

Roland: Absolut, ja.

Willy: Also Koch aus Leidenschaft bis zum Ende seines Lebens.

Roland: Ja. Wie gesagt, er hat dann bei mir gewohnt. Ich habe ihm das alles bezahlt.

Roland: Und er fuhr ja jeden Morgen mit mir hier in die Firma. Und dann nach meinem

Roland: Frühstück gesagt hat, Olaf, was willst du denn heute essen?

Roland: Ach, sag ich, Alfred, ich weiß doch nicht. Ich koche irgendwas.

Roland: Und dann kam der um ein Uhr hoch und hat dann ein wunderschönes,

Roland: tolles Menü gekauft für mich. Also herrlich.

Willy: Also für alle, die nur zuhören, er strahlt über das ganze Gesicht.

Roland: Der Alfred war super.

Willy: Aber was jetzt ein bisschen rausfährt, du bist relativ schnell vom Metzger zum

Willy: Unternehmer geworden. Du hast gesagt, das Restaurant hast du delegiert.

Willy: Wie lange bist du selber noch in der Metzgerei gestanden? Und wann hast du angefangen,

Willy: dich aus dem Operativen ein bisschen zurückzuziehen?

Roland: Ich hatte ja gesagt, ich muss ruhiger werden und es bringt nichts mehr,

Roland: wenn ich hinten stehe und mache Wurst oder schneide Fleisch auseinander.

Roland: Ich muss mich aufs Büro konzentrieren und muss von dem Haupt-

Roland: Punkt, alles leiten und gucken, dass der Laden läuft.

Roland: Weil es ist ja jetzt auch größer geworden. Es ist das hier, es ist der Supermarkt

Roland: dabei gekommen, es ist ja hier vorne der Laden, es ist ja die Produktion dabei

Roland: gekommen, wir machen ja Lieferungen und das muss alles koordiniert werden.

Roland: Und das kannst du, wenn du nur an einem Punkt stehst.

Roland: Und alle Fäden kommen ja in meinem Büro zusammen. Ich habe ja hier einen Manager,

Roland: ich habe da einen Manager, hier habe ich eine Managerin so ein bisschen im Supermarkt

Roland: und habe hinten meinen Supervisor ein Manager, der die Produktion macht.

Roland: Und die schmeißen das alles wunderbar. Wenn die Probleme haben,

Roland: ein größeres Problem, dann kommen die zu mir.

Roland: Und mit den kleinen Problemen, das klären die alles unter sich.

Roland: Und somit habe ich viele, viele kleine Sachen, worum ich mich nicht kümmern muss.

Roland: Das ist ja dann mein Ding, wenn jetzt irgendwas kaputt geht.

Roland: Oder wir müssen das besorgen, wir müssen das besorgen. Das erzählen die mir.

Roland: Dann macht es wie komme ich am schnellsten da dran. Und dann gehe ich ins Internet

Roland: und dann wird sofort bestellt, sodass es sofort rankommt damit das,

Roland: was jetzt gerade kaputt ist oder was wir brauchen, sofort und schnell auch alles wiederkommt.

Willy: Was braucht es, um in Kigali, in Ruanda ein Unternehmen zu eröffnen,

Willy: also ein Unternehmer zu werden?

Willy: Auf was muss ich mich da einstellen, wenn ich das vorab?

Roland: 45 Minuten, bist du Unternehmer.

Willy: So, fertig.

Roland: Fertig. Ja, RDB, sagst du willst das machen? Okay, hier hast du ein Formblatt, ausgefüllt,

Roland: unterschrieben, hingegeben und dann hast du am nächsten Tag deine Bestätigung

Roland: bekommen, dass du das Business ausführen darfst.

Willy: Wie schaut es aus mit Betriebsanlagengenehmigung?

Roland: Das kommt ja dann danach. Das ist dann schon ein bisschen schwieriger.

Roland: Du musst dann dein Business aufbauen. Die wollen natürlich immer alles wissen, das ist klar.

Roland: Und wenn das aufgebaut ist, dann kommen die und schauen sich alles an,

Roland: ob das auch hygienegerecht ist, ob das auch sicherheitsgerecht ist und so weiter.

Roland: Alle die Sachen, die dazugehören, sind aber nicht so schwierig.

Roland: Die wollen ja auch nicht sagen, dass du jetzt was aufgemacht hast und dann wollen sie sich behindern.

Willy: Fördern Sie Unternehmer? Also Sie fördern Unternehmer?

Roland: Ja, ja, ja. Doch, doch. Ich habe nur einen einzelnen Fall mal gehabt.

Roland: Ein Freund von mir, ein Schweizer war das, der hatte ein Restaurant aufgemacht

Roland: und dann wird ja auch, ist ja auch richtig so, die Toiletten,

Roland: dass da auch eine Behindertentoilette dabei ist.

Roland: Behindertentoilette und dann die normalen Toiletten. Jetzt hatte er aber keine

Roland: Behindertentoilette. Und da war es schwierig. Dann hat er das Ding nicht aufgekriegt.

Willy: Okay, also da ist man auch streng dran.

Roland: Auf der einen Seite ist es ja richtig. Auf der anderen Seite können wir sagen,

Roland: okay, wir akzeptieren das, aber sehen Sie mal zu, dass Sie in den nächsten sechs

Roland: Monaten oder drei Monaten so ein Ding noch bauen.

Roland: Nachfrißt, ja. Nachreichen oder so, ist ja okay.

Roland: Ich habe da unten eine Behindertentoilette. Die erste Tür ist der Behindertentoilette.

Roland: behinderte Toilette. Ich bin jetzt elf Jahre hier.

Roland: Weißt du, wie man da drauf war? Zero.

Willy: Nicht einmal benutzt worden.

Roland: Also nicht einmal benutzt worden von einem Behinderten, sage ich jetzt mal.

Roland: Ich benutze die ständig, weil das ist jetzt meine Toilette.

Roland: Aber es ist, ich will jetzt sagen, es ist Quatsch, das ist Blödsinn.

Roland: Es muss schon gemacht werden.

Roland: Aber da so streng zu sein, das ist dann, ich weiß nicht, wie die es sich geregelt hat.

Willy: Ähnliche Klagen kenne ich jetzt aus Österreich oder aus Deutschland auch.

Willy: Wie stark ist die Bürokratie da? Es wird ja viel gejammert oder sich auch geärgert

Willy: in Österreich, in Deutschland sicher

Willy: auch, über Bürokratie, über zu viele Kontrollen, zu viele Zetteln etc.

Willy: Ist es da ähnlich oder hat man es da ein bisschen einfacher?

Roland: Es ist ein bisschen einfacher. Wo ich jetzt in Deutschland war, da...

Roland: Einer meiner besten Freunde ist ja auch Metzger.

Willy: Du bist ja seit zwei Tagen wieder da, nicht? Du warst ja drei Wochen jetzt gerade in Deutschland.

Roland: Ja, ist ja auch Metzger. Und bei dem war ich ja auch wieder.

Roland: Und da hat er mir gesagt, der hat ein Problem mit den Kontrollen und so.

Roland: Da ist jetzt eine Frau, sagt er.

Roland: Vorher war es ja ein Mann, den hat er gut gekannt. Das ist eine Frau.

Roland: Ganz scharf und bla bla bla und hin und her. Also die macht mich verrückt,

Roland: was mich das alles kostet, weil ich da alles machen soll und so.

Roland: Das muss ich hier jetzt nicht sagen. Die kommen auch, also einmal auf jeden

Roland: Fall hin und wieder auch zweimal im Jahr.

Roland: Wir kommen dann mit einer Truppe von drei, vier, fünf Mann, haben dann ihren

Roland: Block da und den haken sie dann ab.

Roland: Dann gehen sie überall durch, dann machen die ihren Bericht da und dann setzen

Roland: wir uns zusammen und sagen, okay, so, das muss alles gemacht werden.

Roland: Und dann sage ich, okay, das ist alles kein Riesenproblem und was ein Riesenproblem

Roland: ist oder was ein größeres Problem ist, dann müssen wir halt auch ein bisschen

Roland: mehr Zeit geben, wie zwei Wochen, weil die immer sagen, in zwei Wochen kommen

Roland: wir wieder und dann kann man sich einigen und sagen, kommen sie in vier Wochen

Roland: wieder und dann haben wir das alles erledigt.

Roland: Und da wird jeder Punkt dann abgehakt, also mit meinen Leuten.

Roland: Dann bin ich da hin und sage, Leute, es muss das jetzt gemacht werden,

Roland: muss das jetzt gemacht werden. Du machst jetzt das und das. Und dann ist das

Roland: abgehakt und dann ist das okay.

Roland: Bürokratie selber, die kriege ich jetzt so gar nicht für mich jetzt so mit,

Roland: weil ich habe meine Leute, die kümmern sich da drum.

Roland: Die machen das mit dem Finanzamt, die machen das mit der Stadt,

Roland: die kümmern sich da drum. Da muss ich also gar nicht groß irgendwie

Roland: Ja.

Willy: Also du hast es delegiert auch?

Roland: Ja, ja, klar. Ja. Geht ja auch gar nicht anders. Was will ich dann um Finanzamt?

Roland: Was will ich mit dem unterhalten?

Willy: Könntest du dich unterhalten? Sprichst du inzwischen schon die Landessprache?

Roland: Nein, überhaupt nicht. Gar nicht? Nee, nee, gar nicht. Ein paar Brocken?

Roland: Also ein paar Brocken, ja, aber das reicht ja nicht zum unterhalten.

Roland: Nee, das machen alles meine Leute. Das sind gute Leute.

Roland: Die zwei, die ich dann im Büro habe, super top. Die machen das.

Roland: Also echt. Bin ich echt begeistert von denen.

Roland: und Gott sei Dank, weil da muss ich mich um nichts kümmern.

Willy: Wie schaut es denn mit dir mit Lehrlingsausbildung aus?

Willy: Weil in Deutschland, Österreich, Europa weiß ich es nicht, aber zumindest in

Willy: beiden Ländern, es wird immer schwieriger, einen Nachwuchs zu finden fürs Fleischhandwerk.

Roland: Soll ich dir meine ganzen Leute schicken, die bei mir Papiere liegen haben?

Roland: Das läuft so, die kommen zu mir, wollen einen Job haben. Dann sage ich,

Roland: ich habe voll, also bin voll.

Roland: So, lass mal deine Telefonnummer hier, Name, Adresse und dann haben wir eine

Roland: Liste, da kommen alle drauf.

Roland: Und die ist mittlerweile so dick. Bestimmt 30, 40, 50 Leute, die anhängen.

Roland: So, da sage ich immer, falls mal einer geht oder ich vielleicht mal auch einen

Roland: entlassen muss, dann können wir dann den nächsten anrufen, der dann kommt. So läuft das.

Roland: Und wenn es dann so läuft, die werden dann auch, machen wir dann ein Interview, reden wir mit denen,

Roland: Dann kriegt er den Job, aber es ist nicht so, dass man sagt,

Roland: er kriegt jetzt eine Ausbildung in dem Sinn, wie es in Europa ist.

Roland: Da muss noch viel gemacht werden.

Willy: Also sowas wie einen Lehrberuf gibt es gar nicht? Bitte? Sowas wie einen Lehrberuf?

Roland: Nee, nee, nee. Also wir machen das so, die sagen ja, bitte geben Sie mir den

Roland: Job, ich mache Cleaner, ich mache Saubermacher, ich mache alles,

Roland: was Sie wollen. Nur geben Sie mir den Job.

Roland: Ich habe genug Cleaner. So, dann kommt er da hinten rein und dann wird er an

Roland: den Tisch mitgestellt zum Ausbeiden.

Roland: Und dann darf der schon mal hier so ein paar Kleinigkeiten machen,

Roland: da so ein paar Kleinigkeiten. Und der eignet sich das eigentlich.

Roland: an, was meine Leute ihm da zeigen oder was er sieht. So sieht die Ausbildung aus.

Roland: Bis er dann nachher richtig ausbeinen kann. Ein Divorce, das macht nur mein Supervisor.

Roland: Aber das Ausbeinen und die ganzen Arbeiten, die die Jungs sowieso alle da machen,

Roland: die lernen da so langsam mit.

Willy: Okay, also so funktioniert da quasi auch das Anlernen und Ausbildungssystem, so Training on the Job.

Willy: Ja, ja. Aber sowas wie Lehrausbildungen für Metzger, für Köche, etc.

Willy: gibt es generell nicht im Land?

Roland: Doch, hier gibt es auch eine Kochschule. Habe ich mal gesehen,

Roland: aber ich weiß gerade, inwiefern die jetzt noch weiter arbeiten,

Roland: weil ich weiß, auch Sachen, die mal angefangen worden sind, die verschwinden

Roland: auch schnell wieder in der Bedeutungslosigkeit.

Roland: Ich habe mich da nie darum gekümmert.

Willy: Ich habe es jetzt ein bisschen mitgebracht, in den fünf Tagen,

Willy: also ich bin leider nur sechs Tage jetzt schon da im Land, ein paar Gespräche geführt.

Willy: Was mir so ein bisschen berichtet worden ist, Die Arbeitsmentalität grundsätzlich

Willy: ist hoch, aber die Arbeitsorganisation der Menschen vor Ort ist teilweise so,

Willy: sie sind nicht so organisiert, dass man Dinge parallel macht,

Willy: sondern es werden ganz oft Dinge nacheinander gemacht.

Willy: Erst Aufgabe 1, dann Aufgabe 2, dann Aufgabe 3 und nicht so,

Willy: wie man es vielleicht gewohnt ist aus der österreichischen Küche,

Willy: dass man die Dinge parallel macht.

Willy: Kennst du dieses Phänomen? Kannst du das bestätigen?

Roland: Da will ich einfach mal sagen, dafür sind wir ja da, um denen dann vernünftig

Roland: zu zeigen, wie organisiere ich dann so eine Fleischerei.

Roland: Es ist für diese Leute unheimlich schwierig,

Roland: Organisation allgemein für die. Die arbeiten einfach in den Tag hinein.

Roland: Egal was ich heute geschaffen habe, der Tag ist rum, ist fertig.

Roland: Es ist schwierig mit den Leuten, aber ich habe ein sehr gut ausgebildetes Team,

Roland: ob das jetzt hier ist oder ob das jetzt da hinten in der

Roland: Also bei mir läuft es, sage ich mal. Aber ich höre schon von vielen anderen,

Roland: dass sie die Hände über den Kopf zusammenschlafen und sagen,

Roland: ich kriege meine Bande ein, war nicht zusammen.

Willy: Wie hast du es dann geschafft?

Roland: Ja, wie gesagt, ich habe ja gesagt zu mir selbst, du musst es hinkriegen,

Roland: dass du mindestens in jeder Ecke einen vernünftigen

Roland: Manager hinkriegst, der dann deine Anweisung weitergibt.

Willy: Also kannst du nicht mit der deutschen Ordnung kommen und das quasi eins zu

Willy: eins weitergeben, sondern du musst es quasi über einen Manager entsprechend da übersetzen.

Roland: Ein Manager, der, wo du auch weißt, dass der auch Biss hat und nicht der sagt,

Roland: naja, was der Alte da will, wir waren das, wie wir wollen.

Roland: Da bin ich richtig gut besetzt mit meinen Leuten, weil den ich hier habe, das ist mein Schwager,

Roland: den ich da hinten habe, Family Business schon, weil ich mich auf den verlassen

Roland: kann, den ich da hinten habe, das ist der Cheeto, Den kenne ich,

Roland: seit ich den ersten Fuß hier in dieses Land gemacht habe. So lange kenne ich den schon.

Roland: Und der hat mit 14 angefangen in der Fleischerei. Der macht heute Wurst 10 Mal besser wie ich.

Roland: Das ist ein super Typ. Der setzt sich abends, jetzt nicht mehr oder nicht mehr

Roland: so oft, der setzt sich abends in sein Büro da, hat sein Dingsbums da,

Roland: und dann guckt er, welche Wurstsäule können wir nochmal hier machen oder was

Roland: können wir hier machen und was können wir da machen.

Roland: Und dann kommt er manchmal mit Sachen an und bei mir ins Büro hat er zwei,

Roland: drei Wurstscheiben drauf und sagt, Chef, probier mal. Probier's,

Roland: was hast du denn mit da gemacht?

Roland: Ja, Kartoffelwurst. Tja, wo hast du denn das wieder her?

Roland: Habe ich mir aus dem Internet rausgeholt, können wir damit langfristig arbeiten?

Roland: Leicito, das habe ich mal vor Jahren ausprobiert.

Roland: Es läuft nicht, glaub nicht. Verstehst du, der hat es drauf, das ist unglaublich.

Roland: Und ich kann nicht heute eine Wurstsorte, oder vor fünf Jahren eine Wurstsorte

Roland: erklären, oder wie die gemacht wird.

Roland: Und dann hat er fünf Jahre nichts von gehört und sagt, die machst du mir heute wieder.

Roland: Solche Leute sind gut.

Willy: Also Vertrauen, gute Mietarbeiter. Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten

Willy: Eigenschaften für dich, um als Unternehmer erfolgreich zu sein?

Roland: Ja, eigentlich Vertrauen, dass du ihn vertrauen kannst.

Roland: Weil, wie gesagt, ich bin in meinem Büro, ich habe zwar überall Kameras da,

Roland: aber du musst auch das Vertrauen haben, dass da nichts wegkommt.

Roland: Weil wir sind ja viele, Türen sind offen hier, viele Sachen liegen rum.

Roland: selbst wenn einer als Beispiel alles in Kilo abgepackt, so ein Kilo Fertiggewürz

Roland: für Schinkenwurst für die Jagdwurst und so, ist alles Fertiggewürz, so ein Kilo Gewürz

Roland: sagen wir mal klaut da muss aufgepasst werden

Roland: Für mich ist das vielleicht Schaden von 15 Euro weil ich die gekauft habe

Roland: der verkauft die für 5 Euro weiter, aber indirekt ist das ein Schaden für mich

Roland: von mindestens 1000 Euro, weil damit kann man Wurst machen.

Roland: Und zwar so und so wie Kilo und die könnte ich verkaufen und hätte dann Gewinn

Roland: von mindestens, ich sag's einfach mal 1000 Euro. Verstehst du?

Roland: Und sowas, da musst du Vertrauen haben.

Roland: Hier hinter der Bar, da muss aufgepasst werden, dass die, dass die,

Roland: meine, mein Service hier, was ich auch schon hatte, ins Store gehen und saufen das Bier.

Roland: Ich hab nichts dagegen, wenn die mal ein Bier saufen oder mal eine Cola da unten.

Roland: Aber wenn das fünf Mann jeden Tag machen, dann fehlt das irgendwo.

Roland: Und da muss man dann Leute haben, die darauf aufpassen.

Roland: Und das ist mit der, hier vorne im Laden, habe ich den Everisse,

Roland: der muss dann aufpassen, dass die Jungs hinter der Theke nicht mit ihren Familienmitgliedern

Roland: vor der Theke mauscheln,

Roland: kriegen fünf Kilo Filet und bezahlen aber zwei Kilo Knochen.

Roland: Und da muss aufgepasst werden. Das hat was mit Vertrauen zu tun.

Roland: Und ich habe zu allen Vertrauen hier. Also die haben auch wahnsinnig Vertrauen zu mir.

Willy: Das ist deiner Management-Ebene, oder?

Roland: In meinem Management, ja.

Willy: Und die managen dann die Menschen unter Ihnen quasi. Aber du beschäftigst dich

Willy: nur mit der Management-Ebene. Ja.

Roland: Ich habe auch Kontakt mit allen meinen Leuten. Das ist kein Thema.

Roland: Aber wenn es um das Business geht, um richtig harte Angelegenheiten,

Roland: dann sind die meine Ansprechpartner.

Willy: Wie viele Mitarbeiter hast du jetzt insgesamt?

Roland: Wenn ich alle zusammenrechne, habe ich 80.

Willy: 80 Mitarbeiter.

Roland: Ja, das ist schon nicht schlecht.

Willy: Ich würde mit dir jetzt gerne Richtung Schluss Du musst dann noch ein bisschen

Willy: zwischen generell auf Ruanda und Afrika kommen, weil du bist ja im Prinzip ein

Willy: Mensch, der seit über 30 Jahren schon regelmäßig hin und her fährt.

Willy: Erstens mal, bist du Deutscher oder bist du Ruandier? Wie siehst du dich?

Roland: Ich sehe mich immer noch als Deutscher. Wenn aber die Politik in Deutschland

Roland: so weitergeht, dann werde ich gerne meine Staatsbürgerschaft von Ruanda annehmen.

Roland: Also wirklich, das ist eine Katastrophe.

Willy: Aber jetzt noch Deutscher Pass?

Roland: Deutscher Pass, ja.

Willy: Du pendelst jetzt seit vielen Jahren hin. Eigentlich wohnst du da.

Willy: Du hast ja letztens zu mir gesagt, wenn du am Flughafen in der Schlange stehst

Willy: und sie bei der Passkontrolle wiederfragen, Grund ihres aufhören,

Willy: du hast gesagt, ich will heim.

Willy: Also nicht mit den österreichischen Elektrieren, ich will nach Hause.

Willy: Aber du hast jetzt den Vergleich. Was sind so die größten Irrtümer aus deutscher

Willy: Sicht über Afrika, über Ruanda?

Willy: Wo du sagst, Leute, das ist ganz anders.

Roland: Es wird ja versucht, wenn man Berichte aus Ruanda hört, im Fernsehen oder sieht,

Roland: dann ist erst mal Mats Ping Genozid.

Roland: Das war doch das Land, wo viele Menschen gestorben sind.

Roland: Und es wird viel versucht, ob das jetzt in Europa ist oder in der Welt allgemein,

Roland: das Bild darzustellen, dass Rwanda ein super Land ist. Was ja richtig ist.

Roland: Nicht diese negative Sache, was mal vor 30 Jahren war. Das ist passiert, das ist vorbei.

Roland: Wer sich mal mit Rwanda beschäftigt, dann solche Leute in Deutschland,

Roland: die am Fernsehen sitzen und sagen, das sieht ja gar nicht so schlecht aus.

Roland: okay, lass mich mal kugeln.

Roland: Da müssen wir auf Urlaub hin. Das ist ja, was die Leute hier wollen,

Roland: die Government. Das ist ja auch gut so, weil das Land ist ein aufstrebendes Land, ein tolles Land.

Roland: Ich habe dir gesagt, ich kam hierher, das war das viertermste Land der Welt.

Roland: Wir sind heute, sorry, viertermste Land von Afrika zu der Zeit.

Roland: Wir sind heute irgendwo unter den ersten fünf. Also wir sind ein

Roland: Ich kann es nur loben. Toll.

Willy: Irgendwelche Vorurteile, die man neben dem auch hat, so gegenüber,

Willy: keine Ahnung, Mentalität oder andere kulturelle Dinge.

Roland: Ja, es glänzt ja nicht alles, was du siehst. Da gibt es ja auch noch schwarze

Roland: Sachen dabei oder Punkte, was weiß ich.

Roland: Aber das sind so Kleinigkeiten, da guckst du drüber weg. Ich will jetzt da keine

Roland: Speziellen ansprechen.

Roland: Oder sagen wir, eigentlich wäre ein spezieller Punkt, die Arbeitsmentalität der Leute hier.

Roland: Aber ich denke mal, das liegt dann an uns selber, wie wir die Leute führen.

Roland: Wenn du siehst, das ist wirklich ein Taugenix, der dir nur Ärger bringt und nur alles kaputt macht,

Roland: dann musst du gucken, dass du den wieder loskriegst und einen besseren Mann

Roland: in deine Firma reinbringst, obwohl der Mann eigentlich eine gute Chance hat,

Roland: in der Firma groß zu werden.

Roland: Aber wenn er nicht will, dann will er nicht. Dann muss er halt gehen.

Willy: Das ist ein globales Phänomen. Ich glaube, grundsätzlich, wer nicht will oder nicht kann. Ja. Okay.

Willy: Wenn du jetzt, ich sage immer, wenn du Ruanda und seine Menschen einem völlig

Willy: ahnungslosen erklären müsstest,

Willy: also mir jetzt, ich war noch nie in Ruanda, komme das erste Mal,

Willy: bevor ich komme oder ich treffe dich am Flughafen und sage, hörst du,

Willy: was ist das jetzt eigentlich genau für ein Land und auf was muss ich mich hier

Willy: einstellen oder darf ich mich hier einstellen?

Willy: Wie würdest du mir Ruanda und seine Leute beschreiben?

Roland: Ganz kurz, du hast ja eigentlich hier eben selber festgestellt,

Roland: ich würde einfach sagen, das sind ganz liebe, nette Menschen,

Roland: die am Lächeln sind, mit denen kann man sich gut unterhalten.

Roland: Es gibt auch andere, natürlich, klar, aber der größte Teil von diesen Menschen

Roland: hier, mit denen kommen wir wunderbar klar.

Roland: Was soll ich noch dazu sagen?

Willy: Also du bist gern da?

Roland: Ich bin gern hier, ja. Ja, und es wird ja, oder viele fragen mich,

Roland: was würdest du in deinem Leben anders machen, hier in Rwanda anders machen?

Roland: Da sage ich immer ganz kurz, ich würde es früher machen.

Roland: Ich bin mit 34 Jahren gekommen.

Willy: Gut, die Frage kann ich jetzt auch abpacken, was du heute anders machen würdest.

Roland: Ich bin mit 34 Jahren gekommen. Ich würde es früher machen, mit 24. sich.

Roland: Weil wenn ich sehe, was ich erreicht habe in der Zeit hier, dann hätte ich noch

Roland: viel mehr erreichen können.

Roland: Ich bin ein Mensch, der möchte was erreichen, der möchte was

Roland: machen.

Willy: Wie soll man das sagen? Arbeiten. Schaffe Hüsle bauen.

Roland: Geld verdienen. Ohne damit jetzt arrogant zu sein, sondern wir wollen ja Geld verdienen.

Willy: Du wolltest raus aus der Schule, wir sind quasi wieder am Anfang eigentlich,

Willy: du wolltest raus aus der Schule, du wolltest was machen, oder?

Roland: Ja, ich habe mein eigenes Haus gebaut, ich habe wieder geheiratet,

Roland: wir haben drei Kinder, ich habe mir ein Dings aufgebaut.

Roland: Was hätte ich erreichen können, wenn ich mit 24 Jahren gekommen wäre? Keine Ahnung.

Willy: Noch mehr Häuser. Noch mehr Häuser, ja.

Roland: Ja, das ist vielleicht dann gierig, aber eigentlich brauchen wir das alles,

Roland: weil wir sind alle happy.

Willy: Bist du zufrieden?

Roland: Ja.

Willy: Ja.

Roland: Ja, ich habe es ja noch nicht erwähnt, aber ich habe ja im Kongo auch noch ein Geschäft.

Willy: Ach so, so ein Nebenbeispiel, wie kommst du denn in den Kongo?

Roland: Da bin ich auch schon seit 15 Jahren in Koma, länger, 2007, jetzt schon 18 Jahre.

Willy: Das heißt, du pendelst zwischen hier und?

Roland: Ja, jetzt am Freitag fahre ich wieder nach Koma.

Willy: Okay.

Roland: Da habe ich eine Fleischerei mit der Produktion, da habe ich auch noch mal 18

Roland: Mann beschäftigt. Okay.

Willy: Erstens mal, wie kam es dazu? Und zweitens mal, wo sind die?

Willy: Wir kennen jetzt ein bisschen die Geschichte von Kigali.

Willy: Was ist in Goma anders?

Roland: In Goma, die Preise. Die Preise.

Roland: Und wo ich hier damals angefangen habe, dann kamen ja viele Kongolesen hier

Roland: nach Kigali und haben Wurst gekauft. da oder da oder auch bei mir.

Roland: Haben Wurst gekauft und ich sage mal, die Pili-Pili-Wurst, von der ich erzählt

Roland: habe, die hat ja, die lief ja unheimlich gut.

Roland: Pili-Pili und Jagdwurst. Die zwei Wurstsorten, die laufen, liefen immer gut.

Roland: Und zu der Zeit damals hat meine Pili-Pili 1800 gekostet, das waren,

Roland: lass mich jetzt lügen, 2,50 Euro Kilo. So ungefähr.

Roland: 2,50 Euro, drei oder drei Euro. Sorry, Mark, Mark, Mark. Nein, Moment, wo bin ich denn?

Willy: Jetzt wurde zeitlich.

Roland: Ich bin schon in 2000 Euro.

Roland: Und die haben unheimlich viel abgeholt.

Roland: Die kamen hier 200 Kilo Pili Pili, 150 Kilo Jagdwurst, der nächste 50 Kilo

Roland: davon, der nächste 100 Kilo davon.

Roland: Und das über die Woche her, wir haben Tonnen an Wurst gemacht.

Roland: Und das habe ich denen verkauft.

Roland: Bis ich mir dann gesagt habe,

Willy: Das Geschäft kann ich selber machen.

Roland: Die kommen aus Goma hierher und kaufen die Wurst, weil in Goma haben sie die

Roland: Wurst, Pili Pili und die Jagdwurst, für 14 Dollar verkauft.

Roland: Für 14 Dollar damals.

Roland: Das kann ich ja selber machen. So, dann habe ich angefangen,

Roland: habe mir einen Manager gesucht, habe mir jemanden gesucht, der im Fleischgeschäft

Roland: ein bisschen Ahnung hatte.

Roland: Der hatte in einer anderen Fleischerei gearbeitet, der war aber nicht ganz glücklich da.

Roland: Das habe ich gewusst. Dann habe ich mit dem gesprochen und habe dem das erzählt, was ich vorhabe.

Roland: Und habe dem erzählt, ob wir in Goma nicht einen Laden aufmachen können.

Roland: Er ist Kongolese. Und der war heute Morgen hier.

Roland: Mit dem arbeite ich immer noch. Der hat meinen Reisepass abgeholt.

Willy: Das nenne ich Vertrauen. Bitte? Das nenne ich Vertrauen. Du hast einen Reisepass mitgegeben.

Roland: Ja, der fliegt nach Kinshasa wegen meinem Visa. Da kriege ich mein neues Visa.

Roland: Mein Permanent-Visa. Dann habe ich ein Permanent-Visa. Das macht der.

Roland: Und wie gesagt, mit dem arbeite ich immer noch zusammen. Und dem habe ich erklärt, was ich vorhabe.

Roland: Und ich sagte, ja, dann lass uns mal gucken, was wir machen.

Roland: Dann sind wir nach Goma gefahren, haben uns einen Laden ausgesucht,

Roland: haben mit jemandem gesprochen da.

Roland: Das hat natürlich alles ein bisschen länger gedauert, zwei, drei Tage.

Roland: Das hat schon ein paar Wochen gedauert.

Roland: Aber dann haben wir einen Laden gefunden. Dann habe ich eine Theke gekauft,

Roland: habe dann eine Aufschnittmaschine gekauft, eine Waage gekauft.

Roland: was man dazu braucht für einen Laden und habe gesagt, weißt du was,

Roland: Was riecht denn hier so? Wir bringen...

Willy: Ich finde, es riecht gut.

Roland: Wir bringen jetzt... Wir bringen jetzt die Wurst selber nach Goma und verkaufen

Roland: sie da. Die, die immer bei uns...

Willy: Der produziert hier und...

Roland: Ja, ja, richtig. Die, die bei uns eingekauft haben, die kriegen noch einen Sonderpreis.

Roland: Aber den Rest, den verkaufen wir die Wurst für 14 Dollar.

Willy: So.

Roland: Da haben wir unheimlich viel Geld gemacht. Wahnsinnig viel Geld.

Roland: Das hat also super. Also wir haben dann

Roland: Busse vollgeladen und die haben dann da hochgebracht und dann haben wir

Roland: Und dann irgendwann mit dem Transport, nach drei, dreieinhalb Jahren hat das

Roland: mit dem Transport, das war dann nicht mehr so easy.

Roland: Das war dann, weil der Government auch schon ein bisschen besser drauf geguckt hat und so.

Willy: Du lächelst wieder, also nur für die Leute, die hören, ein mildes Lächeln geht

Willy: über das Gesicht, das alles sagt. Gut, gelassen wir dann.

Roland: Dann mussten wir uns was einfallen lassen, wie wir das dann anders machen.

Roland: Dann haben wir gesagt, weißt du was, dann machen wir eine Produktion dann.

Roland: Gut, dann bin ich in Deutschland geflogen, habe die Maschinen alle gekauft,

Roland: die haben wir nach Goma geschleppt. Und dann haben wir in Goma eine Produktion

Roland: aufgemacht mit dem Laden und dann haben wir dann alles in Goma dann da praktisch organisiert.

Roland: Und das läuft jetzt schon seit über, ja also wie gesagt, insgesamt seit 18 Jahren,

Roland: aber dann mit der Produktion so, dass es jetzt auch schon 10,

Roland: 12 Jahre, dass es mit der Produktion läuft.

Roland: Und ich fahre jede Woche einmal da hoch, check alles und naja,

Roland: ein bisschen Gewinn holt man sich auch ab.

Willy: Ja, und alles mit deutscher Qualität, deutschen Wurstprodukten,

Willy: der adaptierten Pili-Pili, wie du es nennst, aber auch klassischer deutscher Jagdwurst oder sowas.

Roland: Wir verkaufen schon mehr Sachen, auch Kochschingen oder Mordadella.

Willy: Aber wieder die gleichen Dinge, wie du vorher schon aufzählt hast. Die gleichen Dinge, ja.

Roland: Sicher. Nur die haben eine ganz andere Essmentalität. Denen ist jetzt egal,

Roland: was das kostet. Die wollen Qualität und dann bezahlen die dafür auch.

Willy: Und Kunden wieder, Experts, also internationale.

Roland: Alles, was kommt, wird genommen.

Willy: Ja, du bist der Unternehmer.

Willy: Das klingt ein bisschen nach einer Expansionsstrategie. Dann würde ich mit dir

Willy: gerne noch ein bisschen kurz in die Zukunft schauen.

Willy: Planst du noch andere Länder quasi?

Roland: Ich werde so oft gefragt, weil die Leute ja sehen, was ich hier mache.

Roland: Mensch, Roland, das kannst du doch in Kampala machen. Mensch,

Roland: Roland, komm mit der Tansania, Dachasalam, kannst du doch da machen.

Roland: Mensch, Roland, in Nairobi. Wenn du so ein Ding in Nairobi, du wüsstest gar

Roland: nicht mehr, wo du dein Geld hinstecken sollst.

Roland: Leute, ich meine, das ist jetzt in den letzten, hier bin ich ja jetzt zehn Jahre, an dem Platz hier.

Roland: Und ich habe meine Kraft alles in dieses Geschäft jetzt hier reingesteckt,

Roland: in den letzten zehn Jahren. Also sagen wir so, in den letzten fünf Jahren,

Roland: sechs Jahren, sieben, acht Jahren, wenn Leute sowas zu mir sagen,

Roland: dann sage ich, Leute, ich bin nicht mehr der Jüngste.

Roland: Ich bin jetzt 65.

Willy: Also ein Pensionsantrittsalter.

Roland: Ich bin 65. Ja, meine Pension kriege ich nächstes Jahr, habe ich mich schon erkundigt.

Roland: Ich bin jetzt 65, aber okay, da war ich auch schon, wo ich oft gefragt worden

Roland: bin, da war ich dann halt 58 oder 59. 50 und da sage ich auch, Leute, ich bin knapp 60.

Roland: Wenn ich jetzt nochmal irgendwo anders anfangen soll, dann muss ich von unten

Roland: und bis nach oben. Das dauert Jahre.

Roland: Das ist nicht in einem Jahr erledigt. Du musst dich da richtig reinknommen.

Roland: Dann hast du wieder ganz andere Leute, um die dich kümmern musst, die dir Probleme haben.

Roland: Ich sage, wisst ihr was, ich habe hier einen guten Standort,

Roland: ich bin hier gut etabliert und ich habe keinen Bock mehr, mich verrückt zu machen.

Roland: Und das Deswegen alle Sachen, die ich für die Zukunft machen will,

Roland: die will ich nur von hier aus machen.

Roland: Und ich mache jetzt gerade seit einem Jahr

Roland: Hast du vielleicht noch nicht gesehen, keine Ahnung. Es gibt ja eine Supermarktkette Savasity.

Roland: Supermarktkette Savasity. Die existieren schon gut 15 Jahre.

Roland: Die haben so 10, 12 Supermärkte hier. Und die werden jetzt gerade

Roland: umgestrukturiert

Roland: in Spar. Sparmarkt. Ich sage dir was, Sparmarkt.

Roland: Davon gibt es ja 700 Stück hier in Afrika. Und der Spar kommt ja von Deutschland.

Willy: Also ursprünglich sogar Niederlande.

Roland: Österreich oder so. Wo ist die mal gehabt? In Deutschland gibt es die nicht mehr.

Roland: Die sind hier. Und die haben sich mit Savas City zusammengetan.

Roland: Und den ersten Laden haben die jetzt schon umstrukturiert. Das heißt,

Roland: der heißt jetzt schon Spar.

Roland: Und ich habe mich jetzt seit einem Jahr, da habe ich aber noch da habe ich aber

Roland: eigentlich jetzt Savas City angesprochen.

Roland: weil die auch eine Fleischerei drin haben. Die wurde aber von irgendwelchen

Roland: Idioten geleitet, sage ich jetzt einfach mal, die keine Ahnung haben von Fleisch und Wurst.

Roland: Wo ich sogar gesagt habe, also so ein Mist, den ihr da verkauft,

Roland: ich kenne die Jungs ja von den, die Manager, die kenne ich ja alle,

Roland: die Direktoren, dass ich zu denen gesagt habe, wisst ihr was,

Roland: Leute, ich mache das für euch.

Roland: Gibt mir den Platz, ich zahle euch eine gewisse Summe und dann gibt mir den

Roland: Platz, dann mache ich das alles selber.

Roland: Und dann haben die gesagt, Roland, dich schickt der liebe Herrgott.

Roland: Weil wir wissen gar nicht, wie wir es anders machen sollen. Wer will es da machen?

Willy: Also 12 Supermärkte jetzt noch, die du auch noch belieferst.

Roland: Die vierte Filiale haben jetzt erst aufgemacht letztes Jahr.

Roland: Und eigentlich jetzt Ende des Monats soll die fünfte aufgemacht werden.

Roland: Daran habe ich jetzt noch Spaß gehabt. Weil ich mir gesagt habe,

Roland: ich habe einen Chauffeur, der ist nicht ausgelastet.

Roland: Ich habe zwei Transporter, die nicht ausgelastet sind.

Roland: Meine Produktion dahin, die ist zu 80 Prozent ausgelastet oder 75 Prozent, je nachdem.

Roland: Alles, was ich dazu brauche, wäre ja eigentlich nur noch mehr Leute,

Roland: die ich dann ausbilde, die dann da verkaufen.

Roland: Und das habe ich mir überlegt, eine Woche lang. Wie machst du das?

Roland: Eine Woche lang. Eine Woche.

Roland: Und dann habe ich denen gesagt, okay, wir machen das so. Wie gesagt,

Roland: gebt mir den Platz und ich mache das für euch.

Roland: Und jetzt haben wir schon vier, vier Jahren aufgemacht. Und das ist jetzt meine

Roland: Zukunft. Also wo du meinst, was wir in der Zukunft machen.

Roland: Speziell das. Und wir machen keine zwölf auf, weil da sind auch kleine Läden

Roland: dabei, wo sich eine Fleischerei gar nicht lohnt.

Roland: Aber insgesamt acht Stück, da wird es sich lohnen.

Roland: In den anderen kleinen Läden, da können wir eine Vitrine reinstellen und da

Roland: machen wir dann halt Vakuumwurst rein.

Roland: Da kann sich der Kunde einfach so rausnehmen. Da muss kein Personal dahinter stehen.

Willy: Unter welcher Marke? Bitte? Unter welcher Marke?

Roland: Wie meinst du, unter welcher Marke?

Willy: Die Wurst im Supermarkt. Ist es dann German Butchery?

Willy: Also German Butchery ist auch in Kongo die Marke. Ist überall die gleiche Marke?

Roland: Nein, im Kongo sind da ganz andere Namen.

Willy: Heißt nicht German Butchery. Aber hier in Ruanda, German Butchery Marke wird immer weiter.

Roland: Ich mache das ja selber. Ist ja nicht, dass jemand kommt und kauft das bei mir,

Roland: er macht es in seinem Namen, sondern ich mache es selber.

Willy: Aber da ist nicht dein Gesicht drauf aus der German Badger oder sowas,

Willy: oder? Ist da dein Gesicht auch drauf?

Roland: Mein Gesicht? Nein, nein, mein Logo.

Willy: Dein Logo, das schon. Aber dein Logo ist nicht das Gesicht, das ist quasi du

Willy: so wie Uncle Benz oder sowas.

Roland: Ich habe ja mein Logo. Aber ich wollte ja sowieso mal geben hier.

Willy: Das ist eigentlich mein Logo. Das ist das Logo, ich kriege jetzt gerade.

Willy: Also wir sind für die Leute am Podcast. Ich habe gerade die Visitenkarten gekriegt.

Willy: Genau, so schaut das aus.

Roland: Und wie gesagt, da habe ich Spaß dran, Weil das stresst mich nicht so.

Roland: Ich muss ein paar Sachen machen, ja okay, aber da ist kein Stress dahinter,

Roland: weil meine Jungs sind jetzt ausgelastet, beziehungsweise die machen das alles wunderbar.

Roland: Es geht ja nur darum, dass morgens für die einzelnen Supermärkte die Ware alles

Roland: abgepackt wird und mein Chauffeur bringt die dann alle an die Sachen dahin.

Roland: Habe ich alles nichts mehr zu tun.

Roland: Wenn ein Problem ist, dann mische ich mich da ein, ganz klar.

Roland: jetzt als Beispiel in einem

Roland: Filiale, da ist an der Theke unten da fehlt die Lampe da gibt es spezielle Leuchtstoffröhren

Roland: für das Fleisch kannst du hier nicht kaufen

Roland: Da habe ich zu meinem Mechaniker gesagt, weißt du was, ich bin ja sowieso jetzt

Roland: in Deutschland, ich kaufe welche und dann bringe ich die mit.

Roland: Heute Morgen habe ich dem vier Stück gegeben.

Roland: Ich sage, geh hin und baue die ein, damit das alles wieder vernünftig aussieht.

Roland: Das sind meine Aufgaben.

Willy: Naja, du bist jetzt, hast du gesagt, nächstes Jahr heute drüben Pension in Deutschland.

Roland: Ja, da ich mein Rentengeld bekomme. Das ist aber dann schon der Höhepunkt meiner Rente.

Willy: Ja, klar. Aber irgendwann musst du ja mal daran denken. Also was wirst du machen?

Willy: Wirst du das Unternehmen übergeben?

Willy: Geht die Marke dann mit dir in Pension? Also was ist der Plan?

Roland: Mein Plan ist kein großer Plan, weil den Boden habe ich gemietet.

Roland: Alles, was draufsteht, habe ich gebaut, das ist richtig.

Roland: Ich kann das aber nicht mehr mitnehmen, wenn ich jetzt hier raus müsste.

Roland: In dem Vertrag steht auch drin, da habe ich jetzt vielleicht ein bisschen geschlafen,

Roland: dieser Boden hier gehört einer Familie, sie ist Rechtsanwältin und er ist Chefarzt

Roland: von einem großen, oder dem gehören ein paar Krankenhäuser.

Roland: Also eine ganz angesehene Familie.

Roland: Und im Vertrag steht also drin, dass ich dieses Dings hier nicht übergeben kann.

Roland: Könnt ihr das nicht überschreiben? Wenn ich gehe, dann ist Feierabend.

Roland: Und ich gehe erst, wenn ich den Bescheid vom Government bekomme,

Roland: dass ich hier gehen muss.

Roland: Weil es ist ja so im Moment, dass überall gebaut wird, Hochhäuser.

Roland: und da kriegen also schon viele Angestellte oder viele Firmen Mitteilungen,

Roland: dass in sechs Monaten muss hier geräumt sein, weil wir wollen das und das bauen.

Roland: Ich weiß, ich werde das kriegen, aber ich denke mal, das wird noch fünf bis

Roland: acht, vielleicht, wenn ich Glück habe, noch zehn Jahre dauern und dann ist mir sowieso alles egal.

Willy: Aber dann darfst du bleiben, dann darf das Unternehmen bleiben.

Roland: Nein, nein, nein, dann wird das aufgelöst hier, dann höre ich auf.

Willy: Das ist ein Ding mit Ablaufdatum. Ja.

Roland: Das Ding kann keiner übernehmen. Wenn ich nicht mehr bin, kann das keiner übernehmen.

Roland: Noch nicht mal meine Frau.

Roland: Das steht im Vertrag drin. Da habe ich ein bisschen geschlafen,

Roland: aber das macht mir nichts aus.

Willy: Das macht dir nichts aus?

Roland: Nein, das macht mir nichts aus. Das ist doch dein Lebenswerk.

Willy: Bitte, hallo.

Roland: Ich bin 65.

Willy: Ich bin gerade verzweifelt, aber du strahlst, du lachst.

Roland: Wie gibt es das?

Roland: Materielle Dinge sind toll, aber die sind einfach nur da.

Roland: Wie soll ich sagen, ich habe ja noch kleine Kinder. Meine beiden Töchter sind 9 und 10 Jahre alt.

Roland: ich will mich dann mit denen befassen und wie auch immer

Roland: ich weiß, dass das irgendwann hier Feierabend ist dann ist Feierabend,

Roland: ich mache mich dann nicht verrückt man muss halt genug im Hintergrund haben,

Roland: finanziell zu sagen, ich kann mir das leisten

Willy: Also deine Familie ist im Prinzip versorgt und deine Marke, die German Butchery,

Willy: die ist mit dir entstanden und die geht einfach wieder mit dir.

Roland: Die Alternative wäre ja, dass ich dann, wenn ich hier weg muss,

Roland: ins neue Industriegebiet gehen kann oder muss, da könnte ich mir eine Halle bauen.

Roland: Ich kriege den Grund auch sehr günstig bestellt.

Roland: Müsste ich mir da eine Halle bauen und müsste da die Produktion und alles da

Roland: machen. Aber das kostet mich mindestens 300, 400, 500.000 Dollar.

Roland: Und dann bin ich 70 oder 75. Sorry, da habe ich keinen Bock.

Willy: Aber würdest du die Marke verkaufen, wenn sie wieder abkaufen würde?

Willy: Wenn du jetzt quasi ein Exit würdest du?

Roland: Ja, eigentlich braucht sie ja keiner kaufen, weil wenn ich aufhöre,

Roland: man muss ja nur warten, wenn ich aufhöre, dann kannst du die Marke ja neu übernehmen.

Willy: Also wie lange kann man bei dir noch essen gehen und Wurst kaufen?

Roland: Zehn Jahre. Mindestens.

Willy: Mindestens.

Roland: Dann bin ich 75. Dann ist mir doch sowieso alles egal. Verstehst du?

Roland: Ich war genauso wie du. Du bist jetzt wie alt?

Willy: 45.

Roland: Mit 40 oder 45, wo ich so alt war, da war der Mike auch schon 65.

Roland: 63. Dann habe ich zu Mike gesagt, wann wird du denn endlich mal aufhören?

Roland: Du hast ja genug. Ach, was soll ich denn daheim rumhauen?

Roland: Der ist in seinem Geschäft gestorben. Mit 78 ist er gestorben.

Roland: Aber heute sehe ich einen, der konnte gar nicht aufhören. Geht gar nicht.

Roland: Armin, der hat eine Autogarage gehabt. Der ist unter der Hebebühne gestorben, mit 82.

Willy: Einfach nicht loslassen können.

Roland: Richtig.

Roland: Heute verstehe ich das. Vor 10, 15 Jahren, 20 Jahren konnte ich das gar nicht verstehen.

Roland: Heute verstehe ich es. Ich bin nämlich jetzt genauso. Was soll ich denn daheim?

Roland: Ich habe ein schönes Riesenhaus, ich habe ein Riesengrundstück,

Roland: ich habe alles toll, wunderbar. Was soll ich denn da?

Roland: Es reicht mir, wenn ich von drei Jahren, ich fahre ja meistens um drei Uhr hier weg, nach Hause.

Willy: Außer heute natürlich.

Roland: Das ist ja kein Problem. Das reicht mir schon. Aber jetzt gar nichts mehr machen.

Roland: Ich verstehe die Leute heute. Und ich bin genauso.

Willy: Das ist okay.

Roland: Und ich, meine Gedanken, meine Zukunft ist ja so, dass ich so viel wie möglich

Roland: Urlaub mit meiner Familie machen kann oder machen möchte, um noch vieles zu sehen.

Willy: Mit 75 dann, oder wie?

Roland: Heute. Heute bis dahin. Oder sagen wir schon länger.

Willy: Also du nimmst ja schon die Zeit raus.

Roland: Nicht mit 75, aber ich will bis dahin.

Roland: Und dann schauen wir, was da ist. Vielleicht kriege ich mit 17 Hertz einen Fall. Keine Ahnung.

Willy: Also die German Battery hat eine Zukunft, aber keine sehr lange.

Willy: Würdest du grundsätzlich Menschen, die jetzt zuhören, sagen,

Willy: ich bin frisch geschieden oder ich habe Bock auf Afrika, Bock auf weggehen, Bock auf Abenteuer.

Willy: Würdest du Menschen heute empfehlen, Rwanda, Kigali ist ein Land,

Willy: ist eine Stadt, wo es für Unternehmer ein gutes Pflaster ist, um etwas aufzubauen?

Roland: Wer ein vernünftiges Handwerk gelernt hat, der hat Chancen.

Roland: Das kann ich dazu nur sagen.

Willy: Ja gut, das ist doch schon mal... Und können Sie sich bei dir,

Willy: also gibst du Tipps ein bisschen weiter, Tipps, Tricks, bist du ein bisschen

Willy: so am Ende, wenn da wer kommt, kann er mit dir da einen Kaffee trinken,

Willy: ein Bier trinken, ein Soda trinken oder sowas?

Roland: Wir können das genauso unterhalten wie du und ich.

Willy: Also wenn der Podcast und die Informationen im Podcast nicht reichen,

Willy: dann kann er einfach mal in die

Willy: German Batschwege kommen und mit dir einen Kaffee trinken oder sonst was.

Roland: Ich empfehle aus meiner Erfahrung, wenn jemand vorhat, ins Ausland zu gehen,

Roland: egal in welches Ausland zu gehen, Und wenn er vorhat, hier nach Wanda zu kommen

Roland: und hat vielleicht die gleichen Gedanken, so wie ich, dass er sich damit beschäftigt.

Roland: Ich bin immer der Meinung, man sollte sich, wenn man in dieses Land will,

Roland: erst einmal das Land besuchen.

Roland: Aber nicht nur zwei Wochen. Man sollte mal richtig so...

Willy: Wie lange braucht man?

Roland: Wie ich es auch gemacht habe.

Willy: Zwei Monate.

Roland: Mindestens zwei Monate. Um mal überall ein bisschen reinzuschnuppern.

Roland: Durchblicken, wirst du da auch nicht so richtig, aber reinschnuppern,

Roland: dass du schon mal ein bisschen mitreden kannst. Das ist meine persönliche Meinung.

Willy: Und nicht zwei Monate lang ins Ressort gehen und hin und wieder mal mit dem

Willy: Taxi durch die Stadt fahren, sondern richtig ins Land gehen.

Roland: Richtig ins Land, richtig durcharbeiten. Was kann ich hier machen?

Roland: Wie ist das Land? Passt das Land zu mir?

Roland: Ich habe auch schon zu Freunden gesagt, wenn ihr, die mal auswandern wollen, sagt, kommt zu mir.

Roland: Besucht mich. Ihr könnt bei mir wohnen. Guckt euch das Land an und entscheidet dann selber.

Roland: Aber macht nicht den Fehler. fahr da zwei Wochen hin, alles toll,

Roland: fahr zurück, verkauf mein Auto, verkauf mein Haus, verkauf alles und dann bin

Roland: ich gelandet und so und jetzt, nach sechs Monaten bist du pleite.

Willy: Du warst da in der Trockenzeit, kommst zurück in der Regenzeit,

Willy: kommt ein anderes Land, dann denkst du, scheiße, was habe ich jetzt gemacht?

Willy: Gut, das ist ein weiser Ratschlag. Jetzt ganz zum Schluss, wenn du in einer,

Willy: utopischen Welt irgendwas an unserem Lebensmittelsystem ändern könntest,

Willy: was wäre denn das? Was wäre denn das?

Roland: Ich beschäftige mich ja jetzt persönlich für mich viel mit Essen.

Roland: Ich passe auf, was ich esse. Ich gucke, welche Zutaten da drin sind.

Roland: Und das sind in 90% der Nahrung, die wir zunehmen, katastrophale Zutaten drin.

Roland: Und wenn das in der Welt, nicht nur in Rwanda, sondern in der Welt geändert werden könnte, die

Roland: Essen- Zubereitung, wie wir es vor 30 Jahren hatte, wo noch alles gesund war,

Roland: wenn wir sowas ändern können.

Willy: Was sind katastrophale Zutaten oder Produkte oder was meinst du damit?

Roland: Diese ganze Chemie, die sie da reinmachen in das Essen. Oder jetzt,

Roland: was sie auch neu machen wollen, was soll das denn?

Roland: Käfer, Pulver, Käfer und Larven und all die ganze...

Willy: Also Insekten, ja?

Roland: Oder Insekten erkam. Was soll denn der Mist? Die Leute wollen das doch gar nicht.

Roland: Aber die Politik bestimmt das. Und das finde ich nicht gut.

Roland: Ich sehe zu, dass ich, ja, wenn ich, auch das Obst, was wir hier,

Roland: wir essen sehr, sehr viel Obst zu Hause, auch Tomaten, also all die Sachen.

Willy: Auch Tomaten?

Roland: Nein, ich wollte jetzt sozusagen Gemüse. Tomaten gehören nicht zu Gemüse.

Roland: Aber auch, ich meine jetzt Tomaten, Karotten, alle diese Sachen,

Roland: die in der Erde, so praktisch fast in der Erde wachsen, die wasche ich alle

Roland: ab mit Natron und mit Essig.

Roland: Jetzt wird alles gewaschen, weil ich Angst habe, da drauf sitzen unheimlich

Roland: viele Pestizide, die uns krank machen.

Roland: Und ich möchte, dass meine Familie krank wird. Von so einem Mist.

Willy: Würdest du sagen, jetzt frage ich das natürlich an Fleisch, aber glaubst du,

Willy: dass wir generell zu viel Fleisch essen und weniger Fleisch essen sollten?

Roland: Das finde ich, sollte sich jeder selber entscheiden. Ich habe früher viel,

Roland: viel, viel mehr Fleisch gegessen als heute.

Roland: ich esse weniger Fleisch, aber nicht, weil es mir jemand sagt,

Roland: sondern weil ich meine Gesundheit dadurch verbessern möchte.

Roland: Und das muss ich entscheiden.

Roland: Und das kann ich nicht sagen, du isst jetzt auch weniger Fleisch.

Willy: Bei dir hast du das gemerkt, dass das mit zunehmendem Alter geringerer Fleischkonsum

Willy: besser für dich ist, oder? Ja, ja.

Roland: Ich habe gestern hier 400 Gramm Stee gegessen. Das mache ich nicht jeden Tag.

Roland: Nicht, weil ich mir das leisten kann. Ich kriege das ja umsonst.

Roland: Aber einfach, ich möchte das auch mal haben. Aber damit ist es wieder zwei Wochen Ruhe.

Roland: Das heißt aber auch nicht, dass ich in zwei Wochen jetzt Gemüse esse.

Roland: Ich esse auch morgen wieder meine Wurst.

Roland: Aber weniger, einfach weniger.

Willy: Wenn du, sagen wir mal, irgendwann eines Tages, das ist bei dir auch noch weit

Willy: weg, irgendwann einmal diese Welt für immer verlässt, wofür soll man sich an dich erinnern?

Roland: Oh, schwierige Frage.

Willy: Sicher, mal zum Schluss kommen wir neben den Schwierigen.

Roland: Woran sollte man mich erinnern? Ja, dass ich der Metzger aus Ruanda war.

Willy: Der Metzger aus Ruanda?

Roland: Ja, der Metzger aus Ruanda, der Roland aus Ruanda. Ich weiß es nicht.

Willy: Der Roland aus Ruanda.

Roland: Man könnte es natürlich auch ganz krass sagen, es geht mir am Arsch vorbei, sorry.

Roland: Aber wo du jetzt so fragst, ich habe keine Feinde in dem Sinn.

Roland: Ich habe viele Freunde, meine Angestellten, die mögen mich alle im großen Sinne.

Roland: Also ich hoffe, dass man sich immer mal wieder an mich erinnert.

Roland: So wie ich jetzt auch meine beiden Kumpels hier, den Alfred und da drüber ist der Carsten.

Willy: Du zeigst euch die zwei Fotos, die da drüben hängen.

Roland: Der obere, der war Chefkoch bei Park Inn und der ist letztes Jahr verstorben mit 47.

Roland: Allerdings hat er ein bisschen viel getrunken und das muss ja auch jeder selber entscheiden.

Roland: aber ich erinnere mich gerne noch an die beiden wenn wir samstags hier sitzen

Roland: und trinken wir trinken ja öfter mal so ein paar kurzen Jägermeister da trinke

Roland: ich immer ganz gerne einen mit dann sage ich, Jungs, der nächste geht auf Alfred

Roland: und auf Carsten alles klar, weg damit, fertig

Willy: Und so soll es für dich auch sein Leute, irgendwann hocken irgendwo anders Leute

Willy: sagen, du der nächste geht auf Roland.

Roland: Das würde mich

Willy: Freuen was soll sein, Jägermeister, oder was soll man trinken weil jetzt können wir es bestimmen,

Willy: Was soll der Kurzer sein? Soll es ein Jägermeister sein oder ist es wurscht?

Roland: Einfach ein Kurzer.

Willy: Einfach ein Kurzer.

Roland: Das mag ja nicht jeder Jägermeister. Sehr gut.

Willy: Ganz letztes Ding. Hast du einen Spruch, ein Zitat oder einen Witz oder irgendeine

Willy: Lebensweise, irgendwas, was für dich wichtig ist, was du uns jetzt zum Schluss noch mitgibst?

Roland: Ja, das bringe ich meinem Sohn sehr oft.

Roland: Sage ich ihm das. Ich sage immer, mein Freund, du musst nicht alles wissen,

Roland: aber du musst jemanden kennen, der es weiß.

Roland: Fertig. Und damit ist alles gesagt.

Willy: Ich würde sagen, das ist fast das Motto dieses Podcasts. Lieber Roland Kastler, vielen, vielen Dank.

Willy: Du warst heute einer, der etwas weiß, das ich nicht wusste und hast es nun mit

Willy: uns allen geteilt. In diesem Sinne, vielen Dank für das Gespräch.

Willy: Und jetzt schauen wir uns noch ein bisschen an, was du da alles aufgebaut hast.

Roland: Ja, wir gehen mal gerne rum. Kein Problem. Danke. Prima.

Willy: Tschüss.

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